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Besetzung von Coda (Film)

Besetzung von Coda (Film)

Es gibt Filme, bei denen man schon in der ersten Viertelstunde das Gefühl hat: Hier wurde nicht einfach besetzt – hier wurde kuratiert. Coda, der amerikanische Familienfilm von Regisseurin Sian Heder aus dem Jahr 2021, ist so ein Fall. Die Geschichte folgt Ruby Rossi, einem hörenden Mädchen, das als einziges Mitglied ihrer gehörlosen Familie – CODA steht für „Child of Deaf Adults” – zwischen zwei Welten lebt: dem Alltag auf dem Fischerboot ihres Vaters und dem Traum, Sängerin zu werden.

Der Film gewann bei den Oscars den Preis für den besten Film und sorgte für erhebliche Aufmerksamkeit auf Apple TV+. Er wurde zum Streaming-Phänomen, zur Diskussionsgrundlage, zum Symbol für Inklusion. Und genau da beginnt die interessante Frage: Ist die Besetzung von Coda (Film) ein dramaturgisches Ergebnis – oder ein strategisches Signal? Funktionieren die Figuren als Menschen? Oder als Ideen?

Die Antwort ist, wie so oft bei Filmen dieser Art, komplizierter als die Preisverleihung vermuten lässt.

Die Besetzung von Coda (Film) – zwischen Anspruch und Konstruktion

Der Cast von Coda (Film) ist auf den ersten Blick bemerkenswert: Mit Marlee Matlin, Troy Kotsur und Daniel Durant wurden drei gehörlose Schauspieler für die drei gehörlosen Hauptfiguren besetzt. Das ist keine Selbstverständlichkeit – und es ist eine bewusste Entscheidung, die man in der Bewertung nicht ignorieren kann.

Kotsur gewann für seine Rolle den Oscar als bester Nebendarsteller, was den Film in die Filmgeschichte schrieb. Matlin, selbst Oscar-Gewinnerin aus dem Jahr 1987, bringt jahrzehntelange Erfahrung mit. Durant, weniger bekannt, ergänzt das Ensemble mit einer stillen Präsenz.

Und dann ist da Emilia Jones als Ruby. Sie spielt die hörende Tochter in einer gehörlosen Familie – und hat sich für die Rolle über ein Jahr lang mit Gebärdensprache und Gesang vorbereitet. Das ist handwerklich respektabel. Die Frage ist nur: Ergibt das eine glaubwürdige Figur – oder eine gut trainierte Figur?

Der Unterschied ist subtil, aber er ist da. Jones spielt Ruby mit viel Energie und sichtbarer Hingabe. Aber Ruby selbst ist als Charakter so erzählt, dass sie kaum Widersprüche hat. Sie ist sympathisch, talentiert, aufgeopfert, zerrissen – aber all diese Eigenschaften funktionieren eher als Erzählinstrumente als als menschliche Brüche. Eugenio Derbez als Musiklehrer Bernardo Villalobos ist der interessanteste Nebenfall im Cast: Er ist charismatisch, manchmal zu komödiantisch, und wirkt an einigen Stellen wie eine narrative Funktion – der Mentor, der im richtigen Moment das Richtige sagt.

Die Filmbesetzung ist insgesamt solide. Aber sie ist auch sichtbar auf Wirkung ausgerichtet.

Lesen Sie auch den Artikel über die Besetzung von Downton Abbey Film.

Tabelle der Besetzung mit Bewertung

Schauspieler Rolle Bewertung Kommentar
Emilia Jones Ruby Rossi 7/10 Handwerklich stark, Charakter bleibt zu glatt
Troy Kotsur Frank Rossi 8/10 Authentisch, körperlich präzise, echter Witz
Marlee Matlin Jackie Rossi 7/10 Routiniert und überzeugend, manchmal zu reaktiv
Daniel Durant Leo Rossi 6/10 Solide, aber unterentwickelt als Figur
Eugenio Derbez Bernardo Villalobos 6/10 Charismatisch, aber funktional konstruiert
Amy Forsyth Ally 5/10 Nebenrolle ohne eigene Kontur
Ferdia Walsh-Peelo Miles 5/10 Liebesinteresse, kaum mehr als das
Kevin Chapman Brady 5/10 Funktionelle Rolle, wenig Tiefe

Die Hauptdarsteller im Fokus

Emilia Jones als Ruby Rossi

Jones ist das Herzstück des Films. Sie trägt fast jede Szene, singt live und kommuniziert durchgehend in Gebärdensprache. Das ist keine kleine Leistung. Ihre Vorbereitung ist spürbar – und das ist zugleich das leichte Problem.

Ruby ist so sehr darauf ausgelegt, bewundernswert zu sein, dass der Film kaum zulässt, dass sie nervt, scheitert oder kleinlich ist. Menschliche Figuren haben Fehler, die nicht direkt dramaturgisch nützlich sind. Ruby hat fast ausschließlich solche Fehler, die die Geschichte vorantreiben. Das macht sie zu einer guten Hauptfigur – aber nicht zu einem überzeugenden Menschen.

