Kolumbien, 1992. Ein kleines Mädchen sieht, wie ihre Eltern ermordet werden. Jahre später ist sie eine Auftragskillerin in Chicago – präzise, kalt, fokussiert. Und sie hat noch immer nur ein Ziel: Rache. So lautet die Handlung von Colombiana, dem 2011 erschienenen Actionfilm unter der Regie von Olivier Megaton, produziert von Luc Besson und seiner Firma EuropaCorp. Das Drehbuch stammt ebenfalls von Besson, zusammen mit Robert Mark Kamen.
Was der Film verspricht, ist bekannt aus dem Besson-Kosmos: eine Frau als tödliches Werkzeug, inszeniert zwischen Eleganz und Explosionen. Was er liefert, ist solider Genrekino – nicht mehr, selten weniger. Die Besetzung von Colombiana ist dabei weder Triumph noch Totalausfall. Sie ist das, was viele Produktionen dieser Art kennzeichnet: funktional, stellenweise überraschend, und an entscheidenden Stellen merkwürdig leer.
Die Besetzung von Colombiana – zwischen Anspruch und Konstruktion
Der Cast von Colombiana wirkt auf den ersten Blick durchdacht. Zoe Saldana als Hauptdarstellerin, Jordi Mollà als Antagonist, Lennie James und Michael Vartan in tragenden Nebenrollen. Cliff Curtis. Amandla Stenberg als junge Cataleya. Das klingt nach einem ausgewogenen Ensemble.
Schaut man genauer hin, stellt man fest: Die Besetzung von Colombiana folgt einem vertrauten Muster des kommerziellen Actionkinos. Die Rollen sind klar verteilt – Opfer, Rächer, Schurke, Geliebter, Vaterfigur. Was fehlt, sind Charaktere, die sich aus diesen Funktionen herausbewegen. Fast jede Figur erfüllt exakt das, wofür sie besetzt wurde – nicht mehr.
Das ist kein Zufall. Es ist ein Systemproblem. Luc Besson schreibt Figuren, die Handlung vorantreiben. Tiefe ist dabei kein primäres Ziel. Regisseur Olivier Megaton inszeniert das mit Effizienz, aber ohne besondere Sensibilität für Charakterarbeit. Was entsteht, ist ein Cast, der funktioniert – aber kaum atmet.
Ob das Casting ein dramaturgisches oder ein strategisches Signal war, lässt sich nicht abschließend beantworten. Zoe Saldana war 2011 nach Avatar und Star Trek ein aufsteigender Name. Sie als Action-Heldin zu besetzen, war keine künstlerische Überraschung – es war eine logische Marktentscheidung.
Lesen Sie auch den Artikel über die Besetzung von Léon (1990) – einem Film, der denselben Schöpfer hat und zeigt, was möglich ist, wenn Besson seinen Figuren echte Widersprüche gönnt.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Zoe Saldana | Cataleya (erwachsen) | 6/10 | Körperlich überzeugend, emotional oft an der Oberfläche |
| Amandla Stenberg | Cataleya (Kind) | 7/10 | Stärkste emotionale Präsenz des Films |
| Jordi Mollà | Marco | 5/10 | Blasser Antagonist ohne echte Bedrohlichkeit |
| Lennie James | Agent Ross | 6/10 | Solide, aber auf eine Funktion reduziert |
| Michael Vartan | Danny Delaney | 5/10 | Romantische Nebenrolle ohne dramaturgisches Gewicht |
| Cliff Curtis | Emilio Restrepo | 6/10 | Glaubwürdig, aber zu wenig Screentime für echte Wirkung |
| Callum Blue | Katalyst-Scherge | 4/10 | Kaum Profil, kaum Wirkung |
Die Hauptdarsteller im Fokus
Zoe Saldana als Cataleya
Zoe Saldana trägt Colombiana fast im Alleingang – und das ist sowohl ihre Stärke als auch das Problem des Films. Als Auftragskillerin Cataleya ist sie körperlich präsent, athletisch, kontrolliert. Die Actionsequenzen funktionieren, weil Saldana sie mit einer physischen Überzeugungskraft füllt, die man ihr abnimmt.
Das Emotionale ist komplizierter. Cataleya ist eine Frau, die als Kind Trauma erlebt hat und seitdem auf Rache fixiert ist. Das ist eine klassische Rächer-Biografie – und Saldana spielt sie mit einer Kühle, die manchmal wie Zurückhaltung wirkt, manchmal wie Leere. Die Figur hat keine echte innere Entwicklung. Sie ist am Ende des Films dieselbe wie am Anfang, nur mit weniger Feinden.
