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NABU zählt 2026 mehr als 15.000 Weißstorch-Brutpaare — mehr Störche als vor hundert Jahren

Von Redaktion Direkt Fokus··Natur

Zwei junge Weißstörche stehen in einem Horst aus Ästen
Junge Weißstörche im Horst. Foto: Kora27 / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

In Deutschland brüten in dieser Saison mehr als 15.000 Weißstorchpaare — nach Einschätzung des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) mehr, als es hier je gab, seit man zählt. «Selbst vor hundert Jahren gab es nicht so viele Störche», sagt Bernd Petri von der NABU-Bundesarbeitsgruppe Weißstorch. In den 1980er-Jahren war der Bestand in beiden deutschen Staaten zusammen unter 3.000 Paare gefallen.

Wie groß ist die Erholung tatsächlich?

Der Bestand hat sich seit dem Tiefpunkt der 1980er-Jahre mehr als verfünffacht. Damals galt der Weißstorch in weiten Teilen Deutschlands als verschwunden; in mehreren Regionen war kein einziges besetztes Nest mehr übrig. Heute ist die Art wieder flächendeckend vertreten, und in einzelnen Landkreisen ist sie alles andere als selten: Im südhessischen Kreis Groß-Gerau kommen rund 90 Paare auf 100 Quadratkilometer.

Warum brüten die Störche heute woanders?

Der Schwerpunkt hat sich von Osten nach Westen verlagert — und mit ihm die Zugroute. Früher waren drei Viertel der deutschen Störche Ostzieher, die über den Bosporus nach Afrika flogen. Heute ist das Verhältnis umgekehrt: Drei Viertel ziehen nach Westen, über Spanien. Der Schwerpunkt der Vorkommen ist, grob gesagt, von der Elbe an den Rhein gewandert.

Das ist mehr als eine geografische Fußnote. Westzieher überwintern zunehmend auf der Iberischen Halbinsel statt in der Sahelzone — kürzere Strecken, weniger Wüstenüberquerungen, geringere Verluste unterwegs. Ein Teil der Erholung ist damit nicht nur besserer Schutz in Deutschland, sondern eine veränderte Reiseplanung der Vögel selbst.

Was sagt die Zahl der Brutpaare noch nicht?

Sie sagt nichts darüber, wie viele Jungvögel tatsächlich flügge werden. Die endgültige Nachwuchsbilanz für 2026 steht noch aus, und sie fällt regional sehr unterschiedlich aus: Im Norden verlief die Saison nach NABU-Angaben gut, in Mittel- und Ostdeutschland eher durchschnittlich. Ein nasskalter Mai kostet in manchen Jahren einen erheblichen Teil der Küken — die Zahl der Paare ist der stabilere, aber auch der schmeichelhaftere Indikator.

Was bleibt ungelöst?

Der Storch ist zurück, seine Nahrungsgrundlage ist es nicht überall. Weißstörche brauchen feuchte Wiesen, Kleingewässer und extensiv genutztes Grünland — genau die Flächen, die in der Agrarlandschaft weiter unter Druck stehen. Wo Störche heute in hoher Dichte brüten, tun sie das oft auf schmaler Nahrungsbasis, und mit der Dichte wachsen auch die Konflikte: um Nistplätze auf Dächern, um Schäden an Gebäuden, um die Frage, wer die Kosten für Horstunterlagen trägt.

Hinzu kommt eine Unschärfe im Rekord selbst. Die 15.000 sind eine Hochrechnung aus den Meldungen der ehrenamtlichen Storchenbetreuerinnen und -betreuer, nicht eine abgeschlossene Zählung. Die belastbaren Landeszahlen des Vorjahres — 2.737 Paare in Niedersachsen, 2.602 in Baden-Württemberg — zeigen die Größenordnung, aber die Endabrechnung für 2026 kommt erst.

Wer erhebt diese Zahlen eigentlich?

Das Weißstorch-Monitoring in Deutschland ruht fast vollständig auf ehrenamtlicher Arbeit. Ortskundige Betreuerinnen und Betreuer kontrollieren jedes Jahr dieselben Horste, notieren Ankunft, Gelege und Ausflug und melden die Daten an die Landesarbeitsgruppen. Dass es überhaupt eine Zeitreihe gibt, die bis in die 1930er-Jahre zurückreicht, ist das Ergebnis dieser Routine — und der Grund, warum sich der Zusammenbruch der 1980er-Jahre und die Erholung danach so genau nachzeichnen lassen.

Quellen

Dieser Artikel stützt sich auf die Brutbilanz der Bundesarbeitsgruppe Weißstorchschutz, die der NABU koordiniert. Gezählt wird vor Ort von ehrenamtlichen Storchenbetreuerinnen und -betreuern, von Landesämtern und Vogelschutzwarten; gemeldet wird zentral an den NABU. Das ist eine Erhebung, nicht zwei — eine davon unabhängige Zählung des deutschen Weißstorchbestands gibt es nicht.

  1. NABU: Brutbilanz 2026 — Mehr Weißstorchpaare als vor hundert Jahren (Juli 2026) (Primärquelle)
  2. RiffReporter: Weißstörche — Deutschland meldet Rekord von 15.000 Brutpaaren (Bericht über dieselbe Erhebung)

Korrektur vom 3. September 2026: Hier stand ursprünglich, der Artikel stütze sich auf zwei voneinander unabhängige Quellen. Das trifft nicht zu: Der zweite Beleg berichtet über dieselbe Erhebung, die der NABU koordiniert und veröffentlicht. An den Zahlen ändert sich nichts; falsch war die Angabe zur Quellenlage.