Es gibt Horrorfilmreihen, die irgendwann nicht mehr enden, weil sie etwas zu sagen haben, sondern weil das Publikum es von ihnen erwartet. Die Saw-Franchise ist ein Paradebeispiel. Zehn Teile, mehrere Neustarts, eine Marke, die sich selbst überlebt hat – und nun, mit Saw X aus dem Jahr 2023, ein Versuch, die Handlung zwischen Saw 1 und Saw II zu verorten und Tobin Bell wieder als John Kramer ins Zentrum zu stellen.
Regie führte Kevin Gruetert, das Drehbuch stammt von Josh Stolberg und Pete Goldfinger. Produziert wurde der Film unter dem Dach von Lionsgate, Twisted Pictures und Fallen Pieces Entertainment. Kinostart in Deutschland war im September 2023, die Altersfreigabe entspricht erwartungsgemäß einer hohen FSK-Einstufung. Gedreht wurde unter anderem in Mexiko, was dem Film eine ungewohnte geografische und atmosphärische Verschiebung gibt.
Die Besetzung von Saw X ist auf den ersten Blick vielversprechend. Tobin Bell zurück als Hauptdarsteller, Shawnee Smith als Amanda Young wieder an seiner Seite, dazu eine Reihe neuer Gesichter wie Synnøve Macody Lund, Steven Brand, Michael Beach, Renata Vaca, Joshua Okamoto und Gabrielle Echols. Was auf dem Papier wie ein solides Ensemble klingt, verdient einen genaueren Blick.
Die Besetzung von Saw X – zwischen Anspruch und Konstruktion
Die Rollenverteilung in Saw X folgt einem Muster, das man aus späten Franchise-Teilen kennt: Bekannte Figuren als emotionaler Anker, neue Charaktere als dramaturgisches Werkzeug. Das Ergebnis ist ein Ensemble, das funktioniert, ohne wirklich zu überraschen.
Die Rückkehr von Tobin Bell ist das Herzstück des Films. Das ist kein künstlerisches Statement – es ist ein kommerzielles. Bell spielt John Kramer seit dem ersten Teil, sein Gesicht ist untrennbar mit dem Jigsaw-Killer verbunden, und der Cast um ihn herum ist sichtbar auf ihn ausgerichtet. Alle anderen Figuren existieren primär in Relation zu ihm.
Shawnee Smith als Amanda Young ist eine logische Wiederholung, die inhaltlich begründbar ist, dramaturgisch aber wenig Neues leistet. Die neuen Darsteller – insbesondere Synnøve Macody Lund als Antagonistin Cecilia Pederson – bringen frische Energie, ohne dabei die Tiefe zu erreichen, die man sich von einem Horrorfilm mit diesem Anspruch wünschen würde.
Das Casting wirkt insgesamt solide kalkuliert: Es signalisiert Kontinuität gegenüber Fans, versucht gleichzeitig mit neuen Gesichtern eine breitere Zielgruppe anzusprechen. Ob diese Balance aufgeht, hängt davon ab, wie viel man von einem Splatterfilm im Jahr 2023 erwartet.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Tobin Bell | John Kramer / Jigsaw | 8/10 | Routiniert, präsent, aber selten überraschend – er trägt den Film durch pure Autorität |
| Shawnee Smith | Amanda Young | 6/10 | Bekannte Figur, bekannte Performance – funktioniert, entwickelt sich kaum |
| Synnøve Macody Lund | Cecilia Pederson | 7/10 | Stärkste Neuzugabe – kalt und berechenbar, manchmal zu eindimensional |
| Steven Brand | Mateo | 5/10 | Solide, aber austauschbar – die Figur bleibt eine dramaturgische Funktion |
| Michael Beach | Parker Sears | 5/10 | Zu wenig Leinwandzeit für eine echte Charakterisierung |
| Renata Vaca | Valentina | 6/10 | Emotional überzeugend in einzelnen Szenen, insgesamt unterentwickelt |
| Joshua Okamoto | Gabriele | 5/10 | Bleibt blass, obwohl die Konstellation interessant wäre |
| Gabrielle Echols | Gabriela | 5/10 | Ähnliche Problematik – das Drehbuch lässt ihr zu wenig Raum |
Die Hauptdarsteller im Fokus
Tobin Bell als John Kramer / Jigsaw
Tobin Bell ist Saw. Das ist weder eine Übertreibung noch ein Kompliment ohne Vorbehalte. Es ist schlicht eine Feststellung: Ohne Bell existiert diese Filmreihe nicht in der Form, in der sie existiert. Saw X nutzt das, indem es John Kramer erstmals als Hauptdarsteller in die Mitte stellt, statt ihn nur in Rückblenden auftreten zu lassen.
