Es gibt Filme, die man in Erinnerung behält, weil sie einen echten Nerv getroffen haben. Und es gibt Filme, die man in Erinnerung behält, weil man sie als Kind gesehen hat – und weil das Vergessen seitdem nie ganz geklappt hat. My Girl – Meine Erste Liebe aus dem Jahr 1991 fällt in beide Kategorien, je nach Zuschauer. Der Kinofilm von Regisseur Howard Zieff erzählt die Geschichte der elfjährigen Vada Sultenfuss, die mit ihrem Bestattervater in einer Kleinstadt aufwächst, ihren besten Freund Thomas J. Sennett liebt und zum ersten Mal mit Tod, Verlust und dem Erwachsenwerden konfrontiert wird. Das klingt nach einem ehrlichen Familienfilm. Manchmal ist es das auch.
Die Frage, die mich bei einer erneuten Betrachtung beschäftigt, ist nicht, ob der Film funktioniert – sondern ob die Besetzung von My Girl – Meine Erste Liebe wirklich dramaturgisch gedacht wurde oder ob bekannte Namen hier vor allem Sicherheit ins Kino bringen sollten. Die Antwort ist, wie so oft, nicht eindeutig.
Die Besetzung von My Girl – Meine Erste Liebe – zwischen Anspruch und Konstruktion
Der Cast dieses Films ist interessant zusammengestellt, aber nicht ohne Widersprüche. Im Kern steht eine damals kaum bekannte Kinderdarstellerin – Anna Chlumsky –, die von zwei erwachsenen Hollywoodgrößen flankiert wird: Dan Aykroyd und Jamie Lee Curtis. Dazu kommt Macaulay Culkin, der 1991, direkt nach dem Welterfolg von Kevin – Allein zu Haus, auf dem absoluten Höhepunkt seiner Bekanntheit war.
Das ist eine Konstellation, die ich mit einer gewissen Vorsicht betrachte. Wenn ein Studio nach einem kommerziellen Überraschungserfolg den gleichen Kinderdarsteller in einem völlig anderen Genre einsetzt, ist das selten eine rein kreative Entscheidung. Culkin war 1991 ein Phänomen, und sein Name auf dem Filmplakat war eine Versicherungspolice. Das ist legitim – aber es wirft die Frage auf, ob seine Rolle als Thomas J. wirklich für ihn geschrieben wurde oder ob sie für einen Jungen mit seinem Wiedererkennungswert optimiert wurde.
Das Drehbuch von Laurice Elehwany hat echte Qualitäten. Es gibt Momente, in denen die Figuren wie Menschen klingen, nicht wie Konzepte. Aber es gibt auch Momente, in denen man spürt, dass jemand eine Botschaft platziert hat – über Kindheit, Verlust, erste Liebe – und dass diese Botschaft den Figuren manchmal weniger Raum lässt, als sie bräuchten.
Produzent Brian Grazer und Regisseur Howard Zieff haben einen handwerklich soliden Film abgeliefert. Ob er ein wirklich großer Film ist, hängt davon ab, wen man fragt – und wann.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Anna Chlumsky | Vada Sultenfuss | 8/10 | Erstaunlich präzise für eine Debütantin. Trägt den Film mit echtem Gewicht. |
| Macaulay Culkin | Thomas J. Sennett | 6/10 | Sympathisch, aber erkennbar auf Wiedererkennungswert besetzt. Wenig Tiefe. |
| Dan Aykroyd | Harry Sultenfuss | 6/10 | Solide, aber unterbeschäftigt. Sein komödiantisches Profil passt nicht immer. |
| Jamie Lee Curtis | Shelly DeVoto | 7/10 | Überraschend nuanciert. Gibt der Figur mehr, als das Drehbuch verlangt. |
| Richard Masur | Mr. Bixler | 6/10 | Funktioniert, ohne aufzufallen. Weder schwach noch stark. |
| Griffin Dunne | Phil Sultenfuss | 5/10 | Bleibt eine Skizze. Zu wenig Raum für eine echte Figur. |
| Ann Nelson | Gramoo | 5/10 | Erfüllt ihre narrative Funktion, aber kaum darüber hinaus. |
Die Hauptdarsteller im Fokus
Anna Chlumsky als Vada Sultenfuss
Anna Chlumsky war beim Dreh dieses Films ein absoluter Neuling im Filmgeschäft. Das macht ihre Leistung umso bemerkenswerter. Ihre Darstellung von Vada Sultenfuss – einem Mädchen, das zwischen Hypochondrie, erster Liebe und echter Trauer balanciert – wirkt in den meisten Szenen überraschend echt. Sie läuft nicht dem Pathos hinterher, sie lässt es zu ihr kommen.
