Es gibt Serien, die man nicht erklärt – man kennt sie einfach. Das A-Team gehört dazu. Vier ehemalige Elitesoldaten, zu Unrecht verurteilt, jetzt auf der Flucht und doch immer bereit, denjenigen zu helfen, die keine andere Wahl mehr haben. Das Konzept ist simpel, fast naiv. Und genau darin lag in den 80er Jahren sein Charme. Die US-Fernsehserie lief von 1983 bis 1987 auf NBC, wurde zum Kultstatus erhoben und prägte eine ganze Generation mit ihrer Mischung aus Action, Humor und einem fast schon ritualhaften Erzählrhythmus.
Was heute interessiert, ist nicht nur die Nostalgie. Es ist die Frage, ob die Besetzung von Das A-Team – in der Originalserie wie im späteren Film von 2010 – tatsächlich dramaturgisch funktioniert. Ob die Schauspieler Charaktere spielen oder lediglich Archetypen bedienen. Und ob das Casting ein organisches Resultat war oder ein strategisches Kalkül, das mehr mit Image als mit Figurenentwicklung zu tun hatte.
Die Besetzung von Das A-Team – zwischen Anspruch und Konstruktion
Wenn man die Besetzung von Das A-Team nüchtern betrachtet, fällt etwas auf: Die Serie hat keine besonders komplexen Charaktere. Das ist keine Kritik – es war eine bewusste Entscheidung der Schöpfer Stephen J. Cannell und Frank Lupo. Jede Figur steht für etwas: Hannibal ist der Stratege, Face der Charmeur, Murdock der Verrückte, B.A. Baracus der Kraftprotz. Vier Funktionen, verpackt in vier Körper.
Das Problem dabei: Wenn der Cast gut genug ist, vergisst man das. Wenn nicht, bleibt das Gerüst sichtbar.
In der Originalserie funktioniert die Besetzung überraschend gut – nicht weil die Schauspieler tiefgründige Charakterarbeit leisten, sondern weil sie ihre Rollen mit echter Energie bewohnen. George Peppard, Dirk Benedict, Dwight Schultz und Mr. T spielen keine Menschen mit psychologischer Tiefe. Sie spielen Typen mit Charisma. Das ist ein Unterschied, der entscheidend ist.
Der Film von 2010 versucht dasselbe – mit Liam Neeson, Bradley Cooper, Sharlto Copley und Quinton Jackson. Und hier beginnt das Konstruierte zu dominieren. Man spürt die Besetzungsstrategie: Neeson als seriöser Anker, Cooper als Publikumsliebling, Copley als exzentrischer Wildcard, Jackson als physische Präsenz. Es ist kalkuliert. Manchmal zu kalkuliert.
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Tabelle der Besetzung mit Bewertung
Die Originalserie (1983–1987)
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| George Peppard | Col. John „Hannibal” Smith | 7/10 | Souverän, glaubwürdig – trägt die Serie mit ruhiger Autorität |
| Dirk Benedict | Templeton „Face” Peck | 6/10 | Charmant, funktional – bleibt aber oft an der Oberfläche |
| Dwight Schultz | H.M. „Howling Mad” Murdock | 7/10 | Die überraschend stärkste Leistung – komisch und dennoch menschlich |
| Mr. T | B.A. Baracus | 6/10 | Ikonisch, aber mehr Persona als Schauspieler – das ist sein Wert und sein Limit |
| Melinda Culea | Amy Allen (Staffel 1–2) | 5/10 | Unfertige Figur, dramaturgisch wenig genutzt |
| Marla Heasley | Tawnia Baker (Staffel 2) | 4/10 | Kaum mehr als Platzhalter |
| Eddie Velez | Frankie Santana (Staffel 5) | 4/10 | Eingeführt als Ersatz – wirkt genau so |
Der Film (2010)
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Liam Neeson | Col. John „Hannibal” Smith | 6/10 | Kompetent, aber uninspiriert – Neeson auf Autopilot |
| Bradley Cooper | Templeton „Face” Peck | 6/10 | Charismatisch, leicht zu glatt – Face als Lifestyle-Produkt |
| Sharlto Copley | H.M. „Howling Mad” Murdock | 7/10 | Die belebteste Leistung im Film – energisch und unerwartet textur-reich |
| Quinton Jackson | B.A. Baracus | 5/10 | Physisch überzeugend, schauspielerisch limitiert |
| Jessica Biel | Capt. Charissa Sosa | 5/10 | Solide, aber die Figur ist dramaturgisch zu dünn |
| Patrick Wilson | Lynch | 5/10 | Funktionaler Antagonist – mehr Schachfigur als Charakter |
Die Hauptdarsteller im Fokus
George Peppard als Hannibal Smith
Peppard war zu Beginn der Serie kein Nachwuchstalent mehr. Er hatte eine Filmkarriere hinter sich, die er offensichtlich nicht als Maßstab für die Serienarbeit betrachtete – zumindest legt sein gelegentlich distanziertes Verhältnis zu Produktionsentscheidungen das nahe. Was er als Hannibal mitbringt, ist echte Gravitas. Die Zigarre, das Lächeln, der Plan, der aufgeht – Peppard spielt das nicht ironisch, er spielt es mit Überzeugung. Das rettet viele Szenen, die sonst ins Lächerliche abgleiten würden.
