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Besetzung von Melancholia

Besetzung von Melancholia

Melancholia ist kein Film, den man nebenher schaut. Er ist auch kein Film, über den man sich leicht einigt. Das dänische Drama aus dem Jahr 2011 – uraufgeführt in Cannes, wo Kirsten Dunst den Preis als Beste Darstellerin gewann – erzählt vom Ende der Welt und vom Ende eines Menschen in zwei parallelen Bewegungen. Ein Planet namens Melancholia rast auf die Erde zu. Eine Frau namens Justine versinkt in der Depression. Lars von Trier verbindet beides mit einer Konsequenz, die zugleich faszinierend und anstrengend ist.

Die Besetzung von Melancholia liest sich auf den ersten Blick wie eine Wunschliste: Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Kiefer Sutherland, Alexander Skarsgård, Charlotte Rampling, John Hurt, Stellan Skarsgård, Brady Corbet, Udo Kier. Ein Ensemble, das auf dem Papier Gewicht hat. Ob dieses Gewicht im Film auch dramaturgisch trägt – das ist eine andere Frage. Und genau die soll hier gestellt werden.

Die Besetzung von Melancholia – zwischen Anspruch und Konstruktion

Wenn man die Rollenbesetzung von Melancholia betrachtet, fällt zunächst auf, wie konsequent Lars von Trier auf Gesichter setzt, die bereits für etwas stehen. Kirsten Dunst ist Hollywood-Vergangenheit, europäische Ambition, bekanntes Gesicht – aber kein leichtes Gesicht. Charlotte Gainsbourg trägt den Nachnamen einer Legende und die Ruhe einer Frau, die mit schwerem Material umgehen kann. Kiefer Sutherland ist für viele noch immer Jack Bauer. Diese Assoziationen verschwinden nicht einfach, wenn der Abspann einen anderen Namen nennt.

Das ist nicht automatisch ein Problem. Aber es ist eine Entscheidung, die Konsequenzen hat. Wenn ein Cast strategisch klingt – und dieser Cast klingt zumindest teilweise strategisch – dann stellt sich die Frage, ob die Figuren primär als Charaktere existieren oder als Projektionsflächen für ein größeres Thema.

Was Melancholia richtig macht: Die Besetzung ist nicht beliebig. Es gibt eine innere Logik, wie Trier seine Figuren aufgestellt hat. Dunst als zerfallende Justine, Gainsbourg als funktionierendes Gegenprinzip Claire – diese Konstellation erzeugt Spannung, weil sie zwei Lebenshaltungen gegenüberstellt, nicht nur zwei Schauspielerinnen. Was weniger funktioniert: Je weiter man in die Nebenrollen blickt, desto mehr fühlen sich manche Figuren wie Requisiten an, die gelegentlich sprechen.

Die Frage, ob das Ensemble als glaubwürdige Einheit funktioniert oder ob einzelne Castingentscheidungen eher als Signal nach außen gemeint sind – diese Frage begleitet den Film bis zum Schluss.

Tabelle der Besetzung mit Bewertung

Schauspieler Rolle Bewertung Kommentar
Kirsten Dunst Justine 9/10 Selten so präzise im Kollaps. Körperlich und emotional überzeugend.
Charlotte Gainsbourg Claire 7/10 Stabil und präzise – aber manchmal zu kontrolliert für eine Figur, die verzweifeln soll.
Alexander Skarsgård Michael 5/10 Sympathisch, aber zu blass. Die Rolle lässt wenig Raum, er nimmt sich noch weniger.
Kiefer Sutherland John 6/10 Funktioniert solange er rational bleibt. Die emotionalen Momente wirken einstudiert.
Charlotte Rampling Gaby 6/10 Eiskalt und präzise – aber die Figur bleibt Randnotiz.
John Hurt Dexter 5/10 Charmant, aber ohne dramaturgisches Gewicht. Eher Atmosphäre als Charakter.
Stellan Skarsgård Jack 5/10 Bleibt merkwürdig flach für einen Darsteller dieser Klasse.
Brady Corbet Tim 4/10 Kaum vorhanden. Verschwindet in der Handlung, ohne eine Spur zu hinterlassen.
Udo Kier Hochzeitsplaner 6/10 Die einzige Figur mit echtem Witz – leider zu kurz.

