Robin Hood – Helden in Strumpfhosen aus dem Jahr 1993 ist ein Film, den man einordnen muss, bevor man ihn bewerten kann. Mel Brooks inszenierte diesen Spielfilm als direktes Gegenstück zu den pathetisch aufgeblasenen Mittelalterepen seiner Zeit – allen voran zu Robin Hood – König der Diebe mit Kevin Costner. Das Ergebnis war eine Parodie, die mit Anachronismen, Metahumor und einer bewusst konstruierten Besetzung arbeitete. Der Kinofilm kam am 28. Juli 1993 in die deutschen Kinos, produziert von Mel Brooks selbst für 20th Century Fox, mit einer Laufzeit von rund 104 Minuten.
Das Ensemble wirkt auf den ersten Blick wie ein klassischer Parodie-Cast: bekannte Gesichter in überspitzten Rollen, Komiker neben Charakterdarstellern, alles leicht schräg justiert. Doch wer genauer hinschaut, stellt fest, dass die Besetzung von Robin Hood – Helden in Strumpfhosen nicht einfach zufällig zusammengewürfelt wurde. Sie folgt einer Logik – und diese Logik hat sowohl Stärken als auch spürbare Grenzen.
Die Besetzung von Robin Hood – Helden in Strumpfhosen – zwischen Anspruch und Konstruktion
Wenn man die Filmbesetzung von Robin Hood – Helden in Strumpfhosen analysiert, fällt zunächst auf, wie gezielt die einzelnen Rollen mit Typen besetzt wurden – nicht unbedingt mit Charakteren. Brooks arbeitete hier nach einem bekannten Prinzip: Nimm Schauspieler, die für bestimmte Qualitäten bekannt sind, und setze sie in eine Situation, die diese Qualitäten leicht ad absurdum führt.
Cary Elwes als Robin Hood ist das offensichtlichste Beispiel. Elwes hatte kurz zuvor in Die Braut des Prinzen seinen Ruf als charmanter, leicht selbstironischer Held gefestigt. Diese Signalwirkung ist kalkuliert: Der Zuschauer weiß sofort, dass Robin kein echter Held sein wird – er ist eine Destillation des Helden-Klischees. Das funktioniert in der Parodie. Die Frage ist nur, ob es mehr funktioniert als das.
Der Rest des Casts folgt einer ähnlichen Strategie. Richard Lewis als Prinz John, Roger Rees als Sheriff von Nottingham, Amy Yasbeck als Maid Marian – sie alle wirken wie sorgfältig gewählte Komödien-Typen, die ihre jeweilige Funktion in der Parodiemechanik erfüllen. Was dabei gelegentlich verloren geht, ist das Gefühl, dass diese Figuren irgendetwas wollen, das über die nächste Pointe hinausgeht.
Die Besetzung ist handwerklich kompetent. Strategisch ist sie durchaus clever. Aber organisch – das ist sie nur selten.
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Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Cary Elwes | Robin Hood | 7/10 | Selbstironisch, physisch präsent – spielt die Parodie mit echtem Timing |
| Richard Lewis | Prinz John | 5/10 | Neurotischer Standup-Stil wirkt gelegentlich fehlplatziert im Mittelalter-Setting |
| Roger Rees | Sheriff von Nottingham | 7/10 | Theatralisch und bewusst übertrieben – einer der stärksten Auftritte |
| Amy Yasbeck | Maid Marian | 5/10 | Solide, aber kaum mehr als eine Funktion im Handlungsgefüge |
| Dave Chappelle | Ahchoo | 6/10 | Früher Auftritt mit echter Energie – Figur bleibt aber unterentwickelt |
| Mark Blankfield | Blinkin | 6/10 | Konsequent absurde Komik, funktioniert auf Sketch-Niveau |
| Eric Allan Kramer | Kleiner John | 5/10 | Physisch überzeugend, dramaturgisch eine Randfigur |
| Matthew Porretta | Will Scarlet O’Hara | 4/10 | Kaum Profil – Figur bleibt Staffage |
| Tracey Ullman | Broomhilde | 5/10 | Zu wenig Screentime für eine Darstellerin dieses Formats |
| Patrick Stewart | König Richard | 6/10 | Kurzer Gastauftritt mit solidem Selbstbewusstsein |
| Isaac Hayes | Asneeze | 5/10 | Prägnant, aber seine Szenen bleiben episodisch ohne Wirkung |
| Mel Brooks | Rabbi Tuckman | 7/10 | Brooks’ Selbstbesetzung funktioniert – er weiß genau, was er tut |
Die Hauptdarsteller im Fokus
Cary Elwes als Robin Hood
Elwes spielt Robin Hood als Karikatür des perfekten Helden – und er tut das mit echter Professionalität. Was ihn von vielen anderen Hauptdarstellern in Komödien dieser Ära unterscheidet: Er nimmt die Figur ernst genug, um sie konsequent zu unterlaufen. Jede seiner Bewegungen wirkt zu elegant, jede seiner Gesten eine Spur zu selbstbewusst – und genau darin liegt der Witz.
