Es gibt Filme, die man nicht einfach schaut. Man übersteht sie. Michael Ciminos Die durch die Hölle Gehen aus dem Jahr 1978 gehört dazu – nicht weil er unangenehm wäre, sondern weil er den Anspruch stellt, mehr zu sein als Unterhaltung. Drei Stunden Kriegsdrama über eine Gruppe von Stahlarbeitern aus Pennsylvania, die nach Vietnam ziehen und als gebrochene Menschen zurückkehren – oder gar nicht. Das Russische Roulette als zentrales Symbol, der Krieg als seelische Zerstörungsmaschine, die Heimat als Ort, der nicht mehr passt.
Der Film gewann fünf Academy Awards, darunter Bester Film und Beste Regie. Das Cast liest sich wie ein Kompendium des amerikanischen Schauspiels der späten 1970er: Robert De Niro, Christopher Walken, Meryl Streep, John Cazale, John Savage, George Dzundza, Chuck Aspegren. Namen, die Gewicht haben. Namen, die Erwartungen erzeugen.
Die Frage, die mich beim zweiten und dritten Sehen beschäftigt, ist nicht, ob diese Schauspieler gut sind. Das sind sie. Die Frage ist, ob der Film ihnen erlaubt, Menschen zu sein – oder ob er sie zu Trägern einer Botschaft macht.
Die Besetzung von Die durch die Hölle Gehen – zwischen Anspruch und Konstruktion
Die Filmbesetzung von Die durch die Hölle Gehen ist auf dem Papier nahezu makellos. Cimino hat ein Ensemble zusammengestellt, das stilistisch kohärent ist: Charakterdarsteller, keine klassischen Hollywoodstars im konventionellen Sinne, Gesichter die nach Arbeit und Leben aussehen. Das ist kein Zufall – es ist eine dramaturgische und ästhetische Entscheidung, die dem Kriegsdrama Glaubwürdigkeit verleihen soll.
Und das funktioniert – zumindest teilweise. De Niro als Michael Vronsky ist eine der konzentriertesten Leistungen seiner Karriere. Walken als Nick bekommt eine Rolle, die ihn sichtbar macht wie kaum eine andere. Streep als Linda ist in ihrer relativen Zurückhaltung realistischer als viele lautere Frauenfiguren des amerikanischen Kinos dieser Ära.
Aber der Film hat ein strukturelles Problem, das kein Cast lösen kann: Cimino will sehr vieles gleichzeitig. Er will ethnografisches Porträt sein, Antikriegsfilm, Heimkehrerdrama, Freundschaftsgeschichte und nationales Epos. Das ist ambitioniert. Es ist auch manchmal zu viel. Und wenn ein Film zu viele Botschaften trägt, werden Figuren manchmal zu Symbolen – sie vertreten etwas, anstatt jemand zu sein.
Das betrifft nicht alle Rollen gleich. Aber es ist ein Muster, das man nicht ignorieren sollte, wenn man die Besetzung von Die durch die Hölle Gehen ehrlich analysiert.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Robert De Niro | Michael Vronsky | 9/10 | Körperlich, präzise, ohne Sentimentalität – De Niro trägt den Film |
| Christopher Walken | Nick Chevotarevich | 9/10 | Fragil und eindringlich; der Oscar war verdient |
| Meryl Streep | Linda | 7/10 | Zurückhaltend und glaubwürdig, aber dramaturgisch unterbelichtet |
| John Cazale | Stan | 7/10 | Intensiv und menschlich – eine der stärksten Nebenleistungen |
| John Savage | Steven | 6/10 | Solide, aber häufig im Schatten der anderen |
| George Dzundza | John Welsh | 6/10 | Funktioniert als Anker der Gruppe, bleibt aber flach |
| Chuck Aspegren | Axel | 5/10 | Präsenz ohne echte Tiefe – eine Randfigur |
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Die Hauptdarsteller im Fokus
Robert De Niro als Michael Vronsky
Michael ist der Mittelpunkt des Films. Der Stahlarbeiter, der Jäger, der Freund, der Heimkehrer, der Mann, der die anderen zusammenhält – oder versucht es zu tun. Es ist eine Rolle, die in schlechten Händen zu einer Heldengeschichte werden könnte. De Niro macht daraus etwas anderes: einen Mann, der schweigt, weil Worte zu wenig sind. Weil Kriegstrauma keine Sprache hat, die im Alltag funktioniert.
Was De Niro hier leistet, ist handwerklich bemerkenswert. Er spielt nicht Bedeutung – er lässt sie entstehen. In der Jagdszene, in der Szene mit dem Russischen Roulette, in dem Moment, als er Nick in Saigon sucht: Da ist kein Pathos, keine Berechnung. Nur eine Figur, die unter dem Gewicht ihrer Entscheidungen steht.
Wenn man einen Einwand formulieren will: Michael läuft Gefahr, zu mythisch zu werden. Er ist fast ohne Fehler – zumindest im moralischen Sinne. Das macht ihn zum stärksten Darsteller und gleichzeitig zur am wenigsten komplexen Figur. Heldenlogik und Charakterrealismus schließen sich manchmal aus.
Bewertung: 9/10
Christopher Walken als Nick Chevotarevich
Nick ist der Verlust, den der Film verarbeitet. Sein Abstieg – vom sensiblen jungen Mann zum abgestumpften Roulette-Spieler in Saigon – ist das emotionale Zentrum des Kriegsdramas. Walken spielt das mit einer Fragilität, die man nicht lernen kann. Die Art, wie er zuhört, wie er wegsieht, wie er im zweiten Akt zu einem anderen Menschen wird, ohne dass man den Moment des Bruchs genau benennen kann.
Sein Oscar als Bester Nebendarsteller war eine der wenigen Academy-Award-Entscheidungen dieser Ära, die im Nachhinein nicht nach politischer Abwägung aussehen. Walken verdient ihn einfach.
Das Problem ist nicht die Leistung. Das Problem ist die Struktur: Nick als Figur ist so angelegt, dass er verloren gehen muss. Er ist von Anfang an zu zart für das, was kommt. Das ist erzählerisch fair – aber es macht ihn auch zu einem Symbol des Verlustes, nicht nur zu einem Menschen darin.
Bewertung: 9/10
Meryl Streep als Linda
Linda ist die Zurückgebliebene. Die Frau, die wartet, liebt, leidet – ohne dass der Film ihr besonders viel Raum gibt, das zu entfalten. Streep spielt sie mit einer stillen Genauigkeit, die respektabel ist. Sie überspielt nie, sucht keine Aufmerksamkeit. In einer anderen Besetzung wäre Linda zur funktionalen Figur geworden – zur Heimatfront-Kulisse.
Streep verhindert das – aber sie kann das Drehbuch nicht umschreiben. Linda hat keine eigene dramaturgische Entwicklung. Sie reagiert. Sie wartet. Sie repräsentiert das, was die Männer verloren haben oder verlieren könnten. Das ist eine Funktion, keine Figur. Dass Streep für diese Rolle eine Oscar-Nominierung erhielt, sagt mehr über die Qualität ihrer Arbeit als über die Qualität der Rolle.
Bewertung: 7/10
John Cazale als Stan
Cazale ist eine der tragischen Randgeschichten des amerikanischen Kinos. Er war beim Dreh von Die durch die Hölle Gehen bereits schwer krank und starb kurz nach Abschluss der Dreharbeiten. Die Produktion wurde teilweise um seinen Zustand herum organisiert. Meryl Streep, mit der er damals liiert war, soll auf ihr Honorar verzichtet haben, um seine Beteiligung abzusichern.
Das alles macht seine Darstellung des Stan – des etwas unsicheren, gelegentlich nervtötenden Mitglieds der Gruppe – noch merkwürdiger zu beobachten. Er spielt einen Mann, der kleiner ist als die anderen, der lauter redet um das zu verbergen, der Schwäche durch Lautstärke kompensiert. Es ist eine menschliche Figur, die keine Heldenqualität braucht um zu funktionieren. Cazale gab ihr das.
Bewertung: 7/10
Einen ähnlichen Blick auf ein klassisches Kriegsfilm-Ensemble bietet der Artikel über die Besetzung von MASH.
Nebenrollen – echte Figuren oder bloße Funktionen?
John Savage als Steven ist der dritte Mann im Vietnamtrio – der, der zurückkommt, aber nicht mehr ganz. Seine Figur trägt einen körperlichen und seelischen Schaden davon, der im Film als konkretes Symbol für Kriegstrauma funktioniert. Savage spielt das kompetent, aber er bekommt wenig Raum, etwas darüber hinaus zu tun. Steven ist im Wesentlichen Kontrastfolie: Er zeigt, was Michael nicht ist, und was Nick nicht werden will. Das ist eine dramaturgische Funktion, keine vollständige Figur.
George Dzundza als John Welsh – der Barkeeper der Gruppe, der Erdige, der Zuverlässige – hat die undankbare Aufgabe, Stabilität zu verkörpern. Er ist nie falsch in seiner Darstellung. Aber er ist auch nie überraschend. In einem Film, in dem De Niro und Walken die Luft aus dem Raum saugen, bleibt für Dzundza wenig übrig außer dem, was er darstellt: eine Figur, die da ist.
Chuck Aspegren als Axel ist im Cast die offensichtlichste Leerstelle. Er war ursprünglich kein Berufsschauspieler – Cimino besetzte ihn bewusst als authentisches Element. Das ist ein interessanter Ansatz, der im Film aber nicht aufgeht. Aspegren ist präsent, ohne wirklich anwesend zu sein. Er füllt das Bild, ohne es zu formen.
Filmografie – Entwicklung oder Stillstand?
Robert De Niro
- Mean Streets
- Der Pate II
- Taxi Driver
- Die durch die Hölle Gehen
- Raging Bull
- Once Upon a Time in America
De Niro kam mit einer Reihe prägender Rollen in Die durch die Hölle Gehen. Ciminos Film bestätigte eine Linie: De Niro als Mann mit kontrolliertem Innenleben, dessen Brüche leise und gefährlich sind. Die Rollen danach griffen auf dieselbe Energie zurück. Ob das Entwicklung ist oder ein sehr gut verfeinertes Muster, ist eine berechtigte Frage.
Christopher Walken
- Die durch die Hölle Gehen
- True Romance
- Catch Me If You Can
Walken wurde durch Die durch die Hölle Gehen zu einem Typ, der ihn jahrzehntelang begleitete: der Unberechenbare, der Gefährliche, der leicht Dissoziale. Das war nicht immer ein Dienst an seiner Fähigkeit. In seinen besten Rollen nach 1978 zeigt er die gleiche Fragilität wie als Nick. Aber das Angebot orientierte sich mehr an der Oberfläche des Typs als an dem, was darunter liegt.
Meryl Streep
- Die durch die Hölle Gehen
- Kramer gegen Kramer
- Sophies Entscheidung
- Der Teufel trägt Prada
Streep machte aus Linda eine Visitenkarte für das, was sie später werden sollte: die Darstellerin, die aus schmalen Rollen das Maximum herausholt. Ihre Entwicklung nach diesem Film ist eindrucksvoll und eigenständig – eine Karriere, die nie stagnierte.
Weitere Überlegungen zum Zusammenspiel von Ensemble und Kriegsfilm-Dramaturgie finden sich im Artikel über die Besetzung von Zwei glorreiche Halunken.
Funktioniert das Ensemble als glaubwürdige Einheit?
Die Frage nach der Ensemblekohärenz ist für Die durch die Hölle Gehen besonders relevant, weil der Film in seiner ersten Stunde konsequent auf Gruppendynamik setzt. Hochzeit, Bar, Jagd – die Männer sind eine Einheit, die Cimino etablieren muss, bevor er sie auseinandernehmen kann. Das funktioniert überraschend gut.
De Niro, Walken, Savage, Cazale und Dzundza wirken zusammen wie Männer, die sich kennen. Nicht weil das Drehbuch es so schreibt, sondern weil das Ensemble eine physische Vertrautheit ausstrahlt, die schwer zu spielen und noch schwerer zu fabrizieren ist. Cimino ließ die Schauspieler Zeit miteinander verbringen, bevor die Kameras liefen – und das merkt man.
