Technik · Deutschland
194.500 Wärmepumpen im ersten Halbjahr 2026 — deutlich mehr als Gasgeräte im deutschen Heizungsmarkt
Von Redaktion Direkt Fokus··Wissen

Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland 194.500 Heizungswärmepumpen abgesetzt — 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit lag die Wärmepumpe deutlich vor den gasbasierten Geräten, von denen 134.000 verkauft wurden. Das teilte der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) am 11. August 2026 mit.
Wie hat sich der gesamte Heizungsmarkt entwickelt?
Er ist um 19 Prozent auf 352.000 Geräte gewachsen. Neben den 194.500 Wärmepumpen entfielen 134.000 Stück auf gasbasierte Geräte (plus ein Prozent), 14.000 auf Biomasseheizungen (minus ein Prozent) und 9.500 auf ölbasierte Geräte (minus elf Prozent). Rechnerisch geht damit der gesamte Zuwachs des Marktes auf die Wärmepumpe zurück: Sie legte um rund 55.500 Stück zu, der Gesamtmarkt um rund 56.000.
Warum kursieren 194.500 und 195.000 nebeneinander?
Weil zwei Verbände dieselbe Entwicklung leicht unterschiedlich zählen. Der BDH nennt 194.500 Geräte, der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) rund 195.000. Die Differenz von etwa 500 Stück liegt weit innerhalb dessen, was bei einer Erhebung über Herstellerabsätze an Großhandel und Fachhandwerk zu erwarten ist — sie ändert nichts an der Größenordnung, ist aber ein nützlicher Hinweis darauf, dass es sich um Absatzmeldungen der Industrie handelt und nicht um eine amtliche Statistik.
Wichtiger als die 500 Geräte ist, was die Zahl überhaupt misst: den Absatz an den Handel, nicht die Zahl der eingebauten und in Betrieb genommenen Anlagen. Zwischen Verkauf und laufender Heizung liegen Lieferzeiten, Handwerkerkapazitäten und Bauzeiten von mehreren Monaten.
Was bedeutet das für den Gebäudebestand?
Weniger, als die Wachstumsrate vermuten lässt. In Deutschland stehen rund 41 Millionen Wohnungen; die überwiegende Mehrheit wird weiterhin mit Gas oder Öl beheizt. Selbst bei anhaltend 400.000 Wärmepumpen pro Jahr dauert der Austausch des Bestands Jahrzehnte. Die 194.500 Geräte eines Halbjahres sind also ein Trendwechsel im Neugeschäft, keine Umstellung der Heizlandschaft.
Worauf beruht das Wachstum — und was gefährdet es?
Auf Förderung und auf Preiserwartungen, und beides ist politisch bestimmt. BWP-Geschäftsführer Martin Sabel führt die Entwicklung vor allem auf ein gestiegenes Risikobewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber fossilem Heizen zurück, betont zugleich aber die Bedeutung der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) und ihrer Fortführung bis 2030. Ohne planbare Förderkulisse und ohne Entlastung beim Strompreis, so Sabel, lasse sich der Zuwachs nicht fortschreiben.
Damit steht das Wachstum auf einer Grundlage, die sich mit einer Haushaltsentscheidung ändern kann. Der Heizungsmarkt hat das in den vergangenen Jahren zweimal erlebt: einen Absatzsprung vor einer erwarteten Verschärfung und einen Einbruch danach. Die 40 Prozent des ersten Halbjahres 2026 sind vor diesem Hintergrund zu lesen — als starke Zahl mit bekannter Empfindlichkeit.
Was ist an einer Wärmepumpe eigentlich neu?
Das Prinzip nicht — die Anwendung schon. Eine Wärmepumpe arbeitet wie ein umgekehrter Kühlschrank: Sie entzieht der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser Wärme und hebt sie mit elektrischer Energie auf Heiztemperatur. Aus einer Kilowattstunde Strom werden je nach Anlage und Gebäude drei bis fünf Kilowattstunden Wärme. Neu ist, dass moderne Geräte diese Leistung auch bei niedrigen Außentemperaturen und in unsanierten Altbauten erreichen — was die Technik aus dem Neubau in den Bestand bringt, wo die große Mehrheit der deutschen Heizungen steht.
Quellen
Dieser Artikel stützt sich auf zwei voneinander unabhängige Quellen: