Vikings läuft seit 2013 auf dem History Channel und erzählt die Geschichte des legendären Wikingerführers Ragnar Lothbrok – vom einfachen Bauern und Krieger bis zum König. Erschaffen von Drehbuchautor Michael Hirst, der bereits bei The Tudors gezeigt hat, wie man Geschichte mit ordentlich Dramatik auflädt, ist die Serie ein ambitioniertes Mittelalter-Actiondrama, das Wikinger, Nordmänner, politische Intrigen und familiäre Konflikte in sechs Staffeln miteinander verwebt.
Was auffällt, wenn man die Besetzung von Vikings unter die Lupe nimmt: Das Cast ist sorgfältig zusammengestellt, teilweise sogar überraschend stark. Aber sorgfältig bedeutet nicht immer überzeugend. Manche Charaktere atmen, manche funktionieren nur auf dem Papier. Und die Frage, ob hier Figuren entstanden sind oder Symbole, stellt sich mehr als einmal.
Die Besetzung von Vikings – zwischen Anspruch und Konstruktion
Die Vikings Besetzung hat auf den ersten Blick alles, was ein historisches Seriendrama braucht: markante Gesichter, körperlich glaubwürdige Krieger, ein paar britische Charakterdarsteller als Gegengewicht zu den nordischen Hauptfiguren. Auf den zweiten Blick offenbart sich jedoch ein Muster, das für viele ambitionierte Historienproduktionen typisch ist: Der Cast ist größer als die Zeit, die er bekommt, um echte Menschen zu sein.
Travis Fimmel als Ragnar Lothbrok ist das offensichtlichste Beispiel für eine Casting-Entscheidung, die dramaturgisch Sinn ergibt – und gleichzeitig die ganze Serie auf seinen Schultern ablädt. Gustaf Skarsgård als Floki bringt eine Intensität mit, die manchmal fast zu viel des Guten ist, aber zumindest glaubwürdig bleibt. Katheryn Winnick als Lagertha wurde früh zur ikonischen Figur – nicht zuletzt, weil die Figur mit einer Konsequenz geschrieben ist, die im Serienkontext selten ist.
Aber dann gibt es Rollen, die weniger wie Charaktere und mehr wie Funktionen wirken. Aslaug, gespielt von Alyssa Sutherland, bleibt über weite Strecken eine narrative Notwendigkeit – die zweite Frau, die Rivalin, das Symbol. Wenig dahinter. Clive Standen als Rollo ist physisch präsent und kämpft spürbar darum, aus dem Schatten seines Bruders herauszutreten – was dramaturgisch funktioniert, aber manchmal wie eine Parallelgeschichte aus einer anderen Serie wirkt.
Der Vikings Cast als Ganzes ist solide. Nicht brilliant. Solide. Das ist ehrlich gesagt mehr, als viele Historiendramen zustande bringen.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Travis Fimmel | Ragnar Lothbrok | 8/10 | Unberechenbar, magnetisch – trägt die Serie auf eine Art, die nicht jedem Schauspieler gelingt |
| Katheryn Winnick | Lagertha | 7/10 | Stark, konsequent gespielt – die Figur ist besser als das Material, das sie manchmal bekommt |
| Gustaf Skarsgård | Floki | 7/10 | Exzentrisch, manchmal überdreht – aber es passt zu Floki auf eine Art, die funktioniert |
| Clive Standen | Rollo | 6/10 | Physisch überzeugend, emotional etwas flach – die Figur kämpft um Relevanz |
| George Blagden | Athelstan | 7/10 | Eines der überraschend stärksten Elemente der Serie – zerbrechlich und glaubwürdig |
| Alyssa Sutherland | Aslaug | 5/10 | Solide Darstellung, aber die Figur ist so konstruiert, dass kaum Tiefe entsteht |
| Alexander Ludwig | Bjorn Ironside | 6/10 | Entwickelt sich über die Staffeln – anfangs eindimensional, später interessanter |
| Nathaniel Parker | King Ecbert | 7/10 | Einer der besten Charakterdarsteller im Cast – subtil, ambivalent, glaubwürdig |
Lesen Sie auch den Artikel über die Besetzung von Gladiator – einem weiteren Historienfilm, bei dem Casting und Authentizität ähnliche Fragen aufwerfen.