Die Brüche kommen im zweiten und dritten Akt, als die Gruppe auseinanderfällt. Dort verliert das Ensemble zwangsläufig an gemeinsamer Energie. Aber das ist erzählerisch gewollt. Die Frage ist nur, ob das, was bleibt, noch trägt – und die Antwort ist: meist ja, manchmal nein.
Wenn die Aussage die Geschichte verdrängt – ein wiederkehrendes Problem?
Die durch die Hölle Gehen hat eine Botschaft. Mehrere, eigentlich. Der Film will über Kriegstrauma sprechen, über Freundschaft, über Klasse, über amerikanische Identität. Das ist legitim. Die Frage ist immer: Ab wann wird die Botschaft lauter als die Geschichte?
Cimino bleibt in diesem Film oft auf der richtigen Seite dieser Grenze. Das Russische Roulette als Symbol für die Willkür des Krieges und des Todes ist so eindrücklich in Szene gesetzt, dass es kaum aufgesetzt wirkt. Die Heimkehrerszenen haben eine Alltäglichkeit, die politische Aussagen überflüssig macht – weil das Bild alles sagt.
Aber es gibt Momente, in denen der Film sich selbst wichtig nimmt auf eine Art, die der Erzählung nicht dient. Die Länge des ersten Akts ist ein Beispiel. Drei Stunden sind kein Problem, wenn jede Szene zieht. Manchmal zieht Die durch die Hölle Gehen ein bisschen zu sehr auf der Symbolebene und vergisst dabei, was seine Figuren gerade im nächsten Raum tun.
Das ist kein modernes Problem – es ist kein Zeichen von ideologischer Überfrachtung im zeitgenössischen Sinne. Es ist das altbekannte Problem des ambitionierten Kinos: Der Regisseur, der sich bewusst ist, dass er etwas Wichtiges dreht, riskiert, dass diese Bewusstheit sich in den Film einschreibt. Cimino weiß, dass Die durch die Hölle Gehen bedeutend ist. Das weiß man beim Zuschauen manchmal auch.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt die Hauptrollen in Die durch die Hölle Gehen?
Die Hauptdarsteller sind Robert De Niro als Michael Vronsky, Christopher Walken als Nick Chevotarevich und John Savage als Steven. Meryl Streep spielt Linda, die weibliche Hauptrolle.
Welcher Schauspieler hat die stärkste Leistung im Film?
Robert De Niro und Christopher Walken liefern die eindrücklichsten Leistungen. Walken gewann für seine Rolle den Oscar als Bester Nebendarsteller. De Niro trägt den Film als Hauptfigur mit einer stillen Intensität, die bis heute beeindruckt.
Ist die Besetzung von Die durch die Hölle Gehen insgesamt gelungen?
Ja, das Cast ist hochkarätig und funktioniert als Ensemble – vor allem im ersten Akt. Die Schwäche liegt weniger bei den Schauspielern als beim Drehbuch, das einige Figuren stärker als Symbole denn als Menschen anlegt.
Lohnt sich Die durch die Hölle Gehen noch heute?
Ja – aber mit Geduld. Der Film ist kein einfaches Kriegsdrama. Er ist lang, stellenweise sperrig und manchmal zu bewusst bedeutsam. Aber als Schauspielfilm ist er nach wie vor außergewöhnlich. Wer De Niro und Walken in ihrer besten Phase sehen will, kommt an diesem Film nicht vorbei.
Was war John Cazales besondere Rolle bei diesem Film?
John Cazale war beim Dreh bereits schwer erkrankt und starb kurz nach den Dreharbeiten. Seine Darstellung des Stan war dennoch präzise und menschlich. Der Film war der letzte in seiner kurzen, aber bemerkenswerten Karriere.
Wie viele Oscars gewann Die durch die Hölle Gehen?
Der Film gewann fünf Academy Awards beim Oscar 1979, darunter Bester Film und Beste Regie für Michael Cimino sowie Bester Nebendarsteller für Christopher Walken.