Was Bell liefert, ist professionell und glaubwürdig. Er spielt die moralische Überzeugung seines Charakters ohne Ironie, was die Figur aus einer anderen Zeit entstammen lässt – und genau das ist die Stärke des Films. John Kramer wirkt nicht modern. Er wirkt überzeugt. Das ist beunruhigender als jede Falle.
Das Problem ist ein anderes: Bell hat diese Rolle so oft gespielt, dass er sie schlafen könnte. Die Performance ist souverän, aber selten lebendig. Es gibt Momente, in denen man den Schauspieler sieht, nicht den Charakter. Ein Mann, der weiß, wie diese Figur funktioniert – und der genau das liefert, was erwartet wird.
Die emotionale Dimension, die Saw X versucht einzuführen – John Kramer als Sterbender, als Betrogener, als Mensch – ist interessant als Konzept. In der Ausführung bleibt sie fragmentarisch. Die Handlung erlaubt keine wirkliche Verwundbarkeit.
Bewertung: 8/10
Shawnee Smith als Amanda Young
Amanda Young ist eine der faszinierendsten Figuren der Saw-Franchise – nicht wegen ihrer Moral, sondern wegen ihrer Psychologie. Eine Überlebende, die zur Komplizin wurde. Jemand, der in der Logik des Jigsaw-Systems tatsächlich Sinn gefunden hat.
Shawnee Smith hat diese Rolle in Saw und Saw II mit einer rohen Intensität gespielt, die damals überraschte. In Saw X ist das meiste davon noch vorhanden – aber es fühlt sich wie eine Wiederholung an, nicht wie eine Weiterentwicklung. Die Figur ist älter geworden, aber das Drehbuch nutzt diesen Wandel kaum.
Amanda agiert hier als Erweiterung von Kramers Willen. Ihre eigene Perspektive, ihre inneren Widersprüche, die in früheren Teilen so produktiv waren, treten in den Hintergrund. Smith ist eine kompetente Darstellerin, aber das Material, das sie bekommt, begrenzt sie spürbar.
Bewertung: 6/10
Einen ähnlichen Blick auf Ensembles in Horrorfortsetzungen bietet der Artikel über die Besetzung von Es – die Filmreihe.
Synnøve Macody Lund als Cecilia Pederson
Die norwegische Schauspielerin Synnøve Macody Lund ist die interessanteste Neuzugabe in der Besetzung von Saw X. Cecilia Pederson ist die Antagonistin – eine Figur, die John Kramer manipuliert und damit die moralische Prämisse des Films in Bewegung setzt.
Macody Lund spielt sie mit einer kontrollierten Kälte, die überzeugend ist. Sie wirkt nicht wie eine Figur aus einem Horrorfilm, sondern eher wie eine aus einem Thriller – berechnend, ohne Panik, ohne erkennbare Reue. Das ist eine bewusste Entscheidung und eine richtige.
Das Problem liegt im Drehbuch: Cecilia ist als Antagonistin eindeutig konstruiert. Ihre Motivation ist verständlich, aber nie wirklich komplex. Sie bleibt ein Werkzeug der Handlung, kein eigenständiger Charakter. Macody Lund holt das Maximum heraus – aber das Maximum ist begrenzt.
Bewertung: 7/10
Nebenrollen – echte Figuren oder bloße Funktionen?
Die Nebenrollen in Saw X folgen einem alten Muster: Sie sind Träger der Fallen, keine Träger von Geschichten. Steven Brand als Mateo, Michael Beach als Parker Sears, Renata Vaca als Valentina, Joshua Okamoto als Gabriele und Gabrielle Echols als Gabriela – sie alle existieren primär dafür, dass die Traps eine menschliche Dimension bekommen.
