Ein Luxushotel als Spiegel der deutschen Geschichte – das ist der Anspruch von Das Adlon. Eine Familiensaga, der ZDF-Miniserie aus dem Jahr 2013. Drei Teile, knapp ein Jahrhundert Familiengeschichte, eingebettet in die großen Erschütterungen des 20. Jahrhunderts: Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg. Das klingt nach Stoff für ein ernsthaftes historisches Drama. Und in gewisser Weise ist es das auch. Aber wer genau hinschaut, merkt schnell: Die Besetzung von Das Adlon. Eine Familiensaga folgt nicht nur dramaturgischen Überlegungen. Sie folgt auch einer Logik der Signalwirkung – und das ist nicht immer dasselbe.
Der Cast ist prominent, das Budget erkennbar, die Produktionsbedingungen solide. Ob das Ensemble am Ende eine glaubwürdige Familiengeschichte erzählt oder eine repräsentativ zusammengestellte Geschichtslektion, ist die eigentliche Frage.
Die Besetzung von Das Adlon. Eine Familiensaga – zwischen Anspruch und Konstruktion
Wenn das ZDF eine Familiensaga in Auftrag gibt, die Berlin, das Hotel Adlon und ein ganzes Jahrhundert umspannt, dann wird beim Casting nicht gespart – und nicht zufällig besetzt. Die Schauspieler in Das Adlon. Eine Familiensaga sind bekannte Gesichter, verlässliche Profis, Menschen mit Fernsehbiografien, die für sich selbst sprechen. Das ist keine Kritik. Das ist eine Beobachtung.
Was auffällt: Die Besetzung ist durchdacht, aber selten überraschend. Man bekommt Darsteller, die man kennt, in Rollen, die man so ähnlich schon gesehen hat. Das funktioniert – bis zu dem Punkt, wo Vertrautheit in Vorhersehbarkeit kippt. Einige Figuren dieser Familiensaga wirken weniger wie Menschen aus Fleisch und Blut als wie dramaturgische Stellvertreter für historische Epochen. Sie repräsentieren etwas. Ob sie auch sind, ist eine andere Frage.
Die Stärke des Ensembles liegt in seiner Solidität. Die Schwäche liegt darin, dass Solidität allein keine Spannung erzeugt. Wer eine Familiensaga über mehr als drei Generationen erzählt, braucht Charaktere, die wachsen, scheitern und überraschen – nicht nur Figuren, die historische Stationen illustrieren.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Josefine Preuß | Sonja Schadt / Sonja Adlon | 7/10 | Trägt die Serie mit natürlicher Energie; wirkt glaubwürdig, auch wenn die Figur manchmal zu symbolisch konstruiert ist |
| Hannelore Elsner | Hedda Adlon (älter) | 8/10 | Klare Stärke des Ensembles; verleiht der Figur Würde und Tiefe |
| Anja Kling | Hedda Adlon (jünger) | 6/10 | Solide, aber bleibt an der Oberfläche; die Figur fordert mehr, als sie bekommt |
| Max von Thun | Louis Adlon | 6/10 | Anständige Leistung, der Charakter bleibt jedoch blass und funktional |
| Ken Duken | Georg Schadt | 6/10 | Präsent, aber zu oft im Dienst der Handlung statt der Figur |
| Francis Fulton-Smith | Konrad Schadt | 5/10 | Eher Funktion als Mensch; die Rolle gibt wenig Raum für echte Entwicklung |
| Christoph M. Ohrt | Heinz Roth | 5/10 | Routiniert, aber austauschbar; typische Nebenrolle ohne Überraschungsmoment |
| Katharina Thalbach | Luise Adlon | 7/10 | Charismatisch, nutzt ihren Auftritt effizient; einer der prägnanten Momente des Casts |
| Rebecca Immanuel | Else Schadt | 6/10 | Verlässlich, aber die Figur bleibt im Schatten stärkerer Charaktere |
| Volker Bruch | Bernhard Gruber | 6/10 | Zeigt, was er kann, ohne dass die Rolle ihm wirklich erlaubt, sich zu entfalten |
Lesen Sie auch den Artikel über die Besetzung von Downton Abbey – eine weitere historische Familiensaga, die ähnliche Fragen über Ensemble und Charaktertiefe aufwirft.
Die Hauptdarsteller im Fokus
Josefine Preuß als Sonja Schadt / Sonja Adlon
Josefine Preuß ist die emotionale Achse dieser Familiensaga. Ihre Figur – Sonja, die zwischen den Welten des Adlons und der politischen Realitäten des 20. Jahrhunderts steht – trägt die Handlung über weite Strecken. Preuß hat eine natürliche Präsenz, die nicht erklärt, sondern einfach da ist. Das ist ein Vorteil in einer Serie, die manchmal zu sehr erklären will.
Das Problem: Sonja ist nicht nur eine Figur. Sie ist auch ein Konstrukt. Sie steht für Überlebenswillen, Anpassungsfähigkeit, moralische Ambivalenz – und das spürt man. In Momenten, wo die Figur atmen darf, überzeugt Preuß. In Momenten, wo das Drehbuch ihr eine Botschaft in den Mund legt, merkt man den Unterschied zwischen gelebtem und geschriebenem Dialog.