Besonders in den stillen Momenten, wenn Vada allein mit einem Gedanken ist, zeigt Chlumsky eine Art Gegenwärtigkeit, die man bei Kinderdarstellern selten sieht. Das ist keine perfekte Leistung – es gibt Szenen, in denen man die Unerfahrenheit spürt – aber es ist eine ehrliche.
Was mich an der Figur mehr beschäftigt als an der Darstellerin, ist die Konstruktion von Vada selbst. Sie ist manchmal fast zu perfekt als Symbol des empfindsamen Kindes angelegt. Die Hypochondrie, die Vorliebe für Literatur, die Außenseiterposition – das riecht nach einer Figur, die jemand entworfen hat, um Zuschauer auf Distanz zu halten und gleichzeitig Sympathie einzufordern. Chlumsky rettet das durch Natürlichkeit. Aber die Konstruktion bleibt sichtbar.
Bewertung: 8/10
Macaulay Culkin als Thomas J. Sennett
Hier beginnen meine Vorbehalte. Macaulay Culkin ist 1991 kein unbekanntes Gesicht – er ist das Kindergesicht Hollywoods. Und das ist genau das Problem.
Thomas J. Sennett ist als Charakter gedacht als der treue, etwas unbeholfene beste Freund, der Vada ergänzt ohne sie zu überlagern. Das ist eine ehrenwerte Intention. Culkin spielt die Rolle solide, und seine Chemie mit Chlumsky ist vorhanden – man glaubt diesen beiden als Freunde. Aber man glaubt ihnen auch ein bisschen deshalb, weil man als Zuschauer will, dass es funktioniert.
Was mir fehlt: Thomas J. als eigenständige Figur. Er ist in weiten Teilen eine Funktion der Geschichte, nicht ein Mensch darin. Er existiert, damit am Ende etwas passiert, das Vada formt. Das ist dramaturgisch nachvollziehbar – aber es macht ihn zu einem Mittel, nicht zu einem Darsteller einer echten Person.
Culkin liefert das, was von ihm erwartet wird. Die Frage ist, ob das genug ist – oder ob hier eine strategische Besetzungsentscheidung eine mutigere Alternative verhindert hat.
Bewertung: 6/10
Einen ähnlichen Blick auf Besetzungsentscheidungen und deren dramaturgische Logik bietet auch der Artikel über die Besetzung von The Whale.
Dan Aykroyd als Harry Sultenfuss
Dan Aykroyd als Bestatter und alleinerziehender Vater ist eine Idee, die ich auf dem Papier besser finde als auf der Leinwand. Aykroyd bringt eine natürliche Komik mit, die manchmal passt und manchmal den Ton kippt.
Harry Sultenfuss ist eine Figur, die zwischen emotionaler Abwesenheit und aufrichtiger Väterlichkeit pendelt. Das ist interessantes Terrain. Aber Aykroyd scheint nicht immer sicher, wo genau er auf diesem Terrain steht. Einige Szenen wirken, als würde er nach einem Komödienfilm suchen, der hier nicht stattfindet.
Das ist kein Versagen der Darstellung – es ist eher eine Frage der Passung. Aykroyd ist ein talentierter Schauspieler. Aber seine komödiantische Energie und dieses nachdenkliche Drama sind nicht immer kompatibel.
Bewertung: 6/10
Jamie Lee Curtis als Shelly DeVoto
Die positive Überraschung des Films. Jamie Lee Curtis spielt Shelly DeVoto, die neue Assistentin im Bestattungsunternehmen, die sich in Harrys Leben – und damit in Vadas Welt – schiebt. Shelly ist eigentlich eine Rolle, die schnell zur Klischee-Stiefmutter-Figur degenerieren könnte.
Curtis verhindert das. Sie spielt Shelly mit einer Wärme, die nicht aufdringlich ist, und mit einer Selbstsicherheit, die der Figur Substanz gibt. Man glaubt ihr, dass sie eine eigene Geschichte hat – auch wenn das Drehbuch diese Geschichte nur andeutet. Das ist eine Leistung, die mehr auf Intuition und Handwerk als auf dramaturgische Unterstützung zurückgeht.