Das ist kein Fehler per se. Splatterfilme haben ihre eigene Dramaturgie. Aber Saw X scheint mehr zu wollen: Es möchte emotionale Investition erzeugen, möchte, dass man sich um diese Menschen sorgt, bevor sie in Fallen geraten. Das gelingt nur bedingt.
Renata Vaca als Valentina ist die stärkste unter den Nebenrollen – sie bekommt einzelne Szenen, in denen echte Verletzlichkeit sichtbar wird, und nutzt sie. Gabrielle Echols als Gabriela hat ähnliches Potenzial, aber zu wenig Screentime.
Michael Beach ist ein erfahrener Charakter-Darsteller, der hier systematisch untergenutzt wird. Parker Sears ist eine Skizze, kein Charakter. Steven Brands Mateo ist das klarste Beispiel für einen Charakter, der nur als narratives Mittel funktioniert – kaum entwickelt, klar vorherbestimmt.
Das Problem ist nicht das Talent der Darsteller. Es ist die Besetzungsliste, die zu viele Figuren auf zu wenig Raum verteilt. Der Cast ist größer als die Geschichte verträgt.
Wie ein ähnliches Problem in einem anderen Horrorfranchise gelöst – oder verfehlt – wird, zeigt der Blick auf die Besetzung von Final Destination 5.
Filmografie – Entwicklung oder Stillstand?
Tobin Bell
- Außerhalb der Saw-Reihe in Nebenrollen tätig, unter anderem in Akte X und verschiedenen TV-Produktionen
- Die öffentliche Wahrnehmung wird vollständig von John Kramer / Jigsaw dominiert
- Typecasting in seiner reinsten Form: nicht aufgezwungen, sondern durch Erfolg zementiert
Shawnee Smith
- Vor Saw in verschiedenen Projekten tätig, darunter die Sitcom Becker
- Amanda Young hat ihre Karriere neu definiert, ohne ihr jedoch neue Türen zu öffnen
- Die Rückkehr in Saw X ist folgerichtig – aber auch symptomatisch für eine Karriere, die sich nicht wirklich von der Franchise gelöst hat
Synnøve Macody Lund
- In Norwegen eigenständige Karriere, unter anderem als Lisbeth Salander in der norwegischen Verfilmung von Verblendung (Män som hatar kvinnor, 2009)
- Saw X ist für das internationale Publikum ein Einstiegspunkt
- Ob sie daraus einen langfristigen Nutzen ziehen kann, wird von zukünftigen Projekten abhängen
Die übrigen Darsteller – Brand, Beach, Vaca, Okamoto, Echols – bewegen sich in soliden, aber unspektakulären Karriereverläufen. Keine Entwicklung, die durch Saw X wesentlich verändert wird.
Funktioniert das Ensemble als glaubwürdige Einheit?
Die kurze Antwort: teilweise.
Das Kernpaar Bell und Smith funktioniert. Die jahrelange Zusammenarbeit ist spürbar – es gibt eine Vertrautheit zwischen den Figuren, die nicht gespielt wirkt. Wenn John Kramer und Amanda Young miteinander interagieren, hat das Gewicht. Das ist keine kleine Leistung, vor allem in einem zehnten Franchise-Teil.
Die Verbindung zwischen Bell und Macody Lund funktioniert ebenfalls gut – gerade weil sie antagonistisch ist. Zwei ruhige, berechnende Figuren, die sich gegenseitig einschätzen. Diese Szenen haben Spannung.
Problematischer ist die Chemie zwischen den Nebenrollen untereinander. Die mexikanischen Charaktere sollen als Gruppe funktionieren, als menschliches Kollektiv, das man kennenlernt, bevor es in die Handlung hineingezogen wird. Diese Investition gelingt nicht vollständig, weil die Figurenkonstellation zu schnell eingeführt wird.
Das Ensemble als glaubwürdige Einheit? Nein. Als funktionierendes Werkzeug für die Handlung? Ja – mit Einschränkungen. Saw X ist kein Film, der von seiner Ensembledynamik lebt. Er lebt von seiner zentralen Figur und von der Machinerie, die um sie herum aufgebaut wird.