Insgesamt ist ihre Leistung die stärkste unter den Hauptdarstellern. Nicht spektakulär, aber beständig und ehrlich.
Bewertung: 7/10
Hannelore Elsner als Hedda Adlon (älter)
Hannelore Elsner übernimmt Hedda Adlon in der älteren Version der Figur – und das ist die richtige Entscheidung. Elsner bringt eine Art müde Würde mit, die der Figur gut steht. Hedda hat überlebt, hat verloren, hat sich arrangiert. Elsner spielt das ohne Sentimentalität, ohne große Gesten. Das ist Können, keine Berechnung.
Wenn Elsner auf dem Bildschirm ist, glaubt man der Geschichte mehr. Das sagt einiges über den Rest des Ensembles.
Bewertung: 8/10
Anja Kling als Hedda Adlon (jünger)
Anja Kling spielt die jüngere Version derselben Figur – und steht damit vor dem klassischen Casting-Problem: Sie muss eine Frau spielen, die zur älteren Elsner werden wird. Diese Verbindung herzustellen ist schwer, und Kling gelingt es nur bedingt. Ihre Hedda ist ordentlich gespielt, aber sie wirkt zu oft wie eine Version der Figur, die noch nicht verstanden hat, worum es geht. Das kann beabsichtigt sein. Es kann auch eine Schwäche des Drehbuchs sein.
Bewertung: 6/10
Katharina Thalbach als Luise Adlon
Thalbach ist in wenigen Szenen präsent, aber sie hinterlässt einen Eindruck. Ihre Luise ist exzentrisch, klar konturiert, nicht das, was man erwartet. Das ist selten in einer Serie, die ansonsten auf Sicherheit setzt. Thalbach beweist, dass eine Nebenrolle eine Figur sein kann, wenn man ihr erlaubt, es zu sein.
Bewertung: 7/10
Einen ähnlichen Blick auf Nebenrollen und Ensemblelogik bietet auch der Artikel über die Besetzung von Unorthodox – eine weitere deutschsprachige Miniserie, bei der die Figurenzeichnung entscheidend ist.
Nebenrollen – echte Figuren oder bloße Funktionen?
Die Nebenrollen in Das Adlon. Eine Familiensaga folgen einem Muster, das man aus deutschen Fernsehproduktionen kennt: Sie sind gut besetzt, aber selten wirklich geschrieben. Ken Duken als Georg Schadt hat Szenen, in denen er echte Emotionen trägt – und Szenen, in denen er nur Exposition liefert. Francis Fulton-Smith als Konrad Schadt bleibt über weite Strecken Funktion statt Mensch.
Christoph M. Ohrt ist routiniert in einer Rolle, die er schon in ähnlicher Form gespielt hat. Das ist kein Vorwurf an den Schauspieler – das ist ein Vorwurf an das Casting, das auf Bekanntes setzt statt auf Passendes.
Rebecca Immanuel als Else Schadt hat Momente, aber die Figur ist zu sehr im Dienst der Haupthandlung, um eine eigene Geschichte zu erzählen. Volker Bruch zeigt, dass er mehr kann, als man ihm hier abverlangt. Sein Bernhard Gruber ist präzise gespielt – in einer Rolle, die präzise geschrieben hätte sein müssen, um wirklich zu funktionieren.
Das grundlegende Problem: In einer Familiengeschichte über drei Generationen braucht man ein Ensemble, das auch in den Rändern lebt. Hier funktionieren die Ränder zu oft nur als Kulisse.
Filmografie – Entwicklung oder Stillstand?
Josefine Preuß
- Hat sich von jugendlichen Rollen (Türkisch für Anfänger) zu ernsthafteren Charakteren entwickelt
- Das Adlon ist ein Schritt in Richtung Komplexität – wenn auch kein vollständig gelungener
Hannelore Elsner
- War vor ihrem Tod 2019 eine der prägendsten Schauspielerinnen des deutschen Films und Fernsehens
- Das Adlon ist eine ihrer späten Leistungen – sie trägt die Erfahrung von Jahrzehnten mit
Anja Kling
- Verlässliche Größe im deutschen Fernsehen
- Ihre Filmografie zeigt wenig Entwicklung in Richtung wirklich anspruchsvoller Rollen – Das Adlon bildet da keine Ausnahme
Katharina Thalbach
- Eine der wenigen im Cast mit einer echten Karriere mit Tiefgang: Theater, Film, Fernsehen, Regie
- Ihr Auftritt wirkt entsprechend souveräner als der ihrer Kollegen
Ken Duken
- Hat in internationalen Produktionen mitgewirkt
- Zeigt hier, dass er mehr als deutsches Fernsehen kann – ohne dass ihm das Drehbuch wirklich entgegenkommt
Das Muster ist erkennbar: Schauspieler mit breiter Filmografie spielen besser in Rollen, die breit angelegt sind. Schauspieler, die hauptsächlich im deutschen TV arbeiten, spielen Rollen, die hauptsächlich für deutsches TV geschrieben sind. Das klingt tautologisch – und ist es auch. Aber es erklärt, warum das Ensemble nie ganz das Niveau erreicht, das es theoretisch haben könnte.