Jones selbst spielt das mit viel Wärme. Sie ist selten falsch, aber manchmal zu korrekt.

Bewertung: 7/10

Troy Kotsur als Frank Rossi

Kotsur ist der überraschendste Moment im Film. Sein Vater Frank ist komisch, verletzlich, eigensinnig und liebevoll – und das alles ohne ein einziges gesprochenes Wort. Die Gebärdensprache wird bei ihm nicht zum Accessoire, sondern zur vollen Ausdrucksform.

Die Oscar-Auszeichnung ist hier nicht die Frage von politischer Symbolik – Kotsur liefert tatsächlich eine der stärksten Leistungen des Films. Der Charakter hat Ecken. Er macht Fehler, die nicht sympathisch sind. Er ist manchmal stur auf eine Art, die nicht aufgelöst wird.

Das ist genau das, was Ruby als Figur fehlt.

Bewertung: 8/10

Marlee Matlin als Jackie Rossi

Matlin bringt Autorität in jede Szene – und das ist ihr größtes Problem. Jackie ist als Mutterfigur angelegt, die kalt wirkt, aber innerlich kämpft. Matlin spielt das mit Kontrolle. Manchmal zu viel Kontrolle.

Die emotionalen Wendepunkte ihres Charakters kommen ein bisschen zu pünktlich. Jackie folgt einem Muster – Ablehnung, Zögern, Einsicht – das man aus hundert anderen Familiendramen kennt. Matlin füllt es aus. Aber sie sprengt es nicht.

Bewertung: 7/10

Daniel Durant als Leo Rossi

Leo ist Rubys älterer Bruder – und der am meisten vernachlässigte Hauptcharakter des Films. Er hat eine eigene Erzähllinie, die mit der wirtschaftlichen Lage der Familie verknüpft ist, aber sie wird nie wirklich ausgearbeitet. Durant spielt solide, ist physisch präsent, hat eine eigene Energie. Aber das Drehbuch gibt ihm kaum Raum.

Das ist ein Casting-Problem, das kein schauspielerisches ist: Durant könnte mehr leisten. Er bekommt es nicht.

Bewertung: 6/10

Eugenio Derbez als Bernardo Villalobos

Derbez ist der einzige im Hauptcast, bei dem man sich fragt, ob die Figur wirklich gebraucht wird. Villalobos ist der exzentrische, fordernde Musiklehrer – ein klassischer Mentoren-Archetyp, der Ruby zum Träumen bringt.

Er hat Szenen, die funktionieren. Er hat auch Szenen, die wie eine Netflix-Zusammenfassung des „inspirierenden Lehrerfilms” wirken. Derbez ist professionell genug, das erträglich zu machen. Aber der Charakter ist sichtbar konstruiert.

Bewertung: 6/10

Einen ähnlichen analytischen Blick auf Ensemblebesetzungen finden Sie im Artikel über die Besetzung von Ein ganzes Leben.

Nebenrollen – echte Figuren oder bloße Funktionen?

Ferdia Walsh-Peelo als Miles ist Rubys romantisches Interesse – und bleibt genau das. Er ist nett, musikalisch und unkompliziert. Als Figur hat er keine eigene Agenda. Seine Funktion ist es, Ruby zum Singen zu bringen. Das tut er. Mehr nicht.

Amy Forsyth als Ally, Rubys beste Freundin, ist noch blasser. Sie ist da, wenn der Film Normalität braucht, und verschwindet, wenn das Drama beginnt.

Kevin Chapman als Brady ist ein weiteres Beispiel für funktionale Besetzung: Er ist Teil des wirtschaftlichen Konflikts der Familie, aber ohne eigene Perspektive.

Insgesamt sind die Nebenrollen im Coda (Film) Cast weitgehend Servicefiguren. Sie erfüllen narrative Aufgaben. Sie sind selten überraschend. Und in einem Familienfilm, der über das Verständnis zwischen Menschen handelt, ist das ein stilles Paradoxon.

Filmografie – Entwicklung oder Stillstand?

  • Emilia Jones war vor Coda in kleineren Produktionen zu sehen, unter anderem in der Horrorserie Locke & Key. Coda ist ihre bisherige größte Hauptrolle. Die Frage ist, ob sie danach Rollen bekommt, die ihr mehr Widersprüche erlauben – oder ob sie als „das Mädchen aus Coda” geframed bleibt.
  • Troy Kotsur hat eine lange Karriere im Theater und in der Filmwelt hinter sich, war aber vor Coda dem breiten Publikum kaum bekannt. Sein Oscar hat das verändert. Ob das zu anspruchsvollen Folgerollen führt, bleibt abzuwarten – das Hollywood-System neigt dazu, Ausnahmen zu feiern, ohne sie wirklich zu integrieren.
  • Marlee Matlin ist seit Kinder eines geringeren Gottes (1986) eine bekannte Größe. Ihre Karriere zeigt ein wiederkehrendes Muster: Sie wird besetzt, wenn ein Film Authentizität durch eine gehörlose Darstellerin braucht. Das ist nicht ihr Fehler. Aber es ist ein Muster, das man benennen sollte.
  • Eugenio Derbez ist in Mexiko ein Superstar und in Hollywood vor allem in Komödien und Familienfilmen präsent. Coda ist ein Schritt in seriösere Richtung. Ob er dort bleibt, ist offen.

