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Besetzung von Biohackers

Besetzung von Biohackers

von Jonas Falk

Biohackers ist eine deutsche Science-Fiction-Thriller-Serie, produziert für Netflix, die 2020 ihre erste Staffel veröffentlichte. Die Geschichte folgt Mia Akerlund, einer Medizinstudentin, die an die Universität Freiburg kommt – scheinbar aus akademischem Ehrgeiz, tatsächlich aber mit einem persönlichen Motiv: Sie will die Professorin Tanja Lorenz konfrontieren, die angeblich in illegale Genforschung verwickelt ist. Biologie, Genetik und Wissenschaftsethik bilden den thematischen Rahmen. Der Thriller-Anspruch ist vorhanden. Die Frage ist nur: Hält die Besetzung von Biohackers, was das Konzept verspricht?

Die Antwort ist, wie so oft bei ambitionierten Netflix Originals aus Deutschland: teilweise. Das Ensemble ist solide, einige Darsteller überzeugen, andere bleiben Skizzen. Und manchmal fragt man sich, ob bestimmte Rollen wirklich dramaturgisch notwendig waren – oder ob sie vor allem zeigen sollten, dass die Produktion zeitgemäß denkt.

Die Besetzung von Biohackers – zwischen Anspruch und Konstruktion

Der Cast von Biohackers liest sich auf dem Papier vernünftig. Luna Wedler in der Hauptrolle, Jessica Schwarz als ambivalente Antagonistin, Thomas Prenn als Liebesinteresse – das sind keine Zufallsentscheidungen. Man erkennt Überlegung dahinter. Und doch wirkt die Besetzung in ihrer Gesamtheit seltsam kalkuliert: nicht unbedingt falsch, aber zu glatt.

Was auffällt: Die Figuren sind überwiegend jung, attraktiv und mit einer gewissen Unbeschwertheit besetzt, die nicht immer zur Schwere des Themas passt. Genetische Manipulation, illegale Experimente, persönliche Traumata – das sind keine leichten Themen. Und wenn die Darsteller dabei gelegentlich wirken wie aus einem Hochglanz-Casting-Katalog, entsteht eine Spannung zwischen Inhalt und Form, die nicht immer produktiv ist.

Das gilt nicht für alle. Jessica Schwarz bringt eine echte Präsenz mit, die der Serie Halt gibt. Luna Wedler ist besser als erwartet, auch wenn ihre Figur gelegentlich mehr Symbol als Mensch ist. Der Rest des Ensembles bewegt sich zwischen funktional und überflüssig.

Was die Produktion richtig macht: Die Schauspieler sind deutsch, die Sprache ist deutsch, das Setting ist glaubwürdig regional. Das ist keine Kleinigkeit bei einer Fernsehserie, die für ein internationales Publikum produziert wird. Es schleicht sich kein falscher Universalismus ein.

Was weniger gut funktioniert: Einige Nebenrollen wirken wie Platzhalter. Figuren, die auftauchen, eine Funktion erfüllen und wieder verschwinden, ohne dass man das Gefühl hat, sie seien echte Menschen gewesen.

Lesen Sie auch unseren Artikel über die Besetzung von Der Schwarm – einer weiteren deutschen Produktion, die mit ähnlichem Anspruch antritt.

Tabelle der Besetzung mit Bewertung

Schauspieler Rolle Bewertung Kommentar
Luna Wedler Mia Akerlund 7/10 Präsent und glaubwürdig, auch wenn die Figur gelegentlich zu konstruiert wirkt
Jessica Schwarz Prof. Tanja Lorenz 8/10 Stärkste Leistung der Serie – komplex, kühl, bedrohlich
Thomas Prenn Lorenz Benedikt 6/10 Solide, aber die Rolle lässt ihn selten wirklich spielen
Caro Cult Jasmin 6/10 Lebhaft, aber die Figur bleibt lange Zeit Dekoration
Adrian Julius Tillmann Chen-Lu 5/10 Sympathisch besetzt, aber dramaturgisch unterentwickelt
Jing Xiang Lotta Hellström 5/10 Wirkt funktional, nicht organisch
Zeynep Bozbay Niklas 5/10 Zu wenig Raum für echte Entfaltung
Salvo Stellitano Percival 5/10 Randrolle, die mehr hätte sein können
Sebastian Hülk Andreas Lorenz 6/10 Solider Gegenpol zur dominanten Schwarz