Hannibal ist kein komplexer Mensch. Er hat keine Schwächen, die ihn verwundbar machen. Peppard macht das erträglich, weil er die Figur nicht aufbläst, sondern einfach bewohnt.
Bewertung: 7/10
Mr. T als B.A. Baracus
Hier wird es interessant – und ehrlich. Mr. T ist kein klassischer Schauspieler. Er ist eine Erscheinung. B.A. Baracus ist im Wesentlichen Mr. T in Uniform, und das war nie ein Geheimnis. Die Frage ist nicht, ob das schauspielerisch tiefgründig ist – die Frage ist, ob es funktioniert. Und innerhalb der Logik dieser Serie: ja. Der Charakter hat Humor, hat Menschlichkeit in kleinen Momenten, und Mr. T trägt die physische Präsenz glaubwürdig.
Er ist eine Rolle, die genau einmal besetzt werden kann, weil die Figur und die Person kaum zu trennen sind. Das ist ein Zeichen für Stärke – und gleichzeitig für das Fehlen einer echten Charakterentwicklung über fünf Staffeln.
Bewertung: 6/10
Dwight Schultz als Murdock
Der unterschätzte Darsteller dieser Besetzung. Schultz liefert eine Leistung, die weit mehr ist als komische Erleichterung. Murdock könnte leicht zum reinen Gag-Lieferanten degradiert werden – Schultz verhindert das. Er gibt der Figur eine unberechenbare Energie, die glaubwürdig wirkt, weil man nie ganz sicher ist, wo Spiel aufhört und Instabilität anfängt.
Das ist dramaturgisch das Interessanteste, was die Serie zu bieten hat. Ein Charakter, der in einer anderen Serie mit mehr Tiefe ausgestattet worden wäre – hier bleibt er zumindest nicht flach.
Bewertung: 7/10
Dirk Benedict als Face
Benedict spielt Face so, wie Face gespielt werden soll: charmant, leicht schwindelhaft, immer mit einem Lächeln, das mehr verspricht als es hält. Das funktioniert. Die Frage ist nur, ob es sich entwickelt. Über fünf Staffeln und zahlreiche Episoden bleibt Face im Wesentlichen derselbe. Es gibt keine Risse, keine Entwicklung, keine Szene, die einen überrascht.
Das ist ein Charakterproblem, kein Besetzungsproblem. Benedict macht das Mögliche – er kann nur nicht mehr sein als die Figur erlaubt.
Bewertung: 6/10
Einen ähnlich kalkulierten Ensemble-Ansatz lässt sich auch in der Besetzung von Fast & Furious: Hobbs & Shaw beobachten.
Liam Neeson als Hannibal (Film 2010)
Neeson wirkt in dieser Rolle wie jemand, der einen Gefallen tut. Er ist kompetent, er ist präsent, er liefert – aber man spürt nicht, dass Hannibal Smith eine Figur ist, die ihn interessiert. Es fehlt die Überzeugung, die Peppard eingebracht hat. Neeson spielt den Plan-geht-auf-Moment mit Professionalität, aber ohne Freude. Das ist ein kleiner, aber spürbarer Unterschied.