Trotzdem bleibt Robin Hood als Charakter eine leere Hülle. Er hat keine erkennbare innere Logik, keine Verletzlichkeit, keinen Widerspruch. Er ist ein Vehikel für Gags, kein Mensch. Elwes rettet das mit Charisma, aber er kann nicht reparieren, was das Drehbuch nicht geliefert hat.
Bewertung: 7/10
Richard Lewis als Prinz John
Richard Lewis bringt seinen gewohnten neurotischen Stand-up-Stil in die Rolle des Prinzen – was in manchen Szenen funktioniert und in anderen das mittelalterliche Setting vollständig zerstört. Das ist gewollt, klar. Brooks liebt diesen Anachronismus. Aber Lewis wirkt bisweilen weniger wie ein verkleideter Prinz als wie ein Komiker, dem man eine Krone aufgesetzt hat.
Das ist kein Versagen der Darstellung, sondern ein Problem der Rollenkonstruktion. Prinz John hat keine erkennbare Motivation, keine Konsequenz in seiner Bosheit – er ist Dekoration mit Pointen.
Bewertung: 5/10
Roger Rees als Sheriff von Nottingham
Rees ist einer der wenigen Darsteller in diesem Cast, der seine Figur tatsächlich von innen heraus spielt. Sein Sheriff von Nottingham ist theatralisch, übertrieben, manchmal hysterisch – aber er bleibt dabei in sich stimmig. Man glaubt ihm seine Niedertracht, auch wenn sie jederzeit in Slapstick umschlägt.
Das ist solides Handwerk. Rees weiß, dass er in einer Parodie spielt, nutzt das aber als Werkzeug statt als Entschuldigung.
Bewertung: 7/10
Amy Yasbeck als Maid Marian
Yasbeck bekommt die undankbarste Aufgabe des Films: Sie spielt die klassische Heldin einer mittelalterlichen Romanze – in einer Parodie, die nichts mit Romantik anfangen kann. Ihr Charakter hat kaum dramaturgische Funktion außer die, Robin Hood einen Grund zu geben, irgendwo hinzureiten. Das ist strukturell ein Problem, das Yasbeck nicht lösen kann.
Ihre Szenen mit Elwes haben gelegentlich echte Leichtigkeit, aber das Drehbuch gibt der Figur zu wenig, um mehr zu sein als ein Plot-Punkt in Kleid.
Bewertung: 5/10
Dave Chappelle als Ahchoo
Es ist heute schwer, Chappelle in diesem Film zu betrachten, ohne das zu wissen, was er danach wurde. Aber auch ohne diesen Kontext fällt auf: Er hat bereits 1993 eine Präsenz, die über die Materialqualität hinausgeht. Ahchoo ist kein durchdachter Charakter – er ist ein Klischee, das gebrochen werden soll. Chappelle bricht es mit echter Energie, aber die Figur bleibt episodisch.
Bewertung: 6/10
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Mel Brooks als Rabbi Tuckman
Die Selbstbesetzung von Brooks funktioniert, weil er keine Illusionen über seine eigene Rolle im Film hat. Er erscheint, zündet seine Szenen, und verschwindet wieder. Rabbi Tuckman ist eine klassische Brooks-Figur: laut, absurd, jüdisch gebrochen in die WASP-Folklore eingebettet. Brooks weiß das, und er spielt es mit einer Sicherheit, die man respektieren muss.
Bewertung: 7/10
Nebenrollen – echte Figuren oder bloße Funktionen?
Die Nebenrollen in Robin Hood – Helden in Strumpfhosen leiden unter einem strukturellen Problem, das für Parodien typisch ist: Sie werden primär als Schablonen für Witze gebraucht, nicht als Charaktere.
