Es gibt Filme, die im ersten Moment funktionieren – wegen Atmosphäre, Tempo, Optik. Underworld aus dem Jahr 2003 ist so ein Film. Regie führte Len Wiseman, das Drehbuch stammt von Kevin Grevioux und Len Wiseman, und die Grundprämisse ist auf dem Papier simpel: ein uralter Krieg zwischen Vampiren und Werwölfen – hier Lykaner genannt – wird durch eine Frau neu entfacht, die zwischen den Welten steht. Das klingt nach solidem Genre-Kino. Horror, Action, Fantasy, ein Hauch Thriller. Und tatsächlich liefert die Filmproduktion in einigen Momenten genau das.
Aber dann ist da die Frage, die mich bei dieser Art von Film immer beschäftigt: Sind die Figuren, die diesen Krieg bevölkern, Menschen – oder Ideen in Menschengestalt? Sind die Casting-Entscheidungen dramaturgisch begründet, oder folgen sie einer anderen Logik? Die Besetzung von Underworld verdient eine ehrliche Betrachtung. Nicht weil der Film nichts taugt. Sondern weil er mehr hätte sein können, wenn man bestimmten Entscheidungen stärker vertraut hätte – den Figuren, nicht dem Konzept.
Die Besetzung von Underworld – zwischen Anspruch und Konstruktion
Wenn man sich die Filmbesetzung von Underworld genauer ansieht, fällt zunächst auf, wie kompetent sie auf dem Papier wirkt. Kate Beckinsale als kampferprobte Vampir-Kriegerin Selene, Michael Sheen als Lykan-Anführer Lucian, Bill Nighy als der alte Vampirfürst Viktor – das sind Namen, denen man Tiefe zutrauen würde. Und in Teilen liefern sie diese auch.
Das Problem ist struktureller Natur. Underworld ist in erster Linie ein Weltenbau-Projekt. Die Handlung, das Drehbuch, die Dialoge – alles dient dem Zweck, dieses Universum zu etablieren. Das ist verständlich für einen Franchise-Auftakt, aber es hat einen Preis: Die Darsteller werden zu Funktionsträgern. Selene ist weniger Figur als Prinzip. Viktor ist weniger Antagonist als Exposition in Kostüm. Lucian besitzt die überzeugendste innere Logik der Hauptcharaktere, wirkt aber phasenweise wie ein dramaturgisches Gegengewicht, das man braucht, um die Welt zu erklären – nicht weil jemand wirklich seine Geschichte erzählen wollte.
Das Casting ist handwerklich solide. Es ist auch, an mehreren Stellen, erkennbar strategisch. Beckinsale bringt Körperhaltung und Kühle mit, die zur Rolle passen. Aber ob das Casting ein dramaturgischer Gedanke war oder primär ein visueller Kalkül – das bleibt offen.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Kate Beckinsale | Selene | 7/10 | Überzeugend in Körpersprache und Präsenz; emotional eindimensional angelegt |
| Scott Speedman | Michael Corvin | 5/10 | Funktioniert als Bindeglied, bleibt aber blass und reaktiv |
| Michael Sheen | Lucian | 8/10 | Stärkste darstellerische Leistung; gibt einer Funktion echte Substanz |
| Bill Nighy | Viktor | 7/10 | Autorität und Bedrohlichkeit; manche Szenen wirken zu theatralisch |
| Shane Brolly | Kraven | 5/10 | Solider Intrigant, aber nie wirklich gefährlich |
| Erwin Leder | Singe | 6/10 | Unheimlich und effektiv in kleinen Momenten |
| Sophia Myles | Erika | 5/10 | Unterentwickelt; zu schnell zur Seitenrolle degradiert |
| Wentworth Miller | Dr. Adam Lockwood | 5/10 | Zu wenig Screentime für eine Einschätzung |
| Kevin Grevioux | Raze | 6/10 | Physisch imposant; kaum Charakterzeichnung |
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Die Hauptdarsteller im Fokus
Kate Beckinsale als Selene
Selene ist das Zentrum dieser Filmreihe – und das spürt man von der ersten Einstellung an. Beckinsale bewegt sich durch den Film mit einer Präzision, die glaubwürdig wirkt: die Körperhaltung stimmt, die Gleichgültigkeit ist echt, und die Kamera liebt sie in diesem Kostüm. Das ist keine Kritik, das ist Feststellung.