Bewertung: 6/10
Sharlto Copley als Murdock (Film 2010)
Die angenehmste Überraschung im Film. Copley bringt eine Intensität mit, die im Blockbuster-Kontext fast irritierend wirkt – im guten Sinne. Er spielt Murdock nicht als Comic-Relief, sondern als jemanden, bei dem man nie ganz weiß, ob er wirklich verrückt ist oder ob er es als taktisches Mittel einsetzt. Das ist die interessanteste Lesart der Figur in beiden Versionen.
Bewertung: 7/10
Bradley Cooper als Face (Film 2010)
Cooper ist zu dieser Zeit bereits ein aufgehender Stern, und das merkt man. Er spielt Face mit einer Leichtigkeit, die charmant ist – aber auch mit einer Glätte, die etwas klinisch wirkt. Face ist in Coopers Version weniger Schwindler als Marketingprodukt. Er funktioniert im Film, aber er erzeugt keine Reibung, keine Überraschung.
Bewertung: 6/10
Nebenrollen – echte Figuren oder bloße Funktionen?
Die weiblichen Hauptfiguren der Originalserie – Amy Allen (gespielt von Melinda Culea) und später Tawnia Baker (Marla Heasley) – sind das schwächste Glied der Besetzung. Nicht wegen der Schauspielerinnen, sondern wegen der Figuren selbst. Sie sind als externe Perspektive auf das Team gedacht, als Verbindung zur „normalen” Welt. In der Praxis sind sie jedoch dramaturgisch kaum integriert. Sie reagieren auf das Team, statt mit ihm zu agieren. Das ist ein Schreibproblem, das auch die beste Besetzung nicht lösen kann.
Culea wurde nach der zweiten Staffel aus der Serie herausgeschrieben – ein Vorgang, über den sie später offen gesprochen hat und der das strukturelle Desinteresse an ihrer Figur unterstreicht.
Im Film übernimmt Jessica Biel als Capt. Charissa Sosa eine ähnliche Funktion: Sie ist Antagonistin und Love-Interest gleichzeitig, aber weder das eine noch das andere mit ausreichend Tiefe. Sie ist solide besetzt – die Figur ist schlicht untergeschrieben.
Colonel Lynch, der wiederkehrende Antagonist der Serie (gespielt von verschiedenen Darstellern), ist das Paradebeispiel einer Nebenfigur, die als reine Funktion existiert: das Hindernis, das nie wirklich gefährlich wird. Das schwächt die Spannung über mehrere Staffeln messbar.
Filmografie – Entwicklung oder Stillstand?
George Peppard
- Frühstück bei Tiffany (1961) – Filmkarriere vor dem A-Team
- Das A-Team (1983–1987) – letztes großes Projekt; starb 1994
Mr. T
- Rocky III (1982) – Bekanntheit vor dem A-Team
- Das A-Team (1983–1987) – kulturelle Figur, kein klassischer Schauspieler
Dwight Schultz
- Das A-Team (1983–1987)
- Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert – Ensembleproduktion mit mehr Charakterarbeit
Dirk Benedict
- Das A-Team (1983–1987) – definierte seine Karriere stärker als ihm lieb sein dürfte
Bradley Cooper
- Das A-Team (2010) – Durchgangsstadium
- Silver Linings Playbook
- American Hustle
- A Star Is Born
Liam Neeson
- Taken (2008) – Beginn eines Kreislaufs aus Actionrollen
- Das A-Team (2010) – passt in dieses Muster, ohne es zu bereichern
Wie ein ähnlich zusammengestelltes Duo-Ensemble funktioniert – und wo es scheitert – zeigt auch der Artikel über die Besetzung von Zwei sind nicht zu bremsen.
Funktioniert das Ensemble als glaubwürdige Einheit?
In der Originalserie: überraschend gut. Das liegt weniger an der schauspielerischen Präzision als an der Routine. Nach einigen Staffeln kennen Peppard, Mr. T, Schultz und Benedict ihre Figuren und ihre Dynamik auswendig. Das erzeugt eine Art organische Glaubwürdigkeit – nicht durch Tiefe, sondern durch Vertrautheit. Man glaubt ihnen als Team, weil man spürt, dass sie sich als Team eingespielt haben.