Die Hauptdarsteller im Fokus

Kirsten Dunst als Justine

Justine ist die eigentliche Seele des Films – und das Rätsel, auf das Melancholia keine vollständige Antwort geben will. Sie beginnt den Film als Braut auf ihrer eigenen Hochzeit und verlässt ihn als Frau, die den Weltuntergang seltsam gelassen akzeptiert. Dazwischen liegt ein vollständiger psychischer Zusammenbruch, der nicht erklärt, nur gezeigt wird.

Kirsten Dunst trägt diesen Bogen mit einer Präzision, die man ihr vielleicht nicht zugetraut hätte. Sie spielt nicht Depression – sie zeigt Körper und Geist im Rückzug. Das ist ein Unterschied. Ihre Leistung ist keine Demonstration, kein Aufschrei, sondern ein langsames Verblassen, das trotzdem nie kalt wirkt. Man glaubt ihr die Erschöpfung. Man glaubt ihr die merkwürdige Ruhe am Ende.

Das Risiko bei einer solchen Rolle: Sie kann zur reinen Symbolgestalt werden, zum Inbegriff der Melancholia selbst. Dass Dunst das verhindert, ist ihre eigentliche Leistung. Justine bleibt Mensch, auch wenn der Film sie mehr als einmal zum Bild machen will.

Bewertung: 9/10

Charlotte Gainsbourg als Claire

Claire ist die Schwester, die funktioniert. Die organisiert, plant, fürchtet. Die Antithese zu Justine – zumindest für den größten Teil des Films. Charlotte Gainsbourg spielt diese Gegenfigur mit einer Zurückhaltung, die zuerst wie Stärke wirkt und sich erst spät als fragile Hülle entpuppt.

Das ist dramaturgisch sauber gedacht. Gainsbourg setzt das handwerklich solide um. Aber hier liegt auch das Problem: Claire bleibt zu lange im kontrollierten Modus. Wenn sie schließlich aufbricht – wenn die Angst vor dem Weltuntergang, also vor dem Planeten Melancholia, auch sie überrollt – wünscht man sich, man hätte früher Risse gesehen. Die Entwicklung kommt etwas plötzlich, etwas zu schematisch.

Das ist keine Schwäche der Darstellerin. Das ist eine Schwäche des Drehbuchs in seinem Umgang mit dieser Figur. Gainsbourg liefert, was verlangt wird. Man könnte fragen, ob mehr verlangt werden sollte.

Bewertung: 7/10

Kiefer Sutherland als John

John ist der rationale Mann im Haus. Der Wissenschaftler, der Ehemann, der Mann mit dem Teleskop und dem Plan. Kiefer Sutherland spielt ihn als Pragmatiker, der sich auf die Astronomie verlässt, weil er der Emotion nicht traut.

Das ist eine interessante Konstruktion. Sutherland bewältigt den nüchternen Teil der Rolle ordentlich. Aber in den Momenten, in denen John aus seinem Kontrollrahmen herausfallen soll, wird es unscharf. Die Szenen, in denen er mit der Realität des Untergangs konfrontiert wird, wirken nicht wie innerer Zusammenbruch, sondern wie Schauspielübung. Wer Jack Bauer kennt, hat Sutherland in existenziellem Druck gesehen. Hier fehlt die Erdung.

Kein schlechter Auftritt. Aber kein Auftritt, der den Film nach vorne trägt.

Bewertung: 6/10

Lesen Sie auch den Artikel über die Besetzung von München im Angesicht des Krieges.

Nebenrollen – echte Figuren oder bloße Funktionen?

Die Nebenrollen in Melancholia sind das ehrlichste Zeugnis dafür, was von Trier wirklich interessiert – und was er als dramaturgisches Beiwerk behandelt.

Charlotte Rampling als Gaby, die Mutter von Justine und Claire, ist eine Figur mit echter Schärfe. Rampling spielt sie kalt und distanziert, mit einer Verachtung, die nicht gespielt wirkt. Aber Gaby erscheint so selten, dass sie kaum Konsequenz entfalten kann. Sie bleibt Erklärungsversuch – hier liegt der emotionale Hintergrund der Figuren – ohne selbst zum Charakter zu werden.

