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Besetzung von München – im Angesicht des Krieges

Besetzung von München – im Angesicht des Krieges

Es gibt Filme, die wissen genau, was sie sein wollen: relevant, historisch bedeutsam, moralisch eindeutig. Christian Schwochows München – im Angesicht des Krieges aus dem Jahr 2021 gehört zweifellos dazu. Die Verfilmung des Romans von Robert Harris, produziert als Netflix-Originalfilm in britisch-deutscher Koproduktion, nimmt sich das Münchner Abkommen von 1938 vor – jenen Moment, in dem Neville Chamberlain Hitler gegenüberstand und Europa den Krieg noch einmal abwenden wollte. Oder zumindest so tat, als ob.

Das Thema ist groß. Der Appeasement-Gedanke, die Frage nach Schuld und Feigheit, nach diplomatischem Kalkül und moralischem Versagen – all das hat heute wieder eine Schwere, die man kaum ignorieren kann. Genau hier liegt aber auch das erste Problem: Wenn ein Film so deutlich weiß, was er sagen will, leidet häufig das, was er erzählen sollte.

Die Besetzung von München – im Angesicht des Krieges ist prominent. George MacKay, Jannis Niewöhner, Jeremy Irons – das sind keine zufälligen Namen. Ob die Wahl dieser Schauspieler dramaturgischen Instinkten folgt oder eher strategischem Kalkül, ist eine Frage, die dieser Text ernsthaft stellen muss.

Die Besetzung von München – im Angesicht des Krieges – zwischen Anspruch und Konstruktion

Man merkt dem Cast an, dass hier sorgfältig gearbeitet wurde. Die Besetzung von München – im Angesicht des Krieges verbindet britische und deutsche Schauspieltalente auf eine Art, die zunächst nach einer dramaturgisch durchdachten Entscheidung aussieht: zwei junge Männer, zwei Nationen, eine gemeinsame Vergangenheit. George MacKay als britischer Diplomat Hugh Legat, Jannis Niewöhner als deutscher Attaché Paul von Hartmann – das Duo soll die gespaltene europäische Seele von 1938 verkörpern.

Der Gedanke ist nicht unklug. Aber er ist auch sehr sauber. Zu sauber. Die Figuren sind so symmetrisch angelegt, so bewusst als Gegenpole konstruiert, dass man ihre Funktion als Symbole kaum übersehen kann. Hugh Legat steht für die britische Naivität, Paul von Hartmann für die deutsche Gewissenslast. Damit ist das moralische Schema bereits festgelegt, bevor die erste Szene beginnt.

Jeremy Irons als Neville Chamberlain ist eine Wahl, die Sinn ergibt – aber auch eine, die zu offensichtlich auf Prestige setzt. Irons bringt Würde, Erschöpftheit und eine gewisse aristokratische Zerbrochlichkeit mit. Er ist gut. Aber er ist auch sehr sicher. Das Risiko fehlt.

Was an der Besetzung insgesamt auffällt: Sie ist kompetent zusammengestellt, aber selten überraschend. Jede Rolle ist nachvollziehbar besetzt. Das Ensemble hat handwerkliche Qualität. Was es weniger hat, ist das Unberechenbare, das echte Menschen mitbringen.

Lesen Sie auch den Artikel über die Besetzung von Boston – einem weiteren Historienfilm, bei dem ähnliche Fragen zur Casting-Strategie gestellt werden können.

Tabelle der Besetzung mit Bewertung

Schauspieler Rolle Bewertung Kommentar
George MacKay Hugh Legat 7/10 Überzeugend, aber die Rolle lässt ihn selten aus ihrer Symbolhaftigkeit heraustreten
Jannis Niewöhner Paul von Hartmann 7/10 Präzise gespielt, wirkt jedoch phasenweise mehr wie eine Idee als ein Mensch
Jeremy Irons Neville Chamberlain 7/10 Würdevoll und routiniert – das Risiko bleibt aus
Ulrich Matthes Adolf Hitler 6/10 Bewusst zurückhaltend inszeniert, was funktioniert – aber kaum Raum für Nuancen
August Diehl Franz Sauer 6/10 Solide Bedrohlichkeit, bleibt als Figur jedoch funktional
Anjli Mohindra Joan 5/10 Zu wenig Raum, zu sehr auf eine Funktion reduziert
Jessica Brown Findlay Pamela Legat 5/10 Die Figur ist dramaturgisch dünn, Brown Findlay kann wenig dagegen tun
Liv Lisa Fries Lenya von Hartmann 6/10 In ihrer begrenzten Präsenz stärker als die Rolle eigentlich zulässt
Robert Bathurst Sir Horace Wilson 6/10 Zuverlässig im Hintergrund, mehr nicht
Alex Jennings Sir Alexander Cadogan 6/10 Kompetente Randexistenz im diplomatischen Gefüge

