Marie Kreutzer hat 2022 einen Film über Kaiserin Elisabeth von Österreich gemacht – und bewusst keinen historischen Kostümfilm im klassischen Sinn. Corsage interessiert sich nicht sonderlich für historiografische Genauigkeit. Er interessiert sich für eine Idee: die einengende Erwartungshaltung gegenüber einer Frau, die öffentlich funktionieren soll, während sie innerlich zerfällt. Das ist ein legitimer Ansatz. Die Frage ist nur, ob die Besetzung von Corsage (Film) diesen Ansatz trägt – oder ob sie ihn illustriert, ohne ihn wirklich zu leben.
Das Ergebnis ist ambivalent. Die Besetzung ist gut zusammengestellt, zum Teil exzellent gespielt, aber nicht frei von dem Verdacht, dass einige Entscheidungen mehr kalkuliert als dramaturgisch notwendig wirken. Das ist kein Angriff. Es ist eine Beobachtung, die der Film selbst herausfordert – indem er so deutlich auf Bedeutung zielt.
Die Besetzung von Corsage (Film) – zwischen Anspruch und Konstruktion
Wer sich die Besetzungsliste von Corsage ansieht, erkennt sofort: Das ist kein Zufallsensemble. Vicky Krieps in der Hauptrolle, Florian Teichtmeister als Franz Joseph, Colin Morgan, Katharina Lorenz, Jeanne Werner – das ist eine durchdachte Zusammenstellung aus österreichischem und internationalem Schauspiel, die dem Film einen gewissen Prestige-Anstrich verleiht. Und das war wohl auch so gedacht.
Der Film ist eine österreichisch-luxemburgisch-deutsche Koproduktion, was die Internationalität des Casts teilweise erklärt. Aber es bleibt die Frage: Dienen die Schauspieler der Geschichte – oder dienen sie dem Konzept der Regisseurin? Bei einer so konzeptlastigen Produktion ist das keine rhetorische Frage.
Was gut funktioniert: Die Besetzung wirkt handverlesen, nicht beliebig. Krieps ist keine klassische Kostümfilm-Hauptdarstellerin, und genau das ist die Stärke. Was weniger funktioniert: Manche Nebenrollen wirken schematisch, fast wie Platzhalter für Ideen, nicht wie Figuren mit eigenem Gewicht.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Vicky Krieps | Kaiserin Elisabeth | 9/10 | Außergewöhnlich präsent, trägt den Film fast allein |
| Florian Teichtmeister | Kaiser Franz Joseph | 6/10 | Solide, aber die Rolle bleibt zu sehr Kontrastfolie |
| Colin Morgan | Bay Middleton | 6/10 | Charmant, aber als Figur zu funktional |
| Katharina Lorenz | Gräfin Irma Sztáray | 7/10 | Eine der glaubwürdigsten Nebenrollen |
| Jeanne Werner | Marie Festetics | 6/10 | Vorhanden, nicht wirklich ausgearbeitet |
| Alma Hasun | Schratt | 6/10 | Interessanter Ansatz, zu wenig Raum |
| Aaron Friesz | Rudolf | 5/10 | Zu wenig Screentime für echte Charakterentwicklung |
| Manuel Rubey | Dr. Seeburger | 6/10 | Kompetent, aber schematisch |
Einen ähnlichen analytischen Blick auf ein Ensemblefilm aus dem europäischen Raum bietet auch der Artikel über die Besetzung von Ein ganzes Leben.
Die Hauptdarsteller im Fokus
Vicky Krieps als Kaiserin Elisabeth
Es ist selten, dass eine Schauspielerin eine Produktion so vollständig in Besitz nimmt, dass man kaum noch an den Film als Film denkt – sondern nur an die Figur. Krieps gelingt das. Ihre Elisabeth ist keine Heldin, keine Märtyrerin, keine Feministin im anachronistischen Sinn. Sie ist eine Frau, die spürbar müde ist – von der Rolle, vom Korsett, vom Erwartungsdruck.
Was die Leistung auszeichnet: Krieps agiert im Bewusstsein, dass die Figur weiß, beobachtet zu werden. Diese doppelte Ebene – Elisabeth als performatives Wesen in einem performativen Film – funktioniert, weil Krieps sie nie ausstellt. Sie ist einfach da, und das reicht.
Ob Elisabeth als Mensch vollständig greifbar wird, ist eine andere Frage. Die Regisseurin ist weniger an Psychologie interessiert als an Zustand. Das ist Krieps’ Grenze – nicht ihre Schwäche, sondern die des Drehbuchs.
Bewertung: 9/10
Florian Teichtmeister als Kaiser Franz Joseph
Teichtmeister ist ein sehr guter Schauspieler. In Corsage wird er zum Symptom eines strukturellen Problems: Franz Joseph ist so deutlich als das geschrieben, wogegen sich Elisabeth sperrt, dass die Figur kaum Raum für Eigenheit bekommt. Er ist höflich, distanziert, systemkonform – und damit dramaturgisch vorhersehbar.