Das ist kein Versagen Saldanas. Das ist ein Drehbuchproblem. Besson schreibt Cataleya als Symbol – die starke Frau, die zurückschlägt – und vergisst dabei, ihr Widersprüche, Schwächen oder echte Entscheidungen zu geben, die etwas kosten.
Bewertung: 6/10
Amandla Stenberg als junge Cataleya
Stenberg spielt die Szenen in Kolumbien, bevor das Mädchen zur Killerin wird. Und sie ist – ohne Übertreibung – der interessanteste Moment des Films. Ihre junge Cataleya wirkt wie ein echter Mensch: verängstigt, entschlossen, klug. Man glaubt ihr die Situation. Man glaubt ihr die Angst.
Das macht es umso bedauerlicher, dass dieser Charakter nach dem ersten Akt verschwindet und von einer Erwachsenen abgelöst wird, die weniger fühlt als ihr Vorläufer. Stenberg liefert in wenigen Minuten mehr Charakter als der Rest des Films in zwei Stunden.
Bewertung: 7/10
Jordi Mollà als Marco
Der Antagonist eines Rachefilms muss Bedrohung ausstrahlen. Jordi Mollà tut das in Colombiana nur bedingt. Marco ist der Mann, der Cataleyas Eltern hat töten lassen. Er ist böse, mächtig, skrupellos – auf dem Papier. Auf der Leinwand wirkt er vor allem wie ein gut gekleideter Bürokratenschurke: er gibt Befehle, er ist selten selbst gefährlich, und er hat kaum Szenen, in denen er als Charakter existiert statt als Plotfunktion.
Das ist eine Besetzungsfrage, aber auch eine Drehbuchfrage. Ein Antagonist braucht mehr als eine böse Vergangenheit und gelegentliche Einschüchterungsmomente.
Bewertung: 5/10
Michael Vartan als Danny Delaney
Die romantische Nebenrolle in einem Actionfilm ist immer eine undankbare Aufgabe. Michael Vartan spielt Dannys Part mit solider Professionalität, aber die Figur ist so dünn geschrieben, dass selbst eine bessere Leistung nichts daran ändern würde. Danny ist da, damit Cataleya etwas zu verlieren hat. Er weiß nicht, was sie tut. Er fragt nicht. Er existiert als emotionaler Anker – aber ohne eigene Substanz.
Bewertung: 5/10
Cliff Curtis als Emilio Restrepo
Curtis spielt Cataleyas Onkel, der sie in Chicago aufzieht und in die Welt der organisierten Kriminalität einführt. Er ist einer der wenigen Charaktere im Film, dem man das Gefühl abnimmt, ein echtes Leben außerhalb der Handlung zu haben. Curtis spielt ihn geerdet, mit einer ruhigen Autorität. Schade, dass er zu wenig Screentime bekommt, um diese Anlage wirklich zu entfalten.
Bewertung: 6/10
Einen ähnlich konstruierten Ansatz beim Casting lässt sich auch in der Besetzung von Collateral beobachten – einem Actionfilm, der ebenfalls stark auf die Dynamik zwischen wenigen Hauptfiguren setzt.
Nebenrollen – echte Figuren oder bloße Funktionen?
Lennie James als FBI-Agent Ross ist das Paradebeispiel für eine Nebenrolle, die clever besetzt, aber schlecht geschrieben ist. James ist ein Schauspieler mit echter Präsenz – wer ihn aus The Walking Dead oder Line of Duty kennt, weiß das. In Colombiana darf er einen hartnäckigen Ermittler spielen, der Cataleyas Identität verfolgt. Die Szenen sind funktional. James macht das Beste daraus. Aber Ross hat keine eigene Geschichte, kein eigenes Motiv außerhalb des Jobs.
Das ist das Grundproblem vieler Nebenrollen in diesem Film: Sie sind Werkzeuge der Handlung. Sie treten auf, wenn die Geschichte sie braucht. Sie verschwinden, wenn sie erfüllt haben, wofür sie da waren. Das ist kein Charakterkino – das ist Handlungsarchitektur.
Filmografie – Entwicklung oder Stillstand?