Im Film von 2010 fehlt genau das. Neeson, Cooper, Copley und Jackson haben keine gemeinsame Geschichte, keine gemeinsame Energie. Der Film versucht das durch Rückblenden und schnelle Montagen zu kompensieren – was aber den Mangel eher unterstreicht als überbrückt. Das Ensemble wirkt zusammengestellt, nicht gewachsen.
Das ist das grundlegende Problem vieler Neuverfilmungen: Man kann eine Besetzung bekanntmachen, aber nicht ersetzen, was Zeit und gemeinsame Erfahrung erzeugen.
Wenn die Aussage die Geschichte verdrängt – ein wiederkehrendes Problem?
Das A-Team der 80er Jahre hat dieses Problem nicht. Es will nichts sagen. Es ist offen und ehrlich eine Unterhaltungsserie – Aktion, Humor, ein wöchentlicher Sieg des Guten. Das ist sein Vertrag mit dem Publikum, und es hält ihn.
Der Film von 2010 ist komplizierter. Er versucht, moderner zu wirken – zynischer, spektakulärer, selbstbewusster. Aber er hat nichts Substanzielles hinzuzufügen. Die Ironie bleibt an der Oberfläche. Die Action ist größer, aber weniger spielerisch. Der Charme der Originalserie entstand aus dem Handgemachten, aus der fast naiven Überzeugung, dass der Plan aufgeht. Das CG-gesättigte Spektakel des Films zerstört genau diesen Charme.
Was bleibt, ist ein Film, der zeigen will, dass er die Originalserie kennt und übertreffen kann – und dabei übersieht, dass der Wert der Kultserie nie in Größe lag, sondern in Tonalität. Das ist ein Fehler, den viele Neuverfilmungen machen: Sie verstehen den Inhalt, aber nicht den Grund, warum der Inhalt funktioniert hat.
Ein breiteres Muster moderner Produktionen ist erkennbar: die Tendenz, Casting als Statement zu nutzen. Eine diverse Besetzung, ein erkennbarer Name, ein Casting-Coup – all das kann eine Geschichte stärken. Es kann sie aber auch ersetzen, wenn das Produktionsteam mehr in die Pressemitteilung investiert als in das Drehbuch. Das A-Team von 2010 ist kein extremes Beispiel dafür – aber ein leises.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt in der Originalserie Das A-Team die Hauptrollen?
Die vier Hauptdarsteller der Originalserie (1983–1987) sind George Peppard als Col. Hannibal Smith, Dirk Benedict als Templeton „Face” Peck, Dwight Schultz als H.M. „Howling Mad” Murdock und Mr. T als B.A. Baracus.
Wer gehört zum Cast des A-Team-Films von 2010?
Im Film spielen Liam Neeson den Hannibal, Bradley Cooper den Face, Sharlto Copley den Murdock und Quinton Jackson den B.A. Baracus. Jessica Biel und Patrick Wilson übernehmen wichtige Nebenrollen.
Wer liefert die stärkste Leistung in der Besetzung?
Sowohl in der Serie als auch im Film sticht jeweils der Murdock-Darsteller heraus: Dwight Schultz in der Originalserie und Sharlto Copley im Film. Beide geben der Figur eine Energie, die über das rein Komische hinausgeht.
Lohnt es sich, die Originalserie heute noch zu schauen?
Als Zeitdokument und Unterhaltungsprodukt der 80er Jahre: ja. Als dramaturgisch ambitioniertes Serienwerk: nein. Das A-Team liefert, was es verspricht – nicht mehr und nicht weniger.
Warum funktioniert der Film schlechter als die Serie?
Weil der Film die Tonalität der Serie nicht reproduziert. Er ist größer, lauter, teurer – aber er hat nicht den spielerischen Charme des Originals. Das Ensemble wirkt zusammengestellt statt gewachsen, und das Drehbuch vertraut zu wenig auf die Figuren.
Hat das Casting des Films dramaturgisch funktioniert?
Teilweise. Sharlto Copley ist eine echte Entdeckung für die Rolle. Liam Neeson dagegen wirkt wie eine sichere Wahl, nicht wie die richtige. Bradley Cooper ist kompetent, aber glatt. Das Casting war erkennbar strategisch – und das ist manchmal zu spüren.