Die Hauptdarsteller im Fokus

George MacKay als Hugh Legat

George MacKay hat mit 1917 gezeigt, dass er körperlich präsente, unter Druck stehende Figuren glaubwürdig tragen kann. Hugh Legat ist eine andere Art Belastung: keine physische Erschöpfung, sondern moralische Unsicherheit. Ein junger britischer Diplomat, Oxford-Absolvent, der plötzlich mitten in der größten diplomatischen Krise Europas landet.

MacKay spielt das mit einer stillen Intensität, die funktioniert. Er zögert, er zweifelt, er ist nicht der Held, der weiß, was richtig ist. Das ist gut. Gleichzeitig ist Legat als Figur so klar auf seine Funktion ausgerichtet – das britische Gewissen, der Stellvertreter des Zuschauers –, dass MacKay nie wirklich die Möglichkeit bekommt, ihn widersprüchlicher, schwieriger, echter zu machen. Er spielt gut innerhalb enger Grenzen. Die Grenzen sind das Problem, nicht der Schauspieler.

Bewertung: 7/10

Jannis Niewöhner als Paul von Hartmann

Paul von Hartmann ist die dramaturgisch interessantere Figur: ein Deutscher, der das Regime kennt, ihm dient und ihm gleichzeitig widerstehen will. Die innere Zerrissenheit ist angelegt. Jannis Niewöhner trägt sie mit einer kontrollierten Nervosität, die stellenweise sehr überzeugend ist.

Das Problem ist ähnlich wie bei MacKay: Die Figur ist zu sehr Konzept. Hartmann soll die andere Seite von Legat sein – der Deutsche mit Gewissen, der Beweis dafür, dass es auch Widerstand gab. Diese Absicht des Drehbuchs ist in jeder Szene spürbar. Niewöhner kämpft dagegen an, und manchmal gewinnt er diesen Kampf. Aber oft bleibt Hartmann trotzdem mehr Symbol als Mensch.

Handwerklich ist Niewöhners Leistung solide und phasenweise stark. Nur die Figur selbst kommt ihm dabei wenig entgegen.

Bewertung: 7/10

Jeremy Irons als Neville Chamberlain

Irons ist die Klasse des Films. Er spielt Chamberlain nicht als Feigling und nicht als Helden – er spielt ihn als müden, intelligent erschöpften Mann, der sich etwas einredet, das er vielleicht selbst nicht glaubt. Diese Ambivalenz ist das Interessanteste, was der Film anzubieten hat.

Irons nutzt jeden Moment, jedes Schweigen. Wenn er Hitler gegenübersteht, ist da eine Körpersprache, die mehr erzählt als der Dialog. Und doch: Es bleibt Irons. Es bleibt Prestige-Performance. Das Risiko, wirklich zu scheitern, trägt er nie. Aber für das, was dieser Film braucht, reicht es aus – und es reicht gut.

Bewertung: 7/10

Ulrich Matthes als Adolf Hitler

Ulrich Matthes ist kein Unbekannter in historischen Produktionen – er spielte Goebbels in Der Untergang. Hier übernimmt er Hitler, und die Inszenierung entscheidet sich bewusst dafür, ihn nicht als Monster zu zeigen, sondern als berechenbaren, kühlen Machtmenschen. Das ist eine legitime Entscheidung.

Matthes spielt das mit Disziplin. Er schreit nicht. Er wirkt ungeduldig, berechnend, aber menschlich. Ob diese Menschlichkeit dem historischen Verständnis dient oder ihn auf eine unangenehme Weise normalisiert, ist eine Frage, die der Film selbst nicht vollständig beantwortet. Matthes liefert, was verlangt wird. Was verlangt wird, ist debattierbar.

Bewertung: 6/10

Nebenrollen – echte Figuren oder bloße Funktionen?