Das eigentliche Problem liegt im Drehbuch. Selene ist über weite Strecken eine Frau, die Dinge tut und Dinge sieht – aber selten jemand, der wirklich fühlt. Ihre Loyalität zu Viktor wird als Grundannahme eingeführt, nicht erarbeitet. Ihr Konflikt ist intellektuell nachvollziehbar, aber emotional kaum spürbar. Beckinsale gibt, was die Vorlage erlaubt. Was die Vorlage erlaubt, ist nicht immer viel.
Wenn Selene an Tiefe gewinnt, liegt das oft an einem Blick, einer Pause – an dem, was Beckinsale nicht sagt. Das ist Können. Aber es ist auch Symptom eines Charakters, der mehr Symbol als Mensch ist.
Bewertung: 7/10
Scott Speedman als Michael Corvin
Michael Corvin ist die schwächste Hauptfigur der Besetzung von Underworld – und das ist kein Kommentar über Speedman als Schauspieler, sondern über die Entscheidung, wie diese Rolle angelegt wurde. Michael ist der klassische Außenseiter, der in eine Welt hineingezogen wird, die er nicht versteht. Das gibt dem Publikum einen Anker. Gleichzeitig bedeutet es, dass Michael fast ausschließlich reagiert. Er stellt Fragen. Er wird verfolgt. Er wird transformiert.
Speedman wirkt dabei nicht untalentiert, aber auch nicht wirklich präsent. Es gibt keine Szene, in der Michael Corvin eine echte Entscheidung trifft, die aus seinem Charakter heraus motiviert ist. Er ist eine narrative Notwendigkeit – der Mensch, der Vampir und Lykan in sich vereint und damit das Gleichgewicht der Welt verändert. Als Idee funktioniert das. Als Figur bleibt er dünn.
Bewertung: 5/10
Michael Sheen als Lucian
Wenn die Besetzung von Underworld einen Moment hat, der wirklich funktioniert – dann ist es Michael Sheen als Lucian. Sheen spielt den Lykan-Anführer mit einer Wärme und einer Erschöpfung, die ihn unmittelbar menschlicher macht als jeden anderen Hauptcharakter des Films. Lucian hat eine Geschichte, eine Wunde, eine Motivation – und Sheen versteht, wie man das trägt, ohne zu übertreiben.
Was bemerkenswert ist: Lucian ist eigentlich der klassische Antagonist. Aber Sheen macht ihn zum interessantesten Charakter des Films. Er spielt keine Funktion, er spielt einen Mann, dem etwas widerfahren ist. Das ist der Unterschied. In einem Film, in dem viele Figuren Positionen repräsentieren, repräsentiert Lucian eine Erfahrung.
Bewertung: 8/10
Bill Nighy als Viktor
Viktor ist der Patriarch, der Vampirfürst, die Verkörperung einer alten Ordnung. Bill Nighy bringt genau das mit, was die Rolle braucht: Autorität, Kälte, eine leicht theatralische Grandiosität. In seinen besten Momenten ist Viktor beunruhigend, weil er nicht böse wirkt – sondern überzeugt.
Das Problem ist, dass Nighy gelegentlich über das Ziel hinausschießt. Einige Szenen kippen ins Performative, in eine Art aristokratischen Manierismus, der mehr Kostümfilm ist als Horror. Das liegt teils am Drehbuch, das Viktor lange als undurchdringliche Figur behandelt. Wenn seine Hintergründe offenbar werden, ist die Wirkung stark – weil Nighy dann eine echte Schicht aufdeckt. Bis dahin bleibt er oft Dekoration in Machtform.
Bewertung: 7/10
Einen ähnlich düsteren Antagonisten mit starker Besetzung findet man auch in der Besetzung von The Batman – ein Vergleich, der sich lohnt.
Nebenrollen – echte Figuren oder bloße Funktionen?
Die Nebenrollen in Underworld leiden unter einem strukturellen Problem, das für viele Franchise-Auftakte gilt: Es gibt zu viele Charaktere, die eingeführt werden müssen, und zu wenig Zeit, sie zu entwickeln. Das Ergebnis ist eine Rollenliste voller Gesichter, die man wiedererkennt, ohne zu wissen, warum man sich um sie sorgen sollte.