Die Hauptdarsteller im Fokus

Luna Wedler als Mia Akerlund

Mia Akerlund ist die zentrale Figur dieser Fernsehserie – Medizinstudentin, Detektivin, Opfer und Akteurin zugleich. Das ist viel auf einmal. Luna Wedler trägt diese Konstruktion mit bemerkenswerter Disziplin. Sie ist physisch präsent, emotional zugänglich und wirkt in vielen Szenen tatsächlich wie jemand, der sich in einer echten Krise befindet.

Das Problem ist nicht Wedler – das Problem ist die Figur selbst. Mia Akerlund ist zu sehr Konzept: die junge Frau, die Wahrheit sucht, die Wissenschaft herausfordert, die das System in Frage stellt. In Staffel 1 funktioniert das noch, weil das Mysterium trägt. In Staffel 2 wird die Konstruiertheit spürbarer. Die Dialoge klingen stellenweise zu kommentierend, zu erklärend – als wären sie für ein Lehrbuch über Genetik geschrieben und nicht für eine lebendige Figur.

Wedler selbst ist jedoch keine Schwachstelle. Sie hat das Format, eine Hauptrolle zu tragen, und beweist das auch hier.

Bewertung: 7/10

Jessica Schwarz als Prof. Tanja Lorenz

Wenn Biohackers funktioniert, dann meist dann, wenn Jessica Schwarz auf dem Bildschirm ist. Ihre Darstellung von Professorin Tanja Lorenz ist das Beste, was die Serie zu bieten hat. Schwarz spielt eine Figur, die moralisch fragwürdig ist, ohne eindeutig böse zu sein – und das ist dramaturgisch viel schwieriger als es klingt.

Lorenz ist keine Karikatur. Sie ist eine Frau mit Überzeugungen, Vergangenheit und Widersprüchen. Schwarz gibt ihr Würde und Bedrohlichkeit gleichzeitig. In Momenten, wo die Serie zu simplifizieren droht – Forscherin als Monster – bremst Schwarz diese Tendenz mit subtiler Körpersprache und präziser Sprachführung.

Das ist keine Nebenrolle, die Funktion erfüllt. Das ist echtes Schauspiel.

Bewertung: 8/10

Thomas Prenn als Lorenz Benedikt

Thomas Prenn kam mit Staffel 2 ins Ensemble – und das war, laut Netflix, ein bewusst gesetztes Signal. Prenn ist ein bekannter Name in der österreichischen und deutschen Filmografie, seine Besetzung wurde entsprechend kommuniziert.

Seine Figur, Lorenz Benedikt, bewegt sich im Grenzbereich zwischen Vertrautem und Unbekanntem. Prenn spielt das mit Zurückhaltung – manchmal zu viel davon. Es gibt Szenen, in denen man das Gefühl hat, er wartet auf den Moment, in dem die Rolle aufmacht. Dieser Moment kommt, aber später als nötig.

Insgesamt: solide. Prenn ist kein Problem für die Serie, aber er ist auch nicht der Gewinn, den die Produktion versprochen hatte.

Bewertung: 6/10

Caro Cult als Jasmin

Caro Cult ist eine der interessanteren Entscheidungen im Cast. Als Jasmin bringt sie Energie und Authentizität mit – sie wirkt wie jemand, der tatsächlich an dieser Universität studiert und nicht wie jemand, der dafür gecastet wurde, jung zu wirken.

Das Problem: Die Figur Jasmin ist lange Zeit dramaturgisch unterschätzt. Sie existiert zunächst hauptsächlich als Funktion für Mias Geschichte. Erst später bekommt sie eigene Konturen. Cult macht das Beste daraus.