John Hurt als Vater Dexter ist das Gegenteil: warm, leicht, ein Mann, der sich weigert, die Schwere anzunehmen. Hurt macht das mit seiner üblichen Leichtigkeit, die immer auch Melancholie enthält. Aber auch er ist zu wenig präsent, um wirklich zu zählen.

Stellan Skarsgård als Jack – Chef und Bekannter von Justine – bleibt merkwürdig unterentwickelt. Eine Figur, die in der ersten Filmhälfte eine Funktion erfüllt, dann aber spurlos verschwindet. Skarsgård hat die Klasse, mehr daraus zu machen. Die Gelegenheit bekommt er nicht.

Brady Corbet als Tim ist kaum mehr als eine Präsenz am Rand. Die Figur hat keine Kontur. Man weiß am Ende nicht, warum sie da war.

Die große Ausnahme ist Udo Kier als überfordert-pedantischer Hochzeitsplaner. Er ist die einzige Figur im Film, die echten Witz trägt – und Kier dosiert diesen Witz mit einer Trockenheit, die den Ton nicht verletzt. Eine kleine, aber gelungene Rollenbesetzung.

Einen ähnlich kritischen Blick auf Ensemblebesetzungen lohnt der Artikel über die Besetzung von The Whale.

Filmografie – Entwicklung oder Stillstand?

Kirsten Dunst

  • Interview with the Vampire (1994)
  • The Virgin Suicides (1999)
  • Spider-Man-Trilogie
  • Eternal Sunshine of the Spotless Mind (2004)
  • Fargo, Staffel 1 (2015)
  • Melancholia (2011)

Melancholia fällt in eine Phase, in der Dunst nach Rollen suchte, die ihr mehr abverlangen. Das ist ihr hier gelungen. Keine Typecasting-Falle, sondern eine echte Weiterentwicklung.

Charlotte Gainsbourg

  • Antichrist (2009)
  • Melancholia (2011)

Gainsbourg hat sich spätestens seit Antichrist – ebenfalls unter Lars von Trier – als Darstellerin etabliert, die sich schwierigem Material nicht verweigert. Melancholia ist eine logische Fortsetzung dieser Linie. Was fehlt, ist der Sprung, die Überraschung. Sie macht, was man von ihr erwartet – und macht es gut.

Kiefer Sutherland

  • Melancholia (2011)

Sutherland ist einer der interessanten Fälle: eine Fernsehkarriere, die sein Kinobild überlagert hat. Melancholia war ein Versuch, aus dem Jack-Bauer-Schatten herauszutreten. Der Versuch ist nicht vollständig gescheitert – aber vollständig gelungen ist er auch nicht.

Stellan Skarsgård

  • Breaking the Waves
  • Insomnia
  • Dogville
  • Melancholia (2011)

Skarsgård hat in seiner Karriere bewiesen, dass er komplexe Figuren tragen kann. Dass er in Melancholia so wenig Raum bekommt, ist eine verpasste Möglichkeit.

Funktioniert das Ensemble als glaubwürdige Einheit?

Die ehrliche Antwort ist: teilweise.

Das Zentrum des Ensembles – Dunst und Gainsbourg – funktioniert. Die Chemie zwischen den beiden ist nicht warm, aber das soll sie nicht sein. Es ist die Chemie von zwei Menschen, die sich kennen, sich lieben und einander fremd sind. Das ist präzise und glaubwürdig.

Wo das Ensemble an Glaubwürdigkeit verliert, ist in den familiären Szenen der ersten Filmhälfte. Die Hochzeitsgesellschaft wirkt manchmal weniger wie eine Gruppe von Menschen als wie eine Kulisse, vor der Justine zerfällt. Das ist ästhetisch gewollt – aber dramaturgisch schwächt es die Wirkung. Wenn die Umgebung keine eigene Schwerkraft hat, fühlt sich auch der Zerfall der Hauptfigur weniger geerdet an.

Kiefer Sutherland und Alexander Skarsgård geben dem ersten Akt Struktur, aber keine Tiefe. John und Michael sind Platzhalter für zwei Männertypen: der Pragmatiker, der Verliebte. Sie reagieren auf Justine – sie agieren kaum aus eigenem Antrieb.

