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Besetzung von Sully

Besetzung von Sully

Es gibt Filme, die sich auf eine Geschichte verlassen. Und es gibt Filme, die sich auf ihren Cast verlassen – und hoffen, dass niemand den Unterschied bemerkt. Sully von Clint Eastwood aus dem Jahr 2016 ist ein Biografie-Drama, das auf einem der bemerkenswertesten Ereignisse der jüngeren amerikanischen Luftfahrtgeschichte basiert: der Notlandung von US-Airways-Flug 1549 auf dem Hudson River am 15. Januar 2009. Pilot Chesley „Sully” Sullenberger brachte 155 Menschen lebend ans Ufer – und wurde über Nacht zum Helden. Der Film möchte etwas Differenzierteres erzählen. Ob das gelingt, hängt zu einem erheblichen Teil von der Besetzung ab. Und die ist – wie so oft bei Eastwood – handwerklich solide, aber nicht frei von strategischen Entscheidungen.

Die Besetzung von Sully – zwischen Anspruch und Konstruktion

Die Filmbesetzung von Sully liest sich auf dem Papier überzeugend. Tom Hanks als Chesley Sullenberger, Aaron Eckhart als Co-Pilot Jeff Skiles, Laura Linney als Sullys Ehefrau Lorraine – das ist kein billiges Ensemble. Es ist ein sorgfältig zusammengestellter Cast, der Vertrauen ausstrahlt, bevor die erste Szene läuft.

Und genau das ist das Problem.

Wenn ein Schauspieler wie Tom Hanks besetzt wird, trägt er zwanzig Jahre Sympathiekapital mit ins Kino. Der Zuschauer liebt ihn bereits. Das ist keine dramaturgische Entscheidung – das ist ein Vorschuss. Eastwood, der als Regisseur für seine klare, direkte Filmsprache bekannt ist, nutzt diesen Effekt bewusst. Die Frage ist: Verdient der Film diesen Vorschuss zurück?

Die Antwort ist: teilweise. Der Sully Schauspieler Tom Hanks liefert eine ruhige, zurückgenommene Leistung – vielleicht zu zurückgenommen, um die innere Zerrissenheit des Piloten wirklich spürbar zu machen. Aaron Eckhart funktioniert als Sidekick, bleibt aber systematisch unterbelichtet. Laura Linney ist vor allem Telefonstimme – eine Figur, die konzeptuell vorhanden, aber dramaturgisch kaum verwurzelt ist.

Das Ensemble von Sully funktioniert. Aber es funktioniert wie eine gut geölte Maschine – präzise, zuverlässig, und ohne einen einzigen Moment echter Überraschung.

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Tabelle der Besetzung mit Bewertung

Schauspieler Rolle Bewertung Kommentar
Tom Hanks Chesley „Sully” Sullenberger 7/10 Souverän und geerdet, aber selten wirklich verletzlich
Aaron Eckhart Jeff Skiles 6/10 Solide Nebenrolle, bleibt jedoch erstaunlich blass
Laura Linney Lorraine Sullenberger 5/10 Fühlt sich wie eine Funktion an, nicht wie eine Person
Anna Gunn Elizabeth Davis 5/10 Profi-Darstellerin in einer eindimensionalen Rolle
Mike O’Malley Charles Porter 5/10 Behördenvertreter ohne inneres Leben
Jamey Sheridan Ben Edwards 5/10 Technisch korrekt, narrativ verzichtbar
Holt McCallany Mike Cleary 6/10 Glaubwürdig, gibt dem Ensemble etwas Textur
Katie Couric Sie selbst 4/10 Authentizitätsgeste, die sich seltsam anfühlt

Die Hauptdarsteller im Fokus

Tom Hanks als Chesley Sullenberger

Tom Hanks ist einer der wenigen Schauspieler, denen man alles glaubt – auch wenn man genau weiß, dass man es tut. In Sully spielt er den gleichnamigen Piloten als Mann der leisen Überzeugungen, der ruhigen Gesten, der zurückgehaltenen Erschütterung. Das ist keine schlechte Charakterisierung. Chesley Sullenberger war in der Realität kein lauter Mensch. Er war präzise, diszipliniert, erfahren.

Das Problem: Hanks bleibt so nah an dieser Oberfläche, dass man kaum je spürt, was darunter vorgeht. Die Notlandung auf dem Hudson River, der Druck der Untersuchung, die schlaflosen Nächte – alles davon wird angedeutet, wenig davon wirklich ausgespielt. In den Traumsequenzen, in denen Sully eine andere, katastrophale Version des Flugs durchlebt, kommt kurz echte Panik durch. Aber dann kehrt der Film zur Kontrolliertheit zurück.

