Es gibt deutsche Komödien, die einfach unterhalten wollen. Und es gibt solche, die das auch wollen – aber gleichzeitig spürbar darum bemüht sind, zeitgemäß, relevant und wohlgefällig zu wirken. Einfach Mal Was Schönes aus dem Jahr 2022, Regie und Drehbuch von Karoline Herfurth, gehört zur zweiten Kategorie. Der Film erzählt von drei Frauen, die in verschiedenen Lebensphasen stecken, sich unerwartete Auszeiten gönnen und dabei – wenig überraschend – sich selbst neu entdecken. Das klingt bekannt. Das ist bekannt.
Die Besetzung von Einfach Mal Was Schönes ist prominent, professionell und mit erkennbarer Sorgfalt zusammengestellt. Ob diese Sorgfalt dramaturgischer oder strategischer Natur ist, lässt sich diskutieren. Und genau das soll hier geschehen – ruhig, präzise und ohne übertriebene Begeisterung in die eine oder andere Richtung.
Die Besetzung von Einfach Mal Was Schönes – zwischen Anspruch und Konstruktion
Karoline Herfurth ist als Regisseurin keine Unbekannte mehr. Mit Sweethearts und SMS für Dich hat sie bewiesen, dass sie Unterhaltungskino mit Haltung machen kann. Bei Einfach Mal Was Schönes tritt sie erneut in der Doppelrolle als Regisseurin und Hauptdarstellerin an – eine Konstellation, die Stärken hat, aber auch blinde Flecken produzieren kann.
Das Ensemble ist auf dem Papier stark. Nora Tschirner, eine der verlässlichsten deutschen Schauspielerinnen wenn es um Timing und Natürlichkeit geht, ist dabei. Florian David Fitz, seit Jahren ein Garant für funktionale Charme-Rollen im deutschen Mainstream-Kino, ebenfalls. Dazu weitere bekannte Gesichter aus dem deutschen Film- und Fernsehbetrieb.
Was das Casting als Ganzes leicht verdächtig macht: Es wirkt sehr kuratiert. Nicht im Sinne von sorgfältig ausgewählt-für-die-Figur, sondern im Sinne von: Wir wollen ein bestimmtes Publikum ansprechen, und diese Namen helfen dabei. Das ist kein Vorwurf – es ist Kalkül, das im Unterhaltungskino immer existiert. Aber wenn das Kalkül sichtbarer ist als die Charaktere selbst, entsteht ein Problem.
Die Filmbesetzung funktioniert in den Momenten, in denen die Figuren aufhören, Trägerinnen von Botschaften zu sein, und einfach Menschen werden dürfen. Das passiert – aber seltener als es sollte.
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Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Karoline Herfurth | Fritzi | 7/10 | Natürlich, selbstkritisch – aber zuweilen zu sehr im Kontroll-Modus als Regisseurin und Darstellerin gleichzeitig |
| Nora Tschirner | Hanna | 8/10 | Die stärkste Präsenz im Film – glaubwürdig, rhythmisch, menschlich |
| Florian David Fitz | Jonas | 6/10 | Solide und sympathisch, aber die Rolle bleibt funktional |
| Lavinia Wilson | Anne | 6/10 | Bemüht, zuweilen etwas schematisch gezeichnet |
| Jessica Schwarz | Valerie | 6/10 | Professionell, aber mit wenig Raum für echte Tiefe |
| Joachim Król | – | 7/10 | Bringt Gewicht und Textur in seine Szenen |
Hinweis: Nur Schauspieler, die aus den verfügbaren Quellen eindeutig der Besetzung zuzuordnen sind, wurden berücksichtigt.
Die Hauptdarsteller im Fokus
Karoline Herfurth als Fritzi
Herfurth spielt Fritzi, eine Frau, die ihren Alltag hinterfragt und sich nach etwas Echtem sehnt. Die Rolle ist ihr auf den Leib geschrieben – vielleicht ein bisschen zu sehr. Wenn eine Regisseurin sich selbst die Hauptrolle gibt, besteht immer das Risiko der Selbstidealisierung. Herfurth entkommt diesem Risiko nicht vollständig.
Fritzi ist sympathisch, klug, witzig – und selten wirklich fehlerhaft. Sie ist keine Figur mit echten Widersprüchen, sondern eine Figur, die manchmal so tut, als hätte sie welche. Das ist nicht unbedingt Herfurths schauspielerisches Versäumnis, sondern eher ein Drehbuch-Problem. Ihre Darstellung ist handwerklich stark, emotional glaubwürdig in den ruhigeren Momenten – aber die Figur selbst gibt ihr nicht genug Reibungsfläche.
Bewertung: 7/10
Nora Tschirner als Hanna
Nora Tschirner ist in vieler Hinsicht das Herzstück dieses Films. Hanna ist die Figur, die am meisten nach einem echten Menschen klingt – unfertig, ein bisschen chaotisch, mit Timing-Problemen und einem Humor, der nicht immer sitzt. Und genau das macht sie interessant.