Mark Blankfield als Blinkin ist das prägnanteste Beispiel. Die Figur des blinden Bogenschützen funktioniert auf Sketch-Ebene – jede seiner Szenen hat einen eigenen Pointen-Rhythmus. Aber Blinkin existiert nicht zwischen den Gags. Er ist kein Mitglied der Merry Men, er ist ein wandelnder Witz.
Eric Allan Kramer als Kleiner John hat physische Präsenz, aber kaum Screentime, die über Exposition hinausgeht. Die Figur ist im Sherwood Forest ein Mitglied der Handlung – mehr nicht.
Isaac Hayes als Asneeze – Ahchoos Vater – hat einen Auftritt, der primär dazu dient, Chappelles Figur in die Geschichte einzuführen. Hayes selbst hat Würde und Timing, aber die Rolle lässt nichts davon wirklich entfalten.
Tracey Ullman ist das größte vertane Potenzial des Casts. Sie ist eine der vielseitigsten Komödiendarstellerinnen ihrer Generation, und was das Drehbuch ihr anbietet, ist gemessen an ihren Fähigkeiten fast schon beleidigend wenig.
Patrick Stewart als König Richard tritt am Ende des Films auf – und sein kurzer Auftritt hat eine Selbstsicherheit, die den Rest des Films beschämt. Stewart spielt den Cameo, als wäre er der eigentliche Star, was technisch gesehen vielleicht der präziseste Kommentar zum gesamten Film ist.
Filmografie – Entwicklung oder Stillstand?
Cary Elwes
- Die Braut des Prinzen (1987)
- Robin Hood – Helden in Strumpfhosen (1993)
- Liar Liar (1997)
- Saw (2004)
Elwes hatte mit Die Braut des Prinzen und Robin Hood – Helden in Strumpfhosen zwei Rollen gefestigt, die ihn für Jahre als charmant-selbstironischen Helden definierten. Was danach folgte, war uneinheitlich – eine Karriere mit echten Momenten, aber ohne klar erkennbaren Entwicklungsbogen.
Dave Chappelle
- Robin Hood – Helden in Strumpfhosen (1993)
- Chappelle’s Show (2003–2006)
Chappelle nutzte seine frühen Filmauftritte als Sprungbrett in eine Comedykarriere, die ihn weit über das Medium Film hinausführte. Chappelle’s Show machte ihn zu einer eine Generation prägenden Figur. In diesem Kontext wirkt seine Rolle in Helden in Strumpfhosen wie ein frühes Signal eines Talents, das der Film nicht vollständig nutzen konnte.
Roger Rees
Rees blieb primär ein Theaterdarsteller – sein Auftritt hier ist ein Ausflug in die Filmparodie, der zeigt, was passiert, wenn jemand mit echter Bühnenerfahrung in einer Komödienrolle landet. Das Ergebnis ist kontrollierter als bei vielen seiner Kollegen.
Mel Brooks
- Blazing Saddles
- Young Frankenstein
- Spaceballs
- Robin Hood – Helden in Strumpfhosen (1993)
Brooks ist ein Sonderfall. Seine Filmografie als Regisseur zeigt einen Künstler, der das Parodie-Genre über Jahrzehnte definiert hat. Helden in Strumpfhosen ist dabei weder sein stärkstes noch sein schwächstes Werk. Es ist solides Spätwerk eines Meisters, der sein Handwerk kennt, aber nicht mehr überrascht.
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Funktioniert das Ensemble als glaubwürdige Einheit?
Hier liegt das ehrlichste Problem des Films: Das Ensemble funktioniert als Ansammlung von Einzelauftritten, nicht als Gruppe.
Die Merry Men im Sherwood Forest haben keine erkennbare Chemie untereinander. Sie reagieren auf Situationen, sie reagieren auf Robin Hood, aber sie reagieren kaum aufeinander. Was eine Truppe von Outlaws ausmacht – gegenseitiges Vertrauen, Reibung, geteilte Geschichte – davon ist wenig zu spüren.
Elwes und Chappelle haben in ihren gemeinsamen Szenen eine natürliche Leichtigkeit, die den Rest des Ensembles leider beschämt. Lewis und Rees als Antagonisten funktionieren ebenfalls, weil sie nicht vorgeben müssen, zu einer Einheit zu gehören – ihre Isolation ist Teil der Rolle.