Die Hauptdarsteller im Fokus
Travis Fimmel als Ragnar Lothbrok
Ragnar Lothbrok ist eine der merkwürdigsten Hauptfiguren des modernen Serienfernsehens – und Travis Fimmel ist der Grund, warum die Rolle mehr ist als ein Wikinger-Klischee. Fimmel bringt eine Unberechenbarkeit mit, die schwer zu erklären, aber kaum zu ignorieren ist. Sein Ragnar ist mal kindlich, mal brutal, mal philosophisch – und selten ist man sicher, was als nächstes kommt.
Was die Figur funktionieren lässt: Sie wirkt nicht geschrieben. Sie wirkt bewohnt. Fimmel gibt dem Charakter eine eigene Logik, auch wenn das Drehbuch manchmal in konventionellere Bahnen abdriftet. Wenn Ragnar beginnt, Fragen über Leben, Tod und Glaube zu stellen, ist das nicht aufgesetzt – Fimmel macht es glaubhaft.
Schwäche: In den späteren Staffeln, wenn Ragnar länger abwesend ist und als gebrochener Mann zurückkehrt, wirkt selbst Fimmels Spiel gelegentlich wie eine Performance von Zerfall statt gelebtem Zerfall. Aber das ist auch eine Frage des Drehbuchs.
Bewertung: 8/10
Katheryn Winnick als Lagertha
Lagertha ist eine der meistdiskutierten Seriencharaktere der vergangenen Dekade – und Katheryn Winnick spielt sie mit einer Entschlossenheit, die man ihr abnimmt. Die Figur ist Krieger, Mutter, Anführerin, geschiedene Frau – und trotzdem bleibt sie selten ein Symbol. Winnick sorgt dafür, dass Lagertha in den meisten Szenen wie ein Mensch wirkt, der Entscheidungen trifft, nicht wie eine feministische Ikone, die Entscheidungen illustriert.
Der Unterschied ist wichtig: Zu viele Produktionen mit starken Frauenfiguren machen den Fehler, die Stärke auszustellen statt zu erzählen. Lagertha entgeht diesem Fehler nicht immer – aber Winnick kämpft sichtbar dagegen an.
In Konflikten mit Ragnar entwickelt die Figur echte Ambivalenz. Die Beziehung zwischen den beiden ist das emotionale Rückgrat der ersten Staffeln – und das funktioniert, weil beide Schauspieler zueinander spielen und nicht für die Kamera.
Bewertung: 7/10
Gustaf Skarsgård als Floki
Floki ist die exzentrischste Figur im Vikings Cast – und Gustaf Skarsgård spielt ihn entsprechend: mit einer körperlichen Intensität und einer Mimik, die zwischen Genie und Wahnsinn pendelt. Das ist nicht subtil. Das ist manchmal fast zu viel. Aber Floki ist auch nicht für Subtilität konzipiert.
Was Skarsgård gelingt: Er macht Flokis Fanatismus – seine tiefe Verbindung zu den nordischen Göttern, seine Ablehnung des Christentums, seine Loyalität zu Ragnar – zu etwas, das man versteht, auch wenn man es nicht teilt. Das ist schauspielerische Arbeit auf einem Niveau, das im Ensemble selten ist.
Schwäche: Wenn die Figur über mehrere Staffeln in immer extremere Positionen gedrückt wird, verliert auch Skarsgårds Spiel manchmal den Boden. Floki-Episoden in späteren Staffeln fühlen sich an wie Ausflüge in eine andere, seltsam losgelöste Serie.
Bewertung: 7/10
George Blagden als Athelstan
Athelstan ist eine der überraschendsten Figuren der gesamten Vikings Fernsehserie. Ein englischer Mönch, der in die Welt der Wikinger gezogen wird – zwischen zwei Kulturen, zwei Glaubenssystemen, zwei Identitäten. George Blagden spielt diese Zerrissenheit mit einer Zurückhaltung, die genau das richtige Maß trifft.
Die Figur ist das, was man selten findet: ein Charakter, der sich verändert, ohne zu werden, was die Handlung aus ihm machen will. Athelstans Beziehung zu Ragnar ist eine der wenigen Beziehungen in der Serie, die sich authentisch anfühlt – nicht als strategisches Bündnis, sondern als echte menschliche Verbindung.