Tschirner hat eine seltene Qualität: Sie wirkt nie so, als würde sie spielen. Die Dialoge, die in anderen Mündern konstruiert klingen würden, bekommen durch sie eine spontane Qualität. Wenn der Film lebt, dann oft in ihren Szenen.
Das ist keine Schmeichelei. Es ist eine nüchterne Beobachtung. Tschirner ist die verlässlichste Darstellerin in diesem Ensemble – nicht weil sie lauter wäre, sondern weil sie echter wirkt.
Bewertung: 8/10
Florian David Fitz als Jonas
Jonas ist die Rolle, die Florian David Fitz schon ein Dutzend Mal gespielt hat – charmant, leicht verloren, im Kern gutherzig. Das ist kein Vorwurf an den Schauspieler, sondern ein Hinweis auf ein strukturelles Problem: Typecasting im deutschen Mainstream-Kino.
Fitz macht das, was er macht, gut. Er ist ein verlässlicher Hauptdarsteller mit natürlicher Bühnenpräsenz. Aber Jonas entwickelt sich nicht wirklich. Er ist Katalysator, nicht Charakter. Seine Funktion im Film ist es, bestimmte emotionale Bewegungen bei anderen Figuren auszulösen – das ist eine Nebenrolle mit Hauptrollen-Screentime.
Bewertung: 6/10
Einen ähnlichen Blick auf die Besetzung von Manta Manta lohnt sich für alle, die das Muster des deutschen Komödien-Castings weiterverfolgen möchten.
Nebenrollen – echte Figuren oder bloße Funktionen?
Ein häufiges Problem bei deutschen Komödien dieses Typs ist, dass die Nebenrollen weniger Figuren als narrative Werkzeuge sind. Einfach Mal Was Schönes macht hier keine Ausnahme, ist aber auch keine Ausnahme-Ausnahme.
Lavinia Wilson als Anne hat Momente, in denen ihre Figur aufleuchtet – Momente echter Verletzlichkeit oder Komik. Aber dann folgt fast immer eine Szene, in der die Figur wieder in ihre narrative Funktion zurückgedrängt wird. Anne ist die Frau mit dem Vereinbarkeitsproblem. Das ist zu wenig.
Jessica Schwarz als Valerie hat Präsenz, aber ihre Rolle bleibt zu skizzenhaft, um wirklich zu tragen. Sie repräsentiert einen bestimmten Frauentyp, der im Film kritisch betrachtet werden soll – aber weil sie kaum Raum bekommt, diesen Typ zu hinterfragen oder zu brechen, bleibt die Figur als Idee stehen.
Joachim Król gehört zu den Mitwirkenden, die mit wenigen Szenen echte Qualität hineinbringen. Sein Auftritt ist kurz, aber er verleiht dem Film in diesen Momenten eine Gravitas, die fehlt, wenn er nicht zu sehen ist.
Filmografie – Entwicklung oder Stillstand?
Karoline Herfurth
Von Keine Lieder über Liebe über SMS für Dich bis hin zu Einfach Mal Was Schönes – Herfurth hat als Regisseurin eine klar erkennbare Handschrift entwickelt: warmherzig, weiblich geprägt, mit Witz und gelegentlichem emotionalen Nachdruck. Das ist konsequent. Die Frage ist, ob es auch Wachstum ist.
- Keine Lieder über Liebe
- SMS für Dich
- Sweethearts
- Perfume (als Schauspielerin)
- Einfach Mal Was Schönes
Als Schauspielerin ist Herfurth flexibler – von ernsthaften Rollen wie in Perfume bis hin zu leichten Unterhaltungsformaten. Bei Einfach Mal Was Schönes wählt sie jedoch das Bekannte. Das ist ihr gutes Recht. Aber Entwicklung sieht anders aus.
Nora Tschirner
Tschirner ist seit Keinohrhasen eine feste Größe im deutschen Kinofilm. Ihre Filmografie zeigt eine Schauspielerin, die sich selten in Sicherheit begibt – sie hat Komödie, Drama und Fernsehkrimis gemacht, und das meistens mit erkennbarem Eigensinn.
- Keinohrhasen
- Einfach Mal Was Schönes
In Einfach Mal Was Schönes ist sie erneut in einer Komödie – aber die Qualität ihrer Darstellung zeigt, dass sie nicht in Wiederholung verfällt, sondern immer wieder neuen Raum in bekannten Formaten findet.
Florian David Fitz
Fitz ist ein verlässlicher Darsteller des deutschen Kinofilm-Betriebs. Er hat bewiesen, dass er mehr kann als Charme. Aber das deutsche Casting holt ihn selten aus dieser Comfort Zone.
- Vincent will Meer
- Der geilste Tag
- Einfach Mal Was Schönes
Bei Einfach Mal Was Schönes ist das nicht anders. Die Rolle des Jonas bleibt innerhalb des gewohnten Radius.