Shane Brolly als Kraven ist das beste Beispiel. Kraven ist der opportunistische Intrigant innerhalb des Vampir-Clans – eine klassische Nebenrolle, die den Konflikt von innen antreibt. Brolly spielt das mit erkennbarer Energie, aber Kraven ist nie wirklich gefährlich. Er wirkt wie ein Bösewicht zweiter Klasse, dessen Bedrohlichkeit das Drehbuch mehr behauptet als zeigt.
Sophia Myles als Erika hat in frühen Szenen Potenzial. Sie navigiert die Hierarchien des Vampir-Clans mit einer leichten Bitterkeit, die interessant ist. Dann verschwindet sie im Wesentlichen aus der Handlung. Das ist schade – nicht weil Erika zwingend eine größere Rolle braucht, sondern weil sie eine der wenigen Nebenfiguren ist, die kurz so wirkt, als hätte sie ein echtes Leben abseits der Haupthandlung.
Kevin Grevioux als Raze ist physisch präsent und hat eine unverkennbare Erscheinung – aber kaum Charakterzeichnung. Er ist Macht ohne Subtext. Für einen Action-Horror-Film reicht das in Maßen. Als Nebenrolle in einem Ensemble, das Tiefe beansprucht, ist es zu wenig.
Erwin Leder als Singe ist die interessanteste Nebenrolle, gerade weil er in der kleinen Zeit, die ihm gegeben wird, eine unheimliche Spezifik einbringt. Er wirkt weniger wie Casting, mehr wie eine Entscheidung. Das fällt auf.
Filmografie – Entwicklung oder Stillstand?
Wenn man die Hauptdarsteller und ihre Karriereverläufe betrachtet, ist das Bild gemischt – und lehrreich.
Kate Beckinsale
- Viel Lärm um nichts
- Aviator
- Serendipity
- Underworld-Reihe (mehrere Teile)
Beckinsale hat ihre Karriere vor und nach Underworld bewiesen. Die Reihe hat sie zu einem Gesicht des Action-Fantasy-Genres gemacht, das sie in späteren Teilen konsequent weiter gespielt hat. Ob das Entwicklung ist oder Typecasting, ist schwer zu sagen. Die Filmografie zeigt eine Darstellerin, die kann – und eine Karriere, die sich gelegentlich in einer Schublade eingerichtet hat.
Michael Sheen
- Underworld
- The Queen
- Frost/Nixon
- Masters of Sex
- Good Omens
Sheen ist das Gegenteil: Underworld war für ihn ein Sprungbrett in eine bemerkenswert breite Filmografie. Sheen lässt sich nicht einordnen, und das spricht für ihn.
Scott Speedman
Speedman blieb nach Underworld eher im Mittelfeld des Kinos – solide, aber ohne den Durchbruch, den eine solche Hauptrolle hätte anstoßen können. Das ist kein Urteil über sein Talent, sondern eine Beobachtung darüber, was eine Hauptrolle leistet, wenn sie selbst zu wenig Profil hat.
Bill Nighy
- Underworld
- Love Actually (selbes Jahr)
Nighy war bereits vor Underworld eine feste Größe im britischen Kino und blieb es danach. Underworld war für ihn ein Ausflug ins Genre – kein Wendepunkt.
Einen vergleichbaren Blick auf Ensembles in Horror-Franchise-Auftakten lohnt auch die Besetzung von Final Destination 5.
Funktioniert das Ensemble als glaubwürdige Einheit?
Kurz gesagt: teilweise. Die Besetzung von Underworld funktioniert in den Momenten, wo Figuren wirklich aufeinandertreffen – und das ist seltener der Fall, als man sich wünscht.
Die Chemie zwischen Beckinsale und Speedman ist das zentrale Fragezeichen des Films. Ihre Beziehung ist narrativ wichtig – sie verbindet die Welt der Vampire mit der der Lykaner, sie ist emotional und politisch aufgeladen. Aber die Szenen, die diese Verbindung belegen sollen, wirken oft mechanisch. Man sieht zwei Schauspieler, die Dialoge sprechen. Die Anziehung ist behauptet, nicht gespürt.
Die überzeugendste Dynamik ist die zwischen Sheen und Nighy – auch wenn die beiden nur in wenigen Szenen wirklich aufeinandertreffen. Hier gibt es Geschichte, Feindseligkeit, Subtext. Das fühlt sich lebendig an. Alles andere wirkt dagegen etwas konstruierter.