Die Nebenbesetzung von München – im Angesicht des Krieges hat ein strukturelles Problem: Sie ist fast durchgehend funktional. Die Figuren existieren, um Plot zu ermöglichen oder Thesen zu illustrieren – nicht, um eine Welt zu bevölkern.

August Diehl als Franz Sauer, der bedrohliche Gestapo-Schatten, liefert das, was solche Rollen verlangen: stille Gefährlichkeit, eine gleichmäßige Präsenz. Aber er ist letztlich ein Mittel zum Zweck. Eine Bedrohungsmarkierung, kein Charakter.

Liv Lisa Fries als Lenya von Hartmann bekommt wenig Raum, nutzt ihn aber auffallend gut. Sie gehört zu den wenigen Figuren im Film, bei denen man das Gefühl hat, da wäre noch mehr – wenn das Drehbuch es zugelassen hätte.

Jessica Brown Findlay als Pamela Legat ist das deutlichste Beispiel für einen dramaturgischen Leerstand: Die Figur hat keine eigenständige Logik, sie existiert ausschließlich in Relation zu Hugh. Das ist kein Versagen der Schauspielerin, sondern ein Versagen der Konstruktion.

Anjli Mohindra als Joan hat eine ähnliche Funktion: Kontext, nicht Charakter. Es fehlt schlicht die Tiefe, um aus diesen Rollen mehr als Platzhalter zu machen.

Dass einzelne Nebenrollen dennoch Wirkung entfalten – Fries, gelegentlich Diehl –, ist eher trotz der Konstruktion als dank ihr.

Filmografie – Entwicklung oder Stillstand?

George MacKay

  • Pride – frühe britische Produktion
  • Captain Fantastic – kleinere internationale Rolle
  • 1917 – Durchbruch als Hauptdarsteller unter extremem Druck
  • München – im Angesicht des Krieges – erneut: junger Mann, moralisch suchend, unter Extremdruck

MacKay hat sich von kleineren britischen Produktionen zu größeren Rollen entwickelt. Das Risiko des Typecasting ist real. MacKay kann mehr – aber er bekommt selten die Gelegenheit, das zu beweisen.

Jannis Niewöhner

  • Rubinrot-Reihe – Ausgangspunkt im Jugendfilm
  • Schachnovelle – Schritt in Richtung ernsterer Rollen
  • München – im Angesicht des Krieges – weitere Entwicklung im historischen Drama

Niewöhner ist einer der gefragtesten deutschen Schauspieler seiner Generation. Die Entwicklung ist deutlich. Aber auch er neigt dazu, in ähnlichen emotionalen Registern zu verweilen: der sensible, unter Druck stehende Mann mit Haltung. Das ist eine Stärke – und eine Einschränkung.

Jeremy Irons

  • Die Blechtrommel
  • Reversal of Fortune
  • Die Borgias
  • Diverse Hollywood-Produktionen
  • München – im Angesicht des Krieges – Prestige-Performance als Neville Chamberlain

Irons braucht keine Rechtfertigung mehr. Er ist ein Schauspieler, der Prestige mitbringt – manchmal mit Berechtigung, manchmal als Ersatz für echte Dringlichkeit. In München – im Angesicht des Krieges ist er das Beste, was der Film hat. Was er nicht mehr liefert, ist das Überraschende.

Einen ähnlichen Blick auf strategische Casting-Entscheidungen wirft auch der Artikel über die Besetzung von Boston.

Funktioniert das Ensemble als glaubwürdige Einheit?

Hier wird es ehrlich unbequem: Das Ensemble funktioniert handwerklich. Es funktioniert als Mechanismus. Aber als lebendige Einheit – als Gruppe von Menschen, die eine Welt bewohnen – funktioniert es nur stellenweise.

Die Chemie zwischen MacKay und Niewöhner ist das Herzstück des Films, und sie ist solide. Man glaubt den beiden die gemeinsame Vergangenheit in Oxford, die alte Freundschaft, das Vertrauen und den Verrat daran. Das ist nicht selbstverständlich und verdient Anerkennung.

Schwieriger ist die Kopplung zwischen den Hauptfiguren und dem Rest. Die Nebenrollen fühlen sich oft wie Kulisse an – nicht wie echte Gegenspieler. Irons agiert in einem eigenen Tempo, das nicht immer mit dem der jüngeren Figuren harmoniert. Das ist manchmal bewusst so angelegt – der alte Chamberlain und die jungen Männer in ihrer eigenen Welt –, manchmal wirkt es aber wie eine fehlende Verbindung.