Bewertung: 6/10

Einen ähnlich kritischen Blick auf eine deutsche Netflix-Produktion finden Sie in unserem Artikel über die Besetzung von Unorthodox.

Nebenrollen – echte Figuren oder bloße Funktionen?

Hier liegt eine der strukturellen Schwächen der Besetzung von Biohackers. Viele Nebenrollen fühlen sich wie Platzhalter an – sie besetzen Raum, liefern Information, fördern die Handlung, verschwinden dann aber, ohne Eindruck hinterlassen zu haben.

Adrian Julius Tillmann als Chen-Lu ist ein Beispiel. Die Figur hat Potenzial: ein Kommilitone mit eigenen Ambitionen und Widersprüchen. Aber die Episoden geben ihm zu wenig Raum, um über seine Funktion hinauszuwachsen. Man sieht das Konstrukt, nicht den Menschen.

Ähnliches gilt für weitere Figuren in Staffel 1 und Staffel 2. Sie sind besetzt, sie spielen, sie erfüllen ihre Aufgabe. Aber sie hinterlassen kein Gefühl von Wirklichkeit. In einer Serie, die thematisch von Identität, Genetik und dem Wesen des Menschen handelt, ist das eine unangenehme Ironie.

Sebastian Hülk als Andreas Lorenz bildet hier eine Ausnahme. Er agiert als ruhiger Gegenpol zu Schwarz, und die beiden haben eine Dynamik, die glaubwürdig wirkt. Nicht aufregend, aber solide und real.

Filmografie – Entwicklung oder Stillstand?

Luna Wedler

  • Blue My Mind (2017) – Schweizer Coming-of-Age-Drama, das ihr Spektrum deutlich machte
  • Biohackers (2020–) – Staffel 1 und 2 bei Netflix; logischer nächster Schritt: mehr Budget, mehr Sichtbarkeit, ähnliche Energie. Typecasting-Risiko vorhanden: die nachdenkliche, suchende junge Frau in moralisch komplexen Welten.

Jessica Schwarz

  • Parfum: Die Geschichte eines Mörders (2006)
  • Diverse Fernsehproduktionen und Theaterrollen
  • Biohackers – kein Karrieresprung, aber ein würdiger Auftritt. Schwarz entwickelt sich nicht durch diese Rolle – sie bestätigt, was man bereits wusste.

Thomas Prenn

  • Profil noch in Entwicklung; bekannter Name in der österreichischen und deutschen Filmografie
  • Biohackers Staffel 2 – strategischer Schritt in Richtung internationale Wahrnehmung. Die Besetzung war klug – die Figur hätte mehr hergeben können.

Mehr zur Besetzung vergleichbarer Serienformate lesen Sie in unserem Artikel über die Besetzung von Manifest.

Funktioniert das Ensemble als glaubwürdige Einheit?

Teilweise. Das ist die ehrlichste Antwort.

Es gibt Momente in der Serie – besonders in Staffel 1 – wo das Ensemble tatsächlich wie eine Gruppe von Menschen wirkt, die denselben Raum bewohnen und aufeinander reagieren. Die Szenen zwischen Wedler und Schwarz haben Spannung und Gewicht. Die Dynamik zwischen Mia und Jasmin funktioniert, wenn die Figuren echten Raum bekommen.

Aber dann gibt es die anderen Momente: Szenen, in denen man die Konstruiertheit des Ensembles spürt. Figuren, die aufeinandertreffen und Dialog produzieren, ohne dass man das Gefühl hat, sie kennen sich wirklich. Reaktionen, die richtig sind, aber nicht real wirken.

Das ist kein Versagen einzelner Darsteller. Es ist ein strukturelles Problem: Wenn die Handlung zu sehr durch Plotpunkte getrieben wird und zu wenig durch Charaktermomente, verliert auch das beste Ensemble seinen Halt.

Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern ist vorhanden, aber sie ist ungleichmäßig verteilt. Schwarz dominiert fast jeden Raum, in dem sie auftaucht. Das ist ein Vorteil für die Serie – aber es bedeutet auch, dass der Rest des Casts bisweilen in ihrem Schatten verschwindet.