Das Ensemble hat Stärken. Aber als Einheit – als Gruppe von Menschen, die eine gemeinsame Welt bewohnen – bleibt es phasenweise eine Ansammlung guter Darsteller in einem gut aussehenden Film.
Wenn die Aussage die Geschichte verdrängt – ein wiederkehrendes Problem?
Underworld ist kein Film mit offensichtlich politischer Agenda. Aber er hat ein verwandtes Problem: Er ist stärker an seinem Konzept interessiert als an seinen Figuren.
Das ist ein Muster, das man in dieser Art von Genre-Filmproduktion häufig sieht. Man baut eine Welt. Man erklärt die Welt. Man bevölkert die Welt mit Charakteren, die die Welt erklären, indem sie durch sie laufen. Am Ende hat man ein beeindruckendes Konstrukt – und Figuren, die ihm dienen, statt in ihm zu leben.
Das ist kein ideologisches Statement. Es ist eine erzählerische Entscheidung. Und sie hat Konsequenzen. Wenn Viktor über die Geschichte der Vampire spricht, lernt man etwas über die Welt von Underworld. Man lernt kaum etwas über Viktor. Wenn Selene kämpft, bewundert man die Choreografie. Man fragt sich selten, was sie dabei verliert.
In der Underworld-Reihe hat sich dieses Muster fortgesetzt und verstärkt. Jede Fortsetzung baut die Mythologie weiter aus – und die Figuren werden zunehmend zu Vehikeln dieser Mythologie. Das ist keine Kritik an Absicht oder Talent. Es ist eine Beobachtung darüber, was passiert, wenn Weltenbau wichtiger wird als Charakterentwicklung.
Die Frage, die bleibt: Hätte Underworld mit einem anderen erzählerischen Fokus – weniger Exposition, mehr emotionale Logik – besser funktioniert? Vermutlich ja. Hätte es dann noch diese Filmreihe gegeben? Schwer zu sagen.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt die Hauptrolle in Underworld?
Kate Beckinsale spielt Selene, die Vampir-Kriegerin, die im Mittelpunkt der Handlung steht. Sie ist in allen Hauptteilen der Underworld-Reihe zu sehen und prägt das visuelle und dramaturgische Erscheinungsbild der Filmreihe maßgeblich.
Welcher Schauspieler überzeugt in der Besetzung von Underworld am meisten?
Michael Sheen als Lucian ist die stärkste Einzelleistung des Films. Er gibt einer im Grunde funktionalen Rolle echte Substanz und menschliche Tiefe – was in diesem Ensemble nicht selbstverständlich ist.
Wer spielt Viktor in Underworld?
Viktor wird von Bill Nighy gespielt. Er verkörpert den alten Vampirfürsten mit Autorität und einem leicht theatralischen Stil, der zur Figur passt – gelegentlich aber über das hinausgeht, was die Szenen tragen.
Ist Underworld sehenswert?
Als Genre-Unterhaltung mit starker Optik, gutem Worldbuilding und einer kompetenten Hauptdarstellerin: ja. Als Charakterstudie oder emotional vielschichtiger Film: nur bedingt. Wer atmosphärischen Action-Horror mag, wird die Filmreihe schätzen. Wer Tiefe in Figuren sucht, wird stellenweise enttäuscht sein.
Wie sind die deutschen Synchronsprecher für Underworld?
Die Synchronisation ist ordentlich – die Synchronkartei verzeichnet die deutschen Stimmen der Hauptdarsteller. Eine besonders auffällige oder störende Synchronleistung ist nicht bekannt. Die Originalstimmen von Sheen und Nighy haben jedoch eine Qualität, die in der deutschen Fassung nicht vollständig erhalten bleibt.
Gibt es schwache Glieder in der Besetzung von Underworld?
Scott Speedman als Michael Corvin ist das schwächste Glied – nicht aufgrund seiner Leistung, sondern wegen der dünnen Charakteranlage. Michael Corvin ist die reaktivste Figur des Films und bietet dem Schauspieler kaum Raum. Auch Shane Brolly als Kraven bleibt weit unter dem Potenzial, das diese Art von Intriganten-Rolle bieten könnte.