Einen vergleichbaren Blick auf Ensembledynamik in einem atmosphärischen Horrorfilm bietet der Artikel über die Besetzung von Mama (2013).
Wenn die Aussage die Geschichte verdrängt – ein wiederkehrendes Problem?
Saw X stellt sich selbst eine interessante Frage: Was ist Gerechtigkeit, wenn das System versagt? John Kramer ist kein gewöhnlicher Serienkiller – er ist jemand, der von einem betrügerischen medizinischen Netzwerk um seine letzte Hoffnung gebracht wurde. Die Fallen, die er legt, sind diesmal keine abstrakten moralischen Tests, sondern persönliche Rache.
Das ist narrativ ehrlicher als viele Vorgänger. Es gibt dem Film eine Motivation, die verständlich ist – auch wenn sie nicht zu billigen ist.
Aber hier entsteht das klassische Problem: Die Aussage beginnt, die Geschichte zu dominieren. Saw X möchte erklären, warum John Kramer recht haben könnte. Es möchte Empathie erzeugen für einen Folterer. Das ist eine legitime erzählerische Absicht – aber sie kostet den Film seine Reibungsfläche.
Wenn der Antagonist sympathisch wird, braucht man starke Gegenpositionen. Die liefert der Film nur bedingt. Die Opfer der Fallen sind klar als schuldig markiert, was die moralische Spannung reduziert. Es entsteht kein echtes Dilemma – nur ein bestätigtes Urteil.
Das ist kein Problem, das nur Saw X hat. Viele moderne Produktionen fallen in diese Falle: Sie versuchen so sehr, die eigene Prämisse zu legitimieren, dass sie vergessen, sie zu hinterfragen. Das Ergebnis ist ein Film, der überzeugen will – und dabei die Ambiguität verliert, die Horrorfilme interessant macht.
Die Besetzung von Saw X ist gut genug, um dieses strukturelle Problem zu kaschieren. Aber lösen kann sie es nicht.
Häufig gestellte Fragen zur Besetzung von Saw X
Wer spielt in Saw X die Hauptrollen?
Die Hauptdarsteller in Saw X sind Tobin Bell als John Kramer / Jigsaw und Shawnee Smith als Amanda Young. Die wichtigste neue Figur ist Cecilia Pederson, gespielt von Synnøve Macody Lund.
Wer spielt den Antagonisten in Saw X?
Die zentrale Antagonistin ist Cecilia Pederson, verkörpert von der norwegischen Schauspielerin Synnøve Macody Lund. Sie ist eine Ärztin, die John Kramer mit einer falschen Krebsbehandlung betrogen hat.
Welcher Schauspieler überzeugt in Saw X am meisten?
Tobin Bell liefert erwartungsgemäß die stärkste Performance – nicht weil er sich überraschend entwickelt, sondern weil er die Figur mit einer Überzeugungskraft trägt, die den gesamten Film stabilisiert. Synnøve Macody Lund ist die interessanteste Neuzugabe.
Ist Saw X für Fans der Reihe sehenswert?
Für Franchise-Fans: ja. Für Einsteiger ohne Vorwissen: bedingt. Der Film setzt Kenntnis der Grundmythologie voraus und ist inhaltlich dichter als die schwächeren Teile der Reihe. Als eigenständiges Werk bleibt er jedoch begrenzt.
Gibt es nach Saw X eine Fortsetzung?
Zum Zeitpunkt des Filmstarts wurde Saw XI als mögliche Fortsetzung diskutiert. Konkrete Casting-Informationen lagen bei Erscheinen dieses Artikels nicht vor.
Ist die deutsche Synchronisation der Besetzung gelungen?
Die deutsche Synchronisation von Saw X folgt den Konventionen des Genres. Tobin Bell wird in der deutschen Fassung wie in früheren Teilen synchronisiert, was für Kontinuität sorgt. Die Qualität der Synchronsprecher entspricht dem üblichen Standard für Lionsgate-Produktionen im deutschen Markt.