Lesen Sie auch unsere Analyse der Besetzung von The Whale – einem weiteren Oscar-prämierten Film, der ähnliche Fragen über Casting und Signalwirkung aufwirft.

Funktioniert das Ensemble als glaubwürdige Einheit?

Das ist die entscheidende Frage für jeden Familienfilm: Glaubt man diesen Menschen als Familie?

Die Antwort bei Coda ist: größtenteils ja – mit einem wichtigen Vorbehalt. Jones, Kotsur, Matlin und Durant haben echte Szenen miteinander, die funktionieren. Die Dynamik zwischen Vater und Tochter trägt den Film. Es gibt Momente – besonders in den Gebärdensprach-Sequenzen – in denen das Ensemble so wirkt, als würde es zusammen existieren, nicht nur zusammen spielen.

Aber das Ensemble hat auch blinde Flecken. Leo und Jackie werden nie wirklich als gleichwertige Perspektiven behandelt. Die Mutter-Tochter-Beziehung ist narrativ unterbelichtet. Und Villalobos gehört emotional nicht wirklich zur Familie – er steht außerhalb, funktional.

Das Ensemble funktioniert, wenn die Filmhandlung auf die Kernbeziehungen fokussiert. Es verliert an Glaubwürdigkeit, wenn der Film zu viele Stränge gleichzeitig bedienen will.

Wenn die Aussage die Geschichte verdrängt – ein wiederkehrendes Problem?

Coda ist ein ehrlicher Film. Er will etwas. Er will sagen: Gehörlose Menschen sind vollständige Menschen mit vollständigen Leben. Er will sagen: Hören und nicht hören ist keine Hierarchie. Das sind keine falschen Botschaften.

Aber es gibt einen Punkt in der Geschichte, an dem man merkt, dass die Regie die Figuren zugunsten dieser Botschaft zurechtrückt. Ruby darf nicht zu ambivalent werden – weil der Film dann keine klare Aussage mehr hat. Jackie darf nicht dauerhaft kalt bleiben – weil das die Botschaft kippen würde. Und Villalobos darf nicht scheitern – weil der Glaube an Rubys Talent die Prämisse ist.

Das ist das wiederkehrende Problem bei Produktionen, die etwas beweisen wollen: Sie beginnen als Geschichten und enden als Argumente. Der Originalfilm auf Apple TV+ ist dabei kein schlechtes Beispiel – er macht vieles richtig. Aber er macht es erkennbar absichtlich.

Das Sundance Film Festival, wo der Film seinen ersten großen Erfolg hatte, belohnt genau diese Art von Kino: poliert, bedeutsam, sicher in seiner Haltung. Was manchmal auf Kosten von Unordnung geht. Und Unordnung ist oft das, was Figuren menschlich macht.

Die Frage „Funktioniert das als Geschichte?” ist bei Coda nicht eindeutig mit Nein zu beantworten. Aber sie ist auch nicht eindeutig mit Ja zu beantworten. Es funktioniert als Drama mit Absicht. Ob das reicht, hängt davon ab, was man vom Kino erwartet.

Häufig gestellte Fragen

Wer spielt die Hauptrolle in Coda (Film)?

Emilia Jones spielt Ruby Rossi, die hörende Tochter einer gehörlosen Familie. Sie trägt den Film als Hauptdarstellerin und hat sich intensiv auf die Rolle vorbereitet – sowohl in Gebärdensprache als auch im Gesang.

Welche Schauspieler in Coda (Film) sind selbst gehörlos?

Troy Kotsur, Marlee Matlin und Daniel Durant sind in der Realität gehörlos und spielen die gehörlose Familie Rossi. Troy Kotsur gewann für seine Rolle den Oscar als bester Nebendarsteller.

Wer ist die stärkste Leistung im Cast von Coda (Film)?

Troy Kotsur als Frank Rossi. Er spielt eine Figur mit echten Widersprüchen und liefert die organischste Leistung des gesamten Ensembles – was auch die Oscar-Jury anerkannt hat.

Was ist die schwächste Rolle im Coda (Film) Cast?

Strukturell betrachtet ist Leo Rossi (Daniel Durant) die am meisten vernachlässigte Hauptfigur. Durant spielt solide, aber das Drehbuch gibt ihm kaum Raum zur Entfaltung.

Lohnt sich Coda (Film) trotz der Schwächen?

Ja – mit realistischen Erwartungen. Der Film hat echte Momente und eine starke Kernbeziehung. Wer ein sauberes, emotionales Drama sucht, wird zufrieden sein. Wer komplexe, widersprüchliche Charaktere erwartet, wird an einigen Stellen auf Distanz stoßen.

Wo kann man Coda (Film) sehen?

Coda ist exklusiv auf Apple TV+ als Streaming-Plattform verfügbar und wurde dort als Originalfilm veröffentlicht.

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