Wenn die Aussage die Geschichte verdrängt – ein wiederkehrendes Problem

Biohackers hat einen inhärenten Widerspruch. Es will ein Thriller sein – spannend, düster, unberechenbar. Und es will gleichzeitig relevant sein: eine Serie über Wissenschaftsethik, Verantwortung und die Grenzen des Fortschritts.

Diese Kombination ist nicht unmöglich. Die besten Science-Fiction-Serien und -Filme schaffen genau das. Aber es erfordert Disziplin. Wenn die Geschichte beginnt, primär als Vehikel für Aussagen zu funktionieren, verliert sie Textur. Figuren werden zu Sprachrohren. Dialoge werden zu Thesen. Und das Casting beginnt, nach Signalwert zu riechen statt nach dramaturgischer Notwendigkeit.

Biohackers ist nicht das schlimmste Beispiel dafür – aber es ist auch kein besonders mutiges. Die Produktion möchte gerne unbequem sein, aber sie tut es auf eine Weise, die vorhersehbar wirkt. Die ethischen Fragen, die sie stellt – darf man Genetik manipulieren? Wem gehört wissenschaftliches Wissen? Wo endet Forschung und beginnt Verbrechen? – sind real und wichtig. Aber sie werden oft zu direkt verbalisiert, zu wenig durch Handlung und Charakterkonflikte erlebt.

Das ist ein Problem der Drehbuchebene, das die Besetzung nicht lösen kann. Gute Schauspieler wie Jessica Schwarz können es abmildern. Sie können aus einem geschriebenen Dialog etwas Lebendiges machen. Aber sie können nicht aus einem konzeptuellen Charakter einen menschlichen machen, wenn das Skript das nicht zulässt.

Biohackers will eine relevante, moderne, deutsche Netflix-Produktion sein. Es ist das auch – zumindest in der Außenwirkung. Ob es auch eine wirklich gute Serie ist, ist eine andere Frage.

Häufig gestellte Fragen zur Besetzung von Biohackers

Wer spielt die Hauptrolle in Biohackers?

Luna Wedler spielt Mia Akerlund, die Hauptfigur der Serie. Sie ist Medizinstudentin und steht im Mittelpunkt beider Staffeln.

Wer spielt die Antagonistin in Biohackers?

Jessica Schwarz spielt Professorin Tanja Lorenz, die moralisch ambivalente Wissenschaftlerin, die Mias zentralem Konflikt zugrunde liegt. Schwarz liefert die stärkste Einzelleistung des Casts.

Welcher Schauspieler kam neu in Staffel 2 hinzu?

Thomas Prenn stieß in Staffel 2 zum Ensemble und spielte die Figur Lorenz Benedikt. Seine Besetzung wurde von Netflix Deutschland aktiv kommuniziert.

Welche Schauspieler sind die schwächsten Glieder im Cast?

Weniger die Schauspieler selbst als die Figuren sind das Problem. Viele Nebenrollen – darunter Chen-Lu und einige weitere Kommilitonen – bleiben dramaturgisch zu dünn, um als echte Charaktere zu funktionieren. Die Darsteller können nur spielen, was das Skript ihnen gibt.

Lohnt sich Biohackers trotz der Schwächen?

Ja – vor allem wegen Jessica Schwarz und dem soliden Thriller-Gerüst in Staffel 1. Wer bereit ist, über einige konstruiert wirkende Figuren hinwegzusehen, bekommt eine sehenswerte deutsche Streaming-Serie. Kein Meisterwerk, aber deutlich über dem Durchschnitt dessen, was Netflix Deutschland bisher produziert hat.

Ist die Besetzung von Biohackers insgesamt gelungen?

Gemischt, aber tendenziell positiv. Der Kern des Ensembles funktioniert. Die Peripherie ist schwächer. Die größte Stärke ist Schwarz, die größte strukturelle Schwäche sind Nebenrollen, die zu selten über ihre narrative Funktion hinauswachsen dürfen.

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