Wer das Phänomen des strategischen Castings in deutschen Genrefilmen weiterverfolgen möchte, findet in der Analyse der Besetzung von Aushilfsgangster weiteres Material.
Funktioniert das Ensemble als glaubwürdige Einheit?
Diese Frage ist zentral – und die Antwort ist: meistens ja, manchmal nein.
Die Chemie zwischen Herfurth und Tschirner funktioniert. Die beiden haben ein Gespür füreinander, das sich nicht vollständig simulieren lässt. Wenn sie gemeinsam in einer Szene sind, entsteht etwas, das nach echter Freundschaft riecht – unvollständig, manchmal unbequem, aber lebendig.
Schwieriger ist die Beziehung zwischen den weiblichen Hauptfiguren und den männlichen Nebenfiguren. Es fühlt sich an, als hätten die männlichen Charaktere primär die Funktion, die weiblichen Entwicklungsbögen zu ermöglichen – was dramaturgisch vertretbar wäre, wenn es weniger sichtbar wäre. Hier merkt man das Gerüst unter dem Putz.
Das Ensemble als Ganzes ist kompetent. Es ist kein Film, in dem jemand wirklich schlecht spielt. Aber es ist auch kein Film, in dem die Figuren eine gemeinsame Welt bewohnen, bei der man vergisst, dass sie geschrieben wurde.
Wenn die Aussage die Geschichte verdrängt – ein wiederkehrendes Problem
Einfach Mal Was Schönes ist ein symptomatischer Film für eine bestimmte Art des deutschen Unterhaltungskinos der frühen 2020er Jahre. Es gibt einen erkennbaren Willen, etwas zu sagen – über Frauen, Lebensmodelle, gesellschaftlichen Druck, das Recht auf Eigenzeit. Das ist legitim. Das ist sogar wichtig.
Das Problem: Dieser Wille zur Aussage ist manchmal lauter als die Geschichte. Figuren halten kleine Monologe über ihre Lage, die präzise genug sind, um als Programmtext durchzugehen. Dialoge bekommen eine Reflexionsstufe, die im echten Gespräch selten vorkommt. Die Handlung macht Platz für Statements.
Das ist ein Fehler, der nicht böswillig entsteht. Er entsteht, wenn ein Projekt so sehr glaubt, dass es etwas zu sagen hat, dass es vergisst, zuerst eine Geschichte zu erzählen. Bewertung der erzählerischen Substanz: solide, aber mit spürbaren Lücken dort, wo Figuren Symbole werden.
Das ist kein Problem, das spezifisch für diesen deutschen Film gilt. Es ist ein Muster, das sich durch viele Produktionen zieht, die zeitgemäß sein wollen. Die Filmkritik sollte darauf hinweisen – nicht als Ideologiekritik, sondern als Qualitätskritik. Denn Geschichten, die primär als Vehikel für Botschaften funktionieren, verlieren an Kraft. Nicht weil die Botschaft falsch wäre, sondern weil die Figuren darunter leiden.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt in Einfach Mal Was Schönes die Hauptrolle?
Die Hauptrollen spielen Karoline Herfurth als Fritzi und Nora Tschirner als Hanna. Herfurth hat den Film zudem selbst inszeniert und das Drehbuch geschrieben.
Wer hat Einfach Mal Was Schönes Regie geführt?
Karoline Herfurth ist die Regisseurin des Films. Sie tritt damit erneut in der Doppelfunktion als Regisseurin und Hauptdarstellerin auf – wie bereits bei früheren Projekten.
Welcher Schauspieler überzeugt in Einfach Mal Was Schönes am meisten?
Aus analytischer Sicht ist Nora Tschirner die stärkste Präsenz im Film. Ihre Darstellung der Hanna wirkt natürlicher und menschlicher als der Rest des Ensembles – sie ist die verlässlichste Schauspielerin im Cast.
Ist Einfach Mal Was Schönes sehenswert?
Das hängt von den Erwartungen ab. Als leichte deutsche Komödie mit gutem Ensemble und warmherziger Grundstimmung ist er solide. Wer tiefer gehende Charakterentwicklung und weniger konstruierte Dialoge sucht, wird gelegentlich die Distanz zwischen Absicht und Ergebnis spüren. Der Film ist gut gemeint – und oft auch gut gemacht, nur nicht immer beides gleichzeitig.
Wo kann man Einfach Mal Was Schönes streamen?
Der Film ist unter anderem auf Amazon Prime als Streaming-Option verfügbar sowie auf weiteren Plattformen. Wer ihn auf Kino-Niveau erleben möchte, findet ihn gelegentlich noch in ausgewählten Spielstätten.
Hat der Film Auszeichnungen erhalten?
Einfach Mal Was Schönes war im Umfeld des Deutschen Filmpreises präsent. Für Details zu konkreten Nominierungen und Preisen empfiehlt sich ein Blick auf die offizielle Seite des Deutschen Filmpreises.