Bewertung: 7/10
Nebenrollen – echte Figuren oder bloße Funktionen?
Die Nebenrollen in My Girl – Meine Erste Liebe sind das, was sie in den meisten Filmen dieser Art sind: notwendige Bausteine, aber keine eigenständigen Charaktere.
Richard Masur als Mr. Bixler, Vadas Schreiblehrer und heimlicher Schwarm, hat Momente, in denen die Figur interessant zu werden droht – aber das Drehbuch zieht diese Möglichkeit nicht durch. Er bleibt eine Plot-Funktion: jemand, der Vadas romantische Sehnsucht repräsentiert, ohne selbst Tiefe zu entwickeln.
Griffin Dunne als Phil Sultenfuss, Harrys Bruder, ist noch stärker unterentwickelt. Er taucht auf, er verschwindet, er hinterlässt keinen Eindruck. Das ist schade, denn Dunne hat als Schauspieler bewiesen, dass er mit der richtigen Rolle Gewicht entwickeln kann. Hier bekommt er diese Möglichkeit nicht.
Ann Nelson als Gramoo erfüllt ihre Rolle – sie ist da, sie ist krank, sie ist eine weitere Variable im Leben von Vada. Aber sie ist keine Person, sie ist eine Zustandsbeschreibung.
Das ist ein Muster, das mich bei vielen Filmen dieser Ära beschäftigt: Die Nebenrollen werden nicht entwickelt, weil das Zentrum des Films so klar definiert ist, dass alles andere nur Kulisse werden darf. Das mag effizient sein. Es ist selten mutig.
Wer sich für ähnliche Überlegungen zur Figurenlogik in dramatischen Filmen interessiert, findet weitere Perspektiven im Artikel über die Besetzung von Ein ganzes Leben.
Filmografie – Entwicklung oder Stillstand?
Anna Chlumsky hatte nach My Girl – Meine Erste Liebe eine Karriere, die zunächst weiterlief – unter anderem mit der Fortsetzung My Girl 2 –, dann aber für lange Zeit pausierte. Erst mit ihrer Rolle in Veep erlebte sie eine echte Neuentdeckung. Das ist eine Entwicklung, die man mit einer gewissen Respekt benennen muss: Sie ist nicht in der Falle des Kinderstar-Klischees geblieben, sie ist ihr entkommen.
Macaulay Culkin ist das bekannteste Beispiel dafür, was passieren kann, wenn Ruhm schneller kommt als die Fähigkeit, ihn zu verarbeiten. Nach den frühen 1990er Jahren verlief seine Karriere fragmentiert. Er hat in jüngster Zeit eine Art ironische Selbstinszenierung entwickelt, die funktioniert – aber die großen dramatischen Rollen, die man sich nach dem Versprechen seiner Kinderjahre erhofft hätte, sind ausgeblieben.
Dan Aykroyd und Jamie Lee Curtis sind beide Schauspieler mit langen, unterschiedlichen Karrieren. Beide haben nach diesem Film sowohl starke als auch schwache Rollen gespielt. Keiner von beiden hat in My Girl – Meine Erste Liebe die Arbeit abgeliefert, die als karrieredefinierend gilt – aber beide haben dem Film mehr gegeben, als ein rein kommerzielles Projekt verdient hätte.
Regisseur Howard Zieff hat mit diesem Film sein letztes großes Kinoprojekt gemacht, bevor er sich zurückzog. Das ist kein Urteil – aber es ist ein Kontext.
Funktioniert das Ensemble als glaubwürdige Einheit?
Die ehrliche Antwort ist: teilweise.
Das Kern-Ensemble – Chlumsky und Culkin – funktioniert. Man glaubt diesen beiden als Freunden. Die Chemie ist vorhanden, auch wenn sie mehr auf Chlumskys Naturtalent als auf Culkins Charakterarbeit beruht.
Die Erwachsenen-Ebene ist weniger überzeugend als Einheit. Aykroyd und Curtis spielen ihre Figuren, aber die Beziehung zwischen Harry und Shelly entwickelt sich in einem Tempo, das dem Film mehr schadet als nutzt. Man akzeptiert sie als Paar, weil das Drehbuch es verlangt – nicht weil man es glaubt.