Yasbeck und Elwes wirken in ihren romantischen Szenen wie zwei Menschen, die dieselbe Szene spielen, ohne sich wirklich zu begegnen. Das ist kein Problem der Darstellung – es ist ein Problem der Schreibarbeit.
Das Ensemble von Robin Hood – Helden in Strumpfhosen ist eine Aneinanderreihung kompetenter Einzelleistungen. Als Gemeinschaft – als glaubwürdige Einheit – bleibt es fragmentiert.
Wenn die Aussage die Geschichte verdrängt – ein wiederkehrendes Problem?
Robin Hood – Helden in Strumpfhosen ist kein Film, der primär durch Botschaft überwältigt. Brooks war nie ein ideologischer Regisseur im modernen Sinne. Sein Humor ist anarchisch, nicht programmatisch.
Und trotzdem gibt es Momente, in denen man das Gefühl hat, dass bestimmte Casting-Entscheidungen mehr Signal als Substanz transportieren sollen. Chappelles Figur Ahchoo ist ein Beispiel: Die Figur trägt eine kulturelle Kommentarfunktion, die das Drehbuch weder ausarbeitet noch wirklich ernst nimmt. Sie wird eingeführt, erzeugt Lacher, und bleibt dann dramaturgisch stehen.
Das ist kein spezifisches Versagen von Helden in Strumpfhosen – es ist ein strukturelles Problem der Parodie als Genre. Die Parodie lebt von der Geste, nicht von der Konsequenz. Sie zeigt auf etwas, ohne es zu verfolgen.
Was man 1993 noch als harmlosen Komödienmechanismus lesen konnte, wirft heute Fragen auf, die der Film selbst nicht beantworten wollte: Ist es ein Kommentar auf Repräsentation in Mittelalterfilmen – oder ist es schlicht eine komödiantische Besetzungsentscheidung ohne tiefere Reflexion? Die Antwort ist wahrscheinlich beides, und genau darin liegt die Ambiguität des Films.
Brooks’ stärkste Arbeiten – Blazing Saddles ist das offensichtliche Gegenbeispiel – haben dieses Spannungsfeld bewusst ausgestellt und dramaturgisch genutzt. Helden in Strumpfhosen tut es nicht. Es bleibt auf der Oberfläche, und die Oberfläche ist gut gemacht. Ob das reicht, hängt davon ab, was man von einem Kinofilm erwartet.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt Robin Hood in Robin Hood – Helden in Strumpfhosen?
Die Hauptrolle des Robin Hood wird von Cary Elwes gespielt. Er bringt einen selbstironischen Charme in die Figur, der gut zur Parodie-Struktur des Films passt.
Welche bekannten Schauspieler sind in Robin Hood – Helden in Strumpfhosen zu sehen?
Neben Cary Elwes spielen unter anderem Richard Lewis, Roger Rees, Amy Yasbeck, Dave Chappelle, Tracey Ullman, Patrick Stewart, Isaac Hayes und Mel Brooks selbst mit.
Wer liefert die stärkste Leistung in der Besetzung?
Roger Rees als Sheriff von Nottingham und Mel Brooks als Rabbi Tuckman liefern die konsistentesten Leistungen. Brooks weiß genau, wie er seinen eigenen Film nutzt – und Rees spielt seine Figur mit theatralischer Disziplin.
Was ist die schwächste Rolle im Cast?
Matthew Porretta als Will Scarlet O’Hara und Tracey Ullman bleiben deutlich unter ihren Möglichkeiten – weniger wegen mangelnder Darstellung, sondern wegen zu dünner Figurenzeichnung im Drehbuch.
Lohnt es sich, den Film heute noch anzuschauen?
Als Zeitdokument der frühen 1990er Komödienkultur ja. Als Parodie mit soliden Einzelmomenten ebenfalls. Als kohärentes Erzählwerk mit starkem Ensemble eher nicht. Wer Blazing Saddles kennt, wird Abstriche machen müssen.
Wo kann ich Robin Hood – Helden in Strumpfhosen streamen?
Verfügbarkeit ändert sich regelmäßig. Aktuelle Informationen dazu finden sich auf Plattformen wie werstreamt.es oder direkt bei den gängigen deutschen Streaming-Diensten.