Das ist nicht Teichtmeisters Fehler. Er macht das Beste aus dem, was das Drehbuch erlaubt. Aber die Rolle ist mehr Konzept als Charakter. Wer genauer hinschaut, findet Momente, in denen Franz Joseph menschlich aufblitzt – Teichtmeister nutzt sie. Nur sind es zu wenige.
Ein weiterer Aspekt: Die späteren öffentlichen Kontroversen rund um Teichtmeister haben die Rezeption des Films in Österreich überlagert – das ist kein Urteil über den Schauspieler, aber es ist Teil der Produktionsgeschichte und kann bei der Filmkritik nicht vollständig ausgeblendet werden.
Bewertung: 6/10
Colin Morgan als Bay Middleton
Morgan bringt eine gewisse englische Leichtigkeit in den Film, die sich wohltuend von der Schwere der Hofatmosphäre abhebt. Bay Middleton ist Elisabeths Begleiter beim Reiten – und in gewisser Weise eine Projektionsfläche für das, was sie sich wünscht: Freiheit ohne Konsequenz.
Das Problem: Die Figur ist zu sehr Funktion. Sie existiert, um Elisabeth Luft zum Atmen zu geben – nicht, um selbst zu atmen. Morgan spielt das professionell, aber der Charakter bleibt eindimensional. Als Nebendarsteller in einem Film, der ohnehin alle Energie auf Krieps konzentriert, ist das erträglich. Als dramaturgisches Konstrukt ist es zu sauber.
Bewertung: 6/10
Wer sich für ähnlich konzipierte Historienfilme mit starker weiblicher Hauptfigur interessiert, findet eine verwandte Analyse in der Besetzung von Ophelia.
Nebenrollen – echte Figuren oder bloße Funktionen?
Die Nebenrollen in Corsage folgen einem erkennbaren Muster: Sie sind entweder Unterstützung (Katharina Lorenz als Gräfin Sztáray, die tatsächlich etwas Eigenes mitbringt), Kontrast (Teichtmeister) oder Staffage.
Katharina Lorenz ist die positive Ausnahme. Ihre Gräfin wirkt nicht wie eine Servicefigur, sondern wie jemand, der eine eigene Perspektive hat – und diese manchmal zurückhält. Diese Zurückhaltung ist klug gespielt und verleiht den Szenen zwischen den beiden Frauen eine Spannung, die der Film sonst oft vermisst.
Alma Hasun als Schratt hat interessante Momente, bekommt aber zu wenig Screentime, um wirklich zu landen. Jeanne Werner als Marie Festetics bleibt im Hintergrund, was schade ist – die Figur hätte Potenzial.
Aaron Friesz als Kronprinz Rudolf ist die schwächste Nebenrolle, nicht aus schauspielerischen Gründen, sondern weil die Figur kaum existiert. Für eine Mutter-Sohn-Beziehung, die in der echten Geschichte so komplex war, ist das eine vertane Chance.
Filmografie – Entwicklung oder Stillstand?
Vicky Krieps
- Phantom Thread (Paul Thomas Anderson, 2017) – internationaler Durchbruch
- Corsage (Marie Kreutzer, 2022) – Preis für die beste Darstellerin, Cannes 2022, Un Certain Regard
Krieps hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Nach Phantom Thread schien sie für internationale Produktionen gebucht zu werden, die sie als zurückgehaltene, fast fragilisierte Frauenfigur einsetzen. Corsage durchbricht das – oder vertieft es, je nach Lesart. Krieps spielt hier keine Fragile. Sie spielt eine Erschöpfte. Das ist ein Unterschied. Die Preise, die sie für die Rolle bekam, sind berechtigt.
Florian Teichtmeister
- Einer der profiliertesten österreichischen Schauspieler mit breiter Theaterbiografie und zahlreichen Filmrollen
- Corsage (Marie Kreutzer, 2022) – als Kaiser Franz Joseph
Teichtmeister tendiert zu Figuren mit einem gewissen inneren Druck – was ihn eigentlich für Franz Joseph interessant macht. Dass die Rolle trotzdem flach bleibt, ist ein Drehbuchproblem, kein Karrieremerkmal.
Colin Morgan
- Merlin (Fernsehserie) – internationale Bekanntheit
- Corsage (Marie Kreutzer, 2022) – als Bay Middleton
Morgan bewegt sich mehr und mehr in Richtung ernsthafteres europäisches Kino. Corsage ist für ihn ein typischer Nebenjob: sauber, angenehm, ohne nachhaltigen Eindruck.