Bewertung: 7/10
Clive Standen als Rollo
Rollo ist von Beginn an der Schatten seines Bruders – und Clive Standen spielt diese Rolle mit einem Bewusstsein für das Problem, das die Figur hat. Rollo ist groß, physisch überzeugend, und seine Loyalitätskonflikte geben der Figur dramatisches Potenzial.
Aber das Drehbuch tut ihm nicht immer Gefallen. Rollo wird abwechselnd als Rivale, als Verräter, als loyaler Bruder, als Held inszeniert – ohne dass diese Wendungen sich immer organisch anfühlen. Standen gibt sein Bestes, aber die Figur wirkt in manchen Staffeln wie ein Charakter, der auf der Suche nach seiner eigenen Geschichte ist.
Bewertung: 6/10
Alexander Ludwig als Bjorn Ironside
Bjorn Ironside übernimmt in späteren Staffeln zunehmend die Hauptrolle. Alexander Ludwig ist eine solide Wahl – er ist glaubwürdig als Krieger, und seine Entwicklung von Ragnars Sohn zur eigenständigen Figur ist einer der besser konstruierten Bögen der Serie.
Schwäche: Im Vergleich zu Travis Fimmel fehlt Ludwig die Unberechenbarkeit. Bjorn bleibt in seiner Moralität zu eindeutig, zu geradlinig. Das macht ihn ehrenwert – aber weniger interessant als Protagonist.
Bewertung: 6/10
Einen ähnlichen Blick auf Serienbesetzungen bietet der Artikel über die Besetzung von Köln 50667 – auch dort stellt sich die Frage, welche Rollen wirklich atmen und welche nur funktionieren.
Nebenrollen – echte Figuren oder bloße Funktionen?
Wenn man die Nebenrollen des Vikings Cast analysiert, wird ein grundsätzliches Problem sichtbar: Die Serie hat zu viele Figuren für die Zeit, die sie ihnen gibt.
Nathaniel Parker als King Ecbert ist das beste Beispiel für eine Nebenrolle, die mehr Tiefe hat als das Format erlaubt. Ecbert ist ambivalent, intelligent, selbstbewusst – und Parker spielt ihn mit einer britischen Präzision, die die Figur von der Serie abzuheben scheint. Man wünscht sich mehr davon.
Alyssa Sutherland als Aslaug ist das Gegenteil: eine Figur, die funktional konstruiert ist. Aslaug ist im Wesentlichen Ragnars zweite Frau – der Keil zwischen Ragnar und Lagertha. Das ist eine Funktion, keine Figur. Sutherland tut, was sie kann, aber die Rolle lässt selten Raum für etwas anderes als Rivalität und Symbolik.
Gastdarsteller kommen und gehen – einige hinterlassen Eindruck, die meisten nicht. Das ist nicht ungewöhnlich für eine Wikingerserie dieser Größenordnung, erklärt aber, warum die emotionale Wirkung der Serie oft auf dem Hauptcast lastet und auf wenig sonst.
Filmografie – Entwicklung oder Stillstand?
Travis Fimmel
- Vor Vikings vor allem als Model und in kleineren Rollen bekannt
- Durchbruch als Ragnar Lothbrok in Vikings (ab 2013)
- Warcraft (2016) – zeigte, dass Fimmel ohne das richtige Material schnell beliebig wirkt
Katheryn Winnick
- Nach Vikings erkennbare Serienkarriere, u. a. in The Big Sky
- Typecasting-Risiko als starke, unabhängige Kämpferfigur bleibt real
Gustaf Skarsgård
- Floki in Vikings
- Infinity Pool (2023) – bewies größere Vielseitigkeit als die Serienrolle vermuten ließ
George Blagden
- Athelstan in Vikings
- Nach Vikings relativ wenig internationale Aufmerksamkeit – trotz gehöriger Darstellerqualität
Clive Standen
- Rollo in Vikings
- Auftritte in Tom Clancy’s Jack Ryan – solide, ohne die gelegentliche Präsenz der Rollo-Jahre
Wer sich für Besetzungen anderer Serien interessiert, findet im Artikel über die Besetzung von Bonanza einen weiteren Blick darauf, wie Ensembles über lange Laufzeiten zusammenwachsen – oder auseinanderdriften.
Funktioniert das Ensemble als glaubwürdige Einheit?
Die ehrliche Antwort: Ja und nein.