Das Ensemble ist keine organisch gewachsene Einheit. Es ist ein sorgfältig zusammengestelltes Arrangement. Manchmal reicht das. Manchmal wünscht man sich mehr.

Wenn die Aussage die Geschichte verdrängt – ein wiederkehrendes Problem?

Hier liegt der eigentliche Kern der Kritik – und er betrifft nicht nur diesen Film.

München – im Angesicht des Krieges will etwas sagen. Es will sagen: Appeasement war eine moralische Katastrophe. Es will sagen: Es gab Deutsche, die Widerstand leisteten. Es will sagen: Neville Chamberlain war vielleicht komplizierter, als die Geschichte ihm erlaubt. Das sind keine schlechten Absichten. Es sind sogar legitime Absichten.

Aber die Art, wie diese Absichten ins Drehbuch eingearbeitet werden – die symmetrische Besetzung, die klare moralische Markierung jeder Figur, die Dialoge, die manchmal klingen, als würden sie eine Geschichtsstunde strukturieren –, führt dazu, dass der Film sich häufig mehr für sein Thema interessiert als für seine Figuren.

Das ist ein Problem, das viele Historienfilme teilen, die in der Netflix-Ära entstanden sind. Die Produktionen wollen relevant sein. Sie wollen eine Brücke zur Gegenwart schlagen. Sie wollen in der kulturellen Debatte eine Rolle spielen. Das ist verständlich. Es ist auch ein Reflex, der oft zur falschen Zeit einsetzt – nämlich dann, wenn er die erzählerische Energie absorbiert, die eigentlich in die Figuren fließen sollte.

Wenn Chamberlain spricht, klingt es manchmal wie eine historische Abwägung. Wenn Hartmann handelt, klingt es manchmal wie eine Moral. Das Münchner Abkommen als Ereignis ist komplex genug, um Komplexität zuzulassen – und der Film traut sich nur selten, diese Komplexität wirklich auszuhalten, ohne sie aufzulösen.

Das Ergebnis ist ein Film, der korrekt ist. Der kompetent ist. Der wichtige Fragen stellt. Und der manchmal vergisst, dass Kino in erster Linie Erzählung ist – keine Argumentation.

Häufig gestellte Fragen

Wer sind die Hauptdarsteller in München – im Angesicht des Krieges?

Die zentralen Rollen spielen George MacKay als britischer Diplomat Hugh Legat, Jannis Niewöhner als deutscher Attaché Paul von Hartmann und Jeremy Irons als Premierminister Neville Chamberlain. Ulrich Matthes übernimmt die Rolle Adolf Hitlers.

Welcher Schauspieler überzeugt in der Besetzung von München – im Angesicht des Krieges am meisten?

Jeremy Irons liefert die reifste und nuancierteste Leistung des Films. Jannis Niewöhner und George MacKay sind solide, kämpfen aber gegen die Konstruiertheit ihrer Figuren an. Liv Lisa Fries fällt positiv auf, bekommt jedoch zu wenig Raum.

Wo kann man München – im Angesicht des Krieges streamen?

Der Film ist als Netflix-Originalfilm auf Netflix verfügbar und dort abrufbar.

Ist die Besetzung von München – im Angesicht des Krieges gelungen?

Handwerklich ja – das Cast ist kompetent zusammengestellt und die Hauptdarsteller leisten solide Arbeit. Ob die Casting-Entscheidungen dramaturgisch mutig oder eher strategisch kalkuliert sind, ist eine berechtigte Frage. Das Ensemble funktioniert als Mechanismus, wirkt aber selten wie eine wirklich lebendige Einheit.

Lohnt sich München – im Angesicht des Krieges?

Ja, mit Einschränkungen. Wer sich für das Münchner Abkommen, den Zweiten Weltkrieg und die Dynamiken des Appeasements interessiert, bekommt einen soliden, gut gespielten Historienfilm. Wer tiefe Charakterstudien oder erzählerische Überraschungen sucht, wird stellenweise enttäuscht sein. Als Thriller funktioniert der Film – als Drama über menschliche Entscheidungen bleibt er manchmal an der Oberfläche.

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