Was dem gesamten Ensemble fehlt, ist das Gefühl einer gemeinsamen Welt. Die Figuren existieren in ihren eigenen Schichten und kommen zusammen, wenn die Geschichte es braucht. Das ist solides Handwerk. Es ist keine organische Gemeinschaft.
Das ist kein vernichtendes Urteil. Viele erfolgreiche Filme funktionieren genau so. Aber es bedeutet, dass My Girl – Meine Erste Liebe als Ensemble-Film schwächer ist als als Ein-Figuren-Drama mit Vada im Zentrum.
Einen vergleichbaren Blick auf die Frage, wie gut ein Ensemble als glaubwürdige Einheit funktioniert, wirft auch der Artikel über die Besetzung von Natürlich blond.
Wenn die Aussage die Geschichte verdrängt – ein wiederkehrendes Problem?
Ich will hier nicht ungerecht sein. My Girl – Meine Erste Liebe ist kein Film, der seine Botschaft mit dem Vorschlaghammer vermittelt. Er ist subtiler als das – und das ist ein echtes Verdienst.
Aber es gibt Momente, in denen man spürt, dass das Drehbuch eine Agenda hat. Die Art, wie Verlust inszeniert wird. Die Art, wie Vadas Reife am Ende fast zu vollständig ist. Die Art, wie bestimmte Figuren – besonders Thomas J. – so eindeutig als dramatische Funktion existieren, dass ihre Menschlichkeit darunter leidet.
Das ist ein Muster, das ich in vielen Filmen dieser Kategorie sehe, vor und nach 1991: Die Geschichte möchte etwas sagen – über Kindheit, Tod, erste Liebe –, und dieses Sagen-Wollen wird wichtiger als das Zeigen. Figuren werden zu Trägern von Bedeutung, anstatt Menschen zu sein, denen Bedeutung widerfährt.
In My Girl – Meine Erste Liebe ist dieses Problem vorhanden, aber nicht dominierend. Anna Chlumsky verhindert das. Trotzdem bleibt die Frage: Was wäre aus diesem Film geworden, wenn Laurice Elehwany noch eine Überarbeitungsrunde gemacht hätte – mit dem Fokus auf Figuren statt auf Aussage?
Wahrscheinlich ein besserer Film. Möglicherweise ein weniger kommerziell sicherer.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt die Hauptrolle in My Girl – Meine Erste Liebe?
Die Hauptrolle der Vada Sultenfuss wird von Anna Chlumsky gespielt. Es war ihre erste große Filmrolle, und sie trägt den Film mit einer Überzeugungskraft, die man bei einer Debütantin nicht unbedingt erwartet.
Wer ist in der Besetzung von My Girl – Meine Erste Liebe noch dabei?
Der Cast umfasst Macaulay Culkin als Thomas J. Sennett, Dan Aykroyd als Harry Sultenfuss und Jamie Lee Curtis als Shelly DeVoto. Regie führte Howard Zieff, das Drehbuch stammt von Laurice Elehwany.
Welche Besetzungsentscheidung funktioniert am besten?
Eindeutig Jamie Lee Curtis. Sie gibt ihrer Figur Shelly mehr Substanz, als das Drehbuch verlangt – und das ist in einem Film dieser Art keine Selbstverständlichkeit.
Ist Macaulay Culkins Casting in My Girl überzeugend?
Das ist die entscheidende Frage. Culkin ist sympathisch und die Chemie mit Chlumsky stimmt. Aber sein Casting 1991 war auch ein kommerzielles Signal – er war nach Kevin – Allein zu Haus der bekannteste Kinderstar der Welt. Ob das die mutigste dramaturgische Entscheidung war, darf man bezweifeln.
Lohnt sich My Girl – Meine Erste Liebe heute noch?
Ja – aber mit bewusstem Blick. Als Zeitdokument des frühen 1990er-Jahre-Kinos ist der Film interessant. Als emotionales Drama funktioniert er in Teilen. Das Verdienst liegt vor allem bei Anna Chlumsky. Wer einen handwerklich soliden, gelegentlich konstruierten, aber nicht unehrlichen Familienfilm sucht, wird nicht enttäuscht.
Wer hat den Film My Girl – Meine Erste Liebe produziert?
Produzent war Brian Grazer, der Film wurde von Columbia Pictures verlegt und erschien 1991 in den amerikanischen Kinos. Die Filmmusik stammt von Alan Silvestri, die Kameraarbeit übernahm Reed Smoot.