Im Kern der Serie – Ragnar, Lagertha, Floki, Athelstan – funktioniert das Ensemble auf einem hohen Niveau. Die Chemie zwischen Fimmel und Blagden ist eine der authentischsten Darstellungen männlicher Freundschaft im modernen Serienfernsehen. Die Dynamik zwischen Fimmel und Winnick hat eine Geschichte und ein Gewicht, das sich nicht erzwungen anfühlt.
Aber wenn die Serie expandiert – neue Charaktere, neue Schauplätze, neue Staffeln – verliert das Ensemble an Kohäsion. Die Seriencharaktere in späteren Staffeln fühlen sich weniger wie Mitglieder derselben Welt und mehr wie Figuren aus parallelen Handlungssträngen an, die gelegentlich aufeinandertreffen.
Das ist kein seltenes Problem. Es ist das Problem vieler Serienformate, die über sechs Staffeln wachsen und dabei den inneren Zusammenhalt verlieren. Bei Vikings ist es besonders spürbar, weil die ersten Staffeln eine erzählerische Dichte hatten, die die späteren nie ganz wiederherstellen.
Wenn die Aussage die Geschichte verdrängt – ein wiederkehrendes Problem?
Michael Hirst ist ein Autor mit klaren Absichten. Vikings will Geschichte erzählen – aber es will auch etwas sagen. Über Glaube, Identität, Macht, Geschlecht, Kolonialisierung. Das sind legitime Themen. Die Frage ist, ob sie in die Erzählung eingebettet werden oder ob sie die Erzählung steuern.
In den besten Momenten der Serie – und die gibt es – sind diese Themen organisch. Athelstans Glaubenskrise ist nicht didaktisch. Lagerthas Stärke ist nicht illustrativ. Es funktioniert, weil es aus der Figur kommt.
In den schwächeren Momenten merkt man die Konstruktion. Aslaug existiert, um einen Punkt über weibliche Macht und Schwäche zu illustrieren. Manche Gastdarsteller und Nebenrollen wirken wie Argumente in einem Essay, nicht wie Menschen in einer Geschichte.
Das ist das grundsätzliche Risiko jeder ambitionierten Historienserie: Die Versuchung, Geschichte zu kommentieren, ist groß. Die Disziplin, sie stattdessen zu erzählen, ist seltener. Vikings gelingt der Balanceakt manchmal – und scheitert manchmal daran. Oft innerhalb derselben Staffel.
FAQ – Besetzung von Vikings
Wer spielt in Vikings die Hauptrolle?
Travis Fimmel spielt die Hauptrolle als Ragnar Lothbrok. In späteren Staffeln übernimmt Alexander Ludwig als Bjorn Ironside zunehmend die zentrale Position.
Wer ist die stärkste Darstellerin in der Vikings Besetzung?
Katheryn Winnick als Lagertha ist die konstanteste weibliche Leistung der Serie. Sie spielt die Figur mit einer Konsequenz, die über mehrere Staffeln trägt.
Welche Nebenrolle hat den stärksten Eindruck hinterlassen?
George Blagden als Athelstan und Nathaniel Parker als King Ecbert sind beide bemerkenswert gut – Blagden mit emotionaler Tiefe, Parker mit subtiler Intelligenz.
Ist die Besetzung von Vikings historisch authentisch?
Nicht wirklich, und das ist auch nicht der Anspruch. Die Namen sind historisch, die Charaktere sind dramatisiert. Die Schauspieler sind größtenteils nicht skandinavischer Herkunft – aber das ist bei einer History-Channel-Produktion dieser Art kaum überraschend.
Lohnt sich Vikings trotz der Schwächen im Cast und Drehbuch?
Für die ersten drei Staffeln: ja, klar. Die Serie hat in dieser Phase eine erzählerische Energie, die trotz Konstruktionen funktioniert. Ab Staffel vier wird es unregelmäßiger – man muss bereit sein, die starken Episoden zwischen den schwächeren zu suchen.
Gibt es eine Synchronbesetzung, die empfehlenswert ist?
Die deutsche Synchronisation von Vikings ist solide, ohne besonders hervorzustechen. Wer die Wahl hat, sollte die Originalserie vorziehen – Fimmels spezifische Spielweise verliert durch Synchronsprecher spürbar an Nuance.