Zoe Saldana
- Avatar (2009) – machte sie zum Weltstar
- Star Trek (2009) – etablierte sie als Uhura
- Colombiana (2011) – Versuch eines eigenständigen Vehikels außerhalb eines Franchise
- Guardians of the Galaxy – starke Präsenz im Ensemble
- Avatar: The Way of Water – ähnliches Muster: überzeugend im Ensemble, weniger stark in Solomomenten
Amandla Stenberg
- Colombiana (2011) – früher Auftritt mit bemerkenswerter Wirkung
- Die Tribute von Panem – Bestätigung des Talents
- The Hate U Give – Weiterentwicklung zu einem der interessanteren jungen Talente Hollywoods
Jordi Mollà
- Bad Boys II – Schurken- und Nebenrolle
- Knight and Day – ähnliches Muster: solide Arbeit in undankbaren Positionen
- Colombiana (2011) – internationaler Auftritt als Antagonist
Funktioniert das Ensemble als glaubwürdige Einheit?
Ehrlich gesagt: kaum. Das liegt nicht daran, dass die einzelnen Schauspieler schlecht wären. Es liegt daran, dass Colombiana kein Ensemblefilm ist. Es ist ein Solofilm mit Begleitfiguren.
Cataleya interagiert mit den anderen Charakteren, aber selten auf eine Weise, die echte Verbindung schafft. Die Beziehung zu Danny ist zu wenig begründet. Die Beziehung zu Emilio zu kurz. Die Konfrontation mit Marco zu spät und zu wenig geladen.
Was fehlt, ist Chemie. Das Gefühl, dass diese Menschen sich kennen, sich brauchen, sich verstehen oder missverstehen. Die Dialoge klingen oft wie Informationsaustausch. Jemand erklärt, was er will. Jemand antwortet. Die Szene endet. Gelebte Sprache ist das nicht.
Wie ein ähnlich angelegter Ensembleansatz in einem anderen Actionfilm funktioniert – oder scheitert – zeigt ein Blick auf die Besetzung von Baby Driver.
Wenn die Aussage die Geschichte verdrängt – ein wiederkehrendes Problem?
Colombiana hat keine explizite ideologische Agenda. Es ist kein Film, der mit einem Programm antritt. Aber er hat ein latentes Grundmuster: die Frau als Rächerin, kompetenter und fokussierter als alle Männer um sie herum, ohne echte Schwäche, ohne echten Zweifel.
Das ist nicht falsch. Aber es ist auch nicht ausreichend für eine Geschichte, die funktionieren soll. Wenn eine Figur keine echten Kosten bezahlt, wenn ihre Entscheidungen keine echten Konsequenzen haben, die sie treffen – dann ist sie kein Charakter. Dann ist sie ein Statement.
Luc Besson hat dieses Muster in Nikita (1990) eingeführt, es in Léon (1994) gebrochen und in Lucy (2014) auf die Spitze getrieben. Colombiana liegt irgendwo dazwischen: zu ambitioniert für reines Popcornkino, zu konstruiert für echtes Charakterdrama.
Das ist das eigentliche Problem der Besetzung von Colombiana: nicht dass die Schauspieler versagen. Sondern dass das Drehbuch ihnen keine echten Figuren gibt, die sie spielen könnten.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt die Hauptrolle in Colombiana?
Zoe Saldana spielt die erwachsene Cataleya, eine Auftragskillerin, die auf Rache aus ist. Als Kind wird die Figur von Amandla Stenberg gespielt.
Wer spielt den Bösewicht in Colombiana?
Jordi Mollà spielt Marco, den Antagonisten des Films, der für den Tod von Cataleyas Eltern verantwortlich ist.
Welche Schauspieler liefern die stärksten Leistungen im Film?
Amandla Stenberg als junge Cataleya ist die überzeugendste Darstellung im Film. Cliff Curtis als Emilio Restrepo hinterlässt ebenfalls einen soliden Eindruck, trotz begrenzter Screentime.
Ist Colombiana sehenswert?
Als Genrefilm ist Colombiana solide Unterhaltung – gut inszenierte Actionsequenzen, ein klares Tempo. Wer tiefe Charakterentwicklung erwartet, wird enttäuscht. Wer einen handwerklich kompetenten Rachefilm sucht, findet ihn.
Wo kann ich Colombiana streamen?
Colombiana ist unter anderem bei Amazon Prime Video und Apple TV verfügbar.
Wer hat Regie bei Colombiana geführt?
Olivier Megaton führte die Regie. Das Drehbuch stammt von Luc Besson und Robert Mark Kamen. Besson fungierte auch als Produzent über sein Studio EuropaCorp.