Das ist eine bewusste Entscheidung, vermutlich auch eine Entscheidung des echten Sullenberger, der als Berater beteiligt war. Aber für ein Drama braucht man Risse. Hanks liefert sie – nur nicht oft genug.

Bewertung: 7/10

Aaron Eckhart als Jeff Skiles

Jeff Skiles ist der Co-Pilot, der zweite Mann im Cockpit, der wichtigste Zeuge. Aaron Eckhart spielt ihn mit Lockerheit und einem trockenen Humor, der gelegentlich wohltuend wirkt – vor allem als Kontrapunkt zu Hanks’ ernstem Sully. Skiles ist der Mann, der Witze macht, wenn die Lage ernst wird. Das funktioniert in einzelnen Szenen gut.

Aber Eckhart bekommt schlicht zu wenig Raum. Die Rollenliste weist ihn als zweiten Hauptdarsteller aus – in der Praxis ist er eher eine erweiterte Nebenrolle. Seine eigene Perspektive auf die Ereignisse, seine Belastung, seine Beziehung zu Sully – das bleibt alles skizzenhaft. Man fragt sich, warum ein Schauspieler mit Eckharts Qualitäten in einer Rolle eingesetzt wird, die ihm so wenig zu tun lässt.

Bewertung: 6/10

Laura Linney als Lorraine Sullenberger

Laura Linney ist eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation. Das macht ihre Situation in Sully umso frustrierender. Ihre Figur, Sullys Ehefrau Lorraine, taucht fast ausschließlich in Telefongesprächen auf. Sie steht nicht neben ihrem Mann, sie ist kaum im Bild, sie existiert hauptsächlich als akustisches Signal dafür, dass Sully ein Familienleben hat.

Das ist kein Casting-Fehler im eigentlichen Sinne – Linney macht das Mögliche aus dem Wenigen. Aber es ist ein strukturelles Problem: Die Figur ist eine Funktion, keine Person. Sie dient dazu, Sullys emotionale Verwundbarkeit zu markieren, ohne ihr eigenes inneres Leben zu bekommen. Linney verdient eine bessere Rolle. Die Figur auch.

Bewertung: 5/10

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Nebenrollen – echte Figuren oder bloße Funktionen?

Die Nebenrollen in Sully teilen sich grob in zwei Kategorien: Behördenvertreter, die Druck ausüben, und alle anderen, die die Moral der Geschichte stützen.

Anna Gunn als Elizabeth Davis und Mike O’Malley als Charles Porter repräsentieren die National Transportation Safety Board – also die Kommission, die Sullenbergers Entscheidung untersucht. Diese Figuren sind als dramaturgische Antagonisten konstruiert: Sie zweifeln, sie bohren, sie repräsentieren institutionelles Misstrauen. Das funktioniert als Mechanismus. Als Menschen funktioniert es weniger. Beide Charaktere haben keine erkennbare innere Logik – sie sind Hindernisse, keine Personen.

Holt McCallany als Mike Cleary – ein Mitglied der Crew – gibt dem Ensemble etwas mehr Textur. Er ist einer der wenigen Mitspieler, bei dem man kurz glaubt, man schaut einem echten Menschen zu.

Der interessanteste Moment in den Nebenrollen ist, wenn Katie Couric als sie selbst auftaucht. Es ist eine kleine, gut gemeinte Authentizitätsgeste – ein Anker in der Realität. Aber sie wirkt seltsam deplatziert im Kontext eines dramatisierten Biopics. Man weiß nicht genau, ob man es als Hommage oder als Verlegenheitslösung lesen soll.

Filmografie – Entwicklung oder Stillstand?

Tom Hanks

  • Philadelphia
  • Cast Away
  • Captain Phillips
  • Sully

Tom Hanks hat in seiner Karriere eine bemerkenswerte Spannbreite bewiesen. In Sully ist er erkennbar in einem späteren Karrieremoment – kontrollierter, ruhiger, weniger bereit, sich zu exponieren. Das ist keine Schwäche, aber es ist auch kein Risiko. Hanks spielt Sully, wie er viele späte Rollen spielt: mit Würde und Distanz. Die Frage nach Typecasting stellt sich durchaus – Hanks als moralische Instanz, als ruhiger Held des Alltags, das ist ein Muster.

Aaron Eckhart

  • Thank You for Smoking
  • Rabbit Hole
  • Sully

Aaron Eckhart hat gezeigt, dass er komplexe, widersprüchliche Figuren spielen kann. In Sully bekommt er diese Möglichkeit nicht. Das ist kein Versagen seiner Entwicklung – es ist eine verpasste Gelegenheit des Films.

Laura Linney

  • The Big C
  • Ozark
  • Sully

Laura Linney bleibt in Sully weit unter ihrem Potenzial. Ihre Arbeit in The Big C oder Ozark zeigt, was möglich gewesen wäre, wenn der Figur Lorraine eine eigene Handlungslinie gegeben worden wäre.