Das Ensemble funktioniert als Werkzeug. Als glaubwürdige Gemeinschaft von Menschen mit eigener Schwerkraft funktioniert es nur in Ausnahmen.

Vergleichbare Fragen zur Ensemblelogik stellen sich auch im Artikel über die Besetzung von Eyes Wide Shut.

Wenn die Aussage die Geschichte verdrängt – ein wiederkehrendes Problem?

Lars von Trier ist ein Regisseur, der Ideen nie versteckt. Das ist sein Markenzeichen und sein Risiko. In Melancholia ist die Idee so groß – Depression als kosmische Wahrheit, die Melancholikerin als einzig ehrliche Zeugin des Endes –, dass die Geschichte manchmal unter ihr erstickt.

Das zeigt sich in der Rollenbesetzung: Figuren wie Gaby, Dexter oder Jack existieren, weil ein Drama Nebenfiguren braucht. Sie existieren nicht, weil die Geschichte etwas mit ihnen vorhat. Das Drehbuch interessiert sich für Justine. Es interessiert sich für die Idee des Weltuntergangs. Alles andere ist Rahmen.

Das ist kein Einzelproblem von Melancholia. Es ist ein Muster, das sich durch viele ambitionierte Produktionen zieht, die Kunst über Erzählung stellen wollen. Das Ergebnis ist oft dasselbe: fesselnde Bilder, starke Hauptdarsteller, schwache Mitte. Der Film hält zusammen, weil Dunst ihn trägt – nicht weil das Ensemble ihn trägt.

Man kann das akzeptieren, wenn man Triers Kino als Autorenfilm liest, der Figuren als Instrumente einer Vision benutzt. Man darf es auch unbefriedigend finden. Beides ist legitim.

Die Frage, ob das Budgetieren auf ein starkes Gesicht – Dunst, Gainsbourg, Sutherland – auch ein Signal an Cannes und an das internationale Arthouse-Publikum war, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Was sich sagen lässt: Das Casting von Melancholia hat bei der Goldenen Palme-Nominierung und beim Preis für Dunst als Beste Darstellerin sicher nicht geschadet. Kunst und Kalkül schließen sich nicht aus. Aber man sollte beide sehen können.

Häufig gestellte Fragen zur Besetzung von Melancholia

Wer spielt die Hauptrolle in Melancholia?

Kirsten Dunst spielt Justine, die zentrale Figur des Films. Sie erhielt für diese Rolle 2011 in Cannes den Preis als Beste Darstellerin.

Wer spielt neben Kirsten Dunst in Melancholia?

Die Besetzung von Melancholia umfasst unter anderem Charlotte Gainsbourg als Claire, Alexander Skarsgård als Michael, Kiefer Sutherland als John, Charlotte Rampling als Gaby, John Hurt als Dexter, Stellan Skarsgård als Jack, Brady Corbet als Tim und Udo Kier als Hochzeitsplaner.

Welcher Schauspieler überzeugt in Melancholia am meisten?

Kirsten Dunst liefert die stärkste Leistung des Films – präzise, körperlich und ohne Effekthascherei. Charlotte Gainsbourg ist solide, bleibt aber etwas schematisch. Udo Kier ist die überraschend gelungene Nebenbesetzung.

Ist Melancholia einen Stream wert?

Wenn man Lars von Triers Stil nicht grundsätzlich ablehnt: ja. Der Film ist visuell außergewöhnlich, Dunsts Leistung ist sehenswert, und die Grundidee trägt. Wer dramaturgische Ausgewogenheit und vollständig entwickelte Nebencharaktere erwartet, wird Abstriche machen müssen. Melancholia ist als Film verfügbar, unter anderem über Amazon Prime Video.

Hat Lars von Trier das Drehbuch zu Melancholia selbst geschrieben?

Ja, Lars von Trier ist sowohl Regisseur als auch Drehbuchautor von Melancholia. Die Kamera führte Manuel Alberto Claro. Das Projekt entstand als dänische Produktion unter Beteiligung von Nordisk Film.

Welche Musik verwendet Melancholia?

Der Film arbeitet prominent mit Richard Wagners Musik, insbesondere dem Vorspiel zu Tristan und Isolde. Die Filmmusik ist ein zentrales ästhetisches Element und unterstreicht den apokalyptischen Charakter des Dramas.

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