Einen vergleichbaren Blick auf ein großes Periodenensemble wirft auch die Analyse der Besetzung von Downton Abbey Film.
Funktioniert das Ensemble als glaubwürdige Einheit?
Kurzantwort: teilweise.
Das Ensemble funktioniert in den Szenen, die Krieps wirklich fordern – die Begegnungen mit Lorenz, einzelne Momente mit Teichtmeister, die stillen Szenen im Freien. Es funktioniert weniger gut dort, wo der Film zu sehr auf Tableau-Wirkung setzt: Bilder, die bedeuten wollen, statt Szenen, die erzählen.
Die Kamera von Judith Kaufmann verstärkt diesen Effekt – wunderschön gefilmt, manchmal zu ästhetisch isoliert. Die Schauspieler wirken in solchen Momenten wie Exponate in einem gut beleuchteten Museum. Man bewundert sie, aber man fühlt sich nicht eingeladen.
Was die Chemie angeht: Krieps und Lorenz funktionieren am besten. Die Dynamik zwischen Krieps und Teichtmeister hat Momente, ist aber zu schematisch angelegt, um wirklich zu zünden. Krieps und Morgan sind angenehm, nicht mehr.
Wenn die Aussage die Geschichte verdrängt – ein wiederkehrendes Problem?
Corsage ist ehrlich über seine Absichten. Kreutzer macht keinen Hehl daraus, dass es ihr um mehr als eine Biografie geht – es geht um das Prinzip Erwartung, um Frauenbilder, um den Preis von Sichtbarkeit. Das ist ein valides Thema. Und es ist ein Thema, das im Kino der letzten Jahre sehr häufig auftaucht.
Das Problem mit thematisch so klar positionierten Filmen ist, dass die Geschichte manchmal zum Vehikel wird. Figuren hören auf, Entscheidungen zu treffen, die sie überraschen – sie illustrieren stattdessen eine These. In Corsage passiert das nicht durchgehend, aber es passiert. Bestimmte Szenen fühlen sich weniger wie Momente im Leben Elisabeths an als wie Argumente im Essay der Regisseurin.
Das ist nicht per se schlecht. Essayfilm als Genre hat eine lange Tradition. Aber wenn der Film gleichzeitig so tut, als sei er ein Porträt einer echten Person, entsteht eine Spannung zwischen Behauptung und Ausführung, die das Publikum spürt – auch wenn es sie nicht benennen kann.
Moderne Kostümfilme und historische Biopics neigen verstärkt dazu, Relevanz zu signalisieren, statt sie zu erzählen. Corsage ist besser als viele dieser Produktionen. Aber er ist nicht frei von diesem Reflex.
Häufig gestellte Fragen zur Besetzung von Corsage (Film)
Wer spielt in Corsage (Film) die Hauptrolle?
Vicky Krieps spielt die Hauptrolle als Kaiserin Elisabeth von Österreich. Die luxemburgisch-deutsche Schauspielerin wurde für ihre Leistung bei den Filmfestspielen in Cannes 2022 ausgezeichnet – Preis für die beste Darstellerin in der Sektion Un Certain Regard.
Wer spielt Kaiser Franz Joseph in Corsage?
Florian Teichtmeister spielt Kaiser Franz Joseph. Er ist einer der bekanntesten österreichischen Schauspieler und bringt Kompetenz in die Rolle – die vom Drehbuch aber leider nicht ausreichend ausgearbeitet wurde.
Welche Schauspieler gehören noch zur Besetzung von Corsage (Film)?
Zur Besetzung gehören unter anderem Colin Morgan als Bay Middleton, Katharina Lorenz als Gräfin Irma Sztáray, Jeanne Werner als Marie Festetics, Alma Hasun als Schratt und Manuel Rubey als Dr. Seeburger.
Wer ist die stärkste Leistung im Cast?
Eindeutig Vicky Krieps. Ihre Darstellung ist die tragende Säule des Films – ohne sie würde Corsage strukturell kaum funktionieren. Katharina Lorenz als Gräfin Sztáray ist die stärkste Nebenrolle.
Lohnt sich Corsage (Film) für Fans von historischen Filmen?
Das kommt auf die Erwartung an. Wer einen klassischen Kostümfilm sucht, wird enttäuscht. Wer bereit ist, einen konzeptionell ambitionierten Film mit starker Hauptdarstellerin zu sehen, der mit historischer Genauigkeit bewusst bricht, findet eine interessante Arbeit – mit Schwächen in den Nebenrollen und gelegentlichem Hang zur Symbolik statt zur Geschichte.
Wurde Corsage (Film) auf einem Filmfestival gezeigt?
Ja. Corsage wurde bei den Filmfestspielen in Cannes 2022 in der Sektion Un Certain Regard gezeigt und erhielt dort den Darstellerinnenpreis für Vicky Krieps.