Weitere Einblicke in ähnlich gelagerte Filmbesetzungen bietet unser Artikel über die Besetzung von Collateral.

Funktioniert das Ensemble als glaubwürdige Einheit?

Ehrlich gesagt: bedingt.

Das Ensemble von Sully hat keine ausgeprägte Chemie – es hat professionelle Koexistenz. Hanks und Eckhart funktionieren zusammen, weil beide Profis sind, die ihren Job kennen. Aber man glaubt nicht wirklich, dass diese beiden Männer seit Jahren zusammen geflogen sind, dass sie eine Geschichte haben, die über den Film hinausgeht.

Die Szenen im Cockpit, kurz vor und während der Notlandung, sind die stärksten des Films – und dort braucht das Ensemble wenig Dialog. Die Handlung, die Präzision, die geteilte Konzentration – das reicht. Aber in den Verhörszenen, in den Momenten des Zweifels, in den Gesprächen zwischen Sully und Skiles danach, da spürt man, dass die Beziehung auf dem Papier stärker ist als auf der Leinwand.

Es ist ein Ensemble, das funktioniert, wenn es keine tiefen Gefühle zeigen muss. Das ist kein gutes Zeugnis für ein Drama.

Wenn die Aussage die Geschichte verdrängt – ein wiederkehrendes Problem?

Sully hat eine starke Geschichte. Eine reale Notlandung, ein Pilot unter Druck, ein institutionelles System, das Helden nachträglich zerlegt. Das reicht für einen guten Film.

Aber Clint Eastwood ist Eastwood – und das bedeutet, der Film hat eine Haltung. Eine sehr deutliche Haltung. Der einfache Mann gegen das Bürokratiemonster. Die instinktive Entscheidung gegen das Computersimulations-Modell. Der Held, der nicht erklärt, sondern nur handelt. Das sind keine impliziten Themen – das sind Aussagen, die der Film laut und deutlich formuliert.

Und da beginnt das Problem. Die Antagonisten – die NTSB-Vertreter – sind so flach konstruiert, dass man ihre Zweifel nicht ernst nehmen kann. Damit entfällt der eigentliche Konflikt. Wenn die andere Seite keine ernstzunehmende Position hat, gibt es keine echte Spannung – nur eine Bestätigung. Der Film will sagen: Vertraue dem Menschen, nicht der Maschine. Das ist ein legitimes Statement. Aber es ist kein gutes Drama.

Moderne Biopics und US-Dramen haben zunehmend diese Tendenz: Sie möchten relevant sein, möchten etwas aussagen, möchten auf der richtigen Seite der Geschichte stehen. Das ist verständlich. Aber Relevanz und Substanz sind nicht dasselbe. Sully ist ein Kinofilm, der weiß, was er sagen will – und deshalb weniger sagt, als er könnte.

Häufig gestellte Fragen zur Besetzung von Sully

Wer spielt in Sully die Hauptrolle?

Tom Hanks spielt den Titelhelden Chesley „Sully” Sullenberger – den Piloten, der Flug 1549 auf dem Hudson River notlandete. Er ist in nahezu jeder Szene des Films präsent.

Wer spielt Co-Pilot Jeff Skiles in Sully?

Aaron Eckhart übernimmt die Rolle des Co-Piloten Jeff Skiles. Er ist der zweite Hauptdarsteller des Films, bekommt jedoch deutlich weniger Screentime und Tiefe als Hanks.

Welche Rolle spielt Laura Linney in Sully?

Laura Linney spielt Lorraine Sullenberger, die Ehefrau des Piloten. Die Figur erscheint hauptsächlich in Telefongesprächen und bleibt dramaturgisch unterentwickelt – trotz Linneys offensichtlichem Talent.

Wer hat Regie bei Sully geführt?

Clint Eastwood führte Regie. Das Drehbuch stammt von Todd Komarnicki und basiert auf dem Buch „Highest Duty” von Chesley Sullenberger selbst.

Ist Sully sehenswert trotz der Schwächen im Cast?

Ja – mit Einschränkungen. Die Notlandungssequenz ist handwerklich stark. Tom Hanks ist solide. Aber wer ein tiefes Charakterdrama erwartet, wird möglicherweise enttäuscht. Sully ist ein kompetenter, aber konzeptuell etwas bequemer Film.

Gibt es eine deutsche Synchronisation von Sully?

Ja. Die deutsche Synchronisation wurde professionell umgesetzt. Informationen zu den deutschen Synchronsprechern finden sich in der Synchronkartei. Tom Hanks’ Originalstimme bleibt für viele Zuschauer jedoch die überzeugendere Wahl.

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