Wie ähnliche Dynamiken in einer anderen deutschen Serienproduktion funktionieren, zeigt der Artikel über die Besetzung von Der Schwarm.
Funktioniert das Ensemble als glaubwürdige Einheit?
Eine Familiensaga lebt von der Chemie zwischen ihren Figuren. Das Ensemble von Das Adlon. Eine Familiensaga funktioniert in einzelnen Szenen, aber selten als organische Einheit. Die Beziehungen zwischen den Charakteren wirken oft wie Konstruktionen – notwendig für die Handlung, aber nicht notwendig für die Menschen, die sie spielen.
Das liegt nur zum Teil an den Darstellern. Das Drehbuch arrangiert Figuren, anstatt sie zusammenzubringen. Man sieht Beziehungen zwischen Rollen, nicht zwischen Menschen. In einer Serie, die drei Generationen umspannt und Berlin in seiner turbulentesten Phase zeigt, ist das ein Problem. Wer keine Verbindung zu den Figuren aufbaut, sieht Geschichte – aber erlebt keine.
Die stärksten Momente des Ensembles sind die, wo zwei Schauspieler tatsächlich miteinander spielen statt nebeneinander. Elsner und Preuß in gemeinsamen Szenen sind dafür das deutlichste Beispiel. Wenn diese Energie das gesamte Ensemble bestimmt hätte, wäre aus einer soliden Produktion eine wirklich gute Serie geworden.
Wenn die Aussage die Geschichte verdrängt – ein wiederkehrendes Problem?
Das Adlon. Eine Familiensaga will mehreres gleichzeitig: Familiengeschichte erzählen, historisches Panorama liefern, Haltung zeigen. Das ist kein Fehler. Das ist Ambition. Aber Ambition ohne Disziplin wird zur Last.
In zu vielen Momenten dieser Miniserie merkt man, dass die Produzenten und das Drehbuch etwas sagen wollen. Das ist legitim. Nur: Wenn das Sagen wichtiger wird als das Erzählen, leiden die Figuren zuerst. Sie werden zu Trägern von Botschaften statt zu Menschen mit Widersprüchen.
Das ist kein Problem, das nur diese Produktion hat. Es ist ein wiederkehrendes Muster im ambitionierten deutschen Fernsehfilm. Die Schauspieler werden gut eingesetzt – aber manchmal eher als Symbole denn als Charaktere. Die historischen Stationen werden korrekt abgearbeitet – aber manchmal eher als Lehrplan denn als Erleben.
Das Ergebnis ist eine Produktion, die man respektieren kann, ohne ihr vollständig zu vertrauen. Eine Serie, die mehr sein will, als sie letztlich ist – und die genau deshalb nicht ganz das erreicht, was ein Ensemble dieser Qualität hätte erreichen können.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt die Hauptrolle in Das Adlon. Eine Familiensaga?
Josefine Preuß spielt Sonja Schadt / Sonja Adlon, die zentrale Figur der Familiensaga. Sie trägt die Serie über alle drei Teile und ist die stärkste Konstante im Ensemble.
Wer spielt Hedda Adlon in der Serie?
Hedda Adlon wird in zwei Altersversionen gezeigt: Anja Kling spielt die jüngere Version, Hannelore Elsner die ältere. Elsners Leistung ist dabei die überzeugendere der beiden.
Welcher Schauspieler liefert die beste Leistung in Das Adlon. Eine Familiensaga?
Hannelore Elsner als ältere Hedda Adlon ist die stärkste Einzelleistung des Ensembles. Katharina Thalbach als Luise Adlon hinterlässt trotz kürzerem Einsatz einen klaren Eindruck.
Gibt es schwache Leistungen im Cast?
Nicht wirklich schwache – eher austauschbare. Francis Fulton-Smith und Christoph M. Ohrt bleiben in Rollen verhaftet, die ihnen wenig Raum lassen. Das Problem liegt dabei oft im Drehbuch, nicht im Schauspieler.
Lohnt sich Das Adlon. Eine Familiensaga trotz dieser Kritikpunkte?
Ja – als solide, gut produzierte deutsche Miniserie mit historischem Panorama. Wer eine emotional mitreißende Familiensaga erwartet, die unter die Haut geht, könnte enttäuscht sein. Wer einen kompetent erzählten Überblick über eine turbulente Epoche sucht, wird gut bedient.
Wo kann man Das Adlon. Eine Familiensaga ansehen oder kaufen?
Die Serie ist auf DVD erhältlich und über verschiedene Streamingdienste abrufbar. Aktuelle Verfügbarkeit lässt sich auf Plattformen wie WerStreamt.es überprüfen.




