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Deutsche Offshore-Windkraft überschreitet 10 Gigawatt — 1.077 Megawatt kamen im ersten Halbjahr 2026 dazu

Von Redaktion Direkt Fokus··Natur

Offshore-Windturbinen und eine Umspannplattform in der Nordsee, davor ein orangefarbenes Versorgungsschiff.
Offshore-Windpark Nordergründe in der deutschen Nordsee. Foto: Ein Dahmer / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

In der deutschen Nord- und Ostsee sind im ersten Halbjahr 2026 84 neue Offshore-Windturbinen mit zusammen 1.077 Megawatt ans Netz gegangen — im ersten Halbjahr 2025 war es keine einzige. Zum 30. Juni 2026 waren damit 1.764 Anlagen mit 10,8 Gigawatt installierter Leistung auf See in Betrieb, und die Marke von zehn Gigawatt ist überschritten. Die Zahlen stammen aus dem Statusbericht der Deutschen WindGuard, den sechs Branchenverbände in Auftrag gegeben haben.

Woher kommt der Sprung nach einem Halbjahr ohne einen einzigen Netzanschluss?

Der Zubau des ersten Halbjahres 2026 stammt im Wesentlichen aus zwei Windparks: Borkum Riffgrund 3 und He Dreiht. Beide sind Großprojekte, die über mehrere Jahre errichtet wurden und deren Turbinen nun in Serie ans Netz gehen. Im ersten Halbjahr 2025 wurde in der deutschen Nord- und Ostsee dagegen keine einzige Anlage neu in Betrieb genommen. Weitere 22 Anlagen mit 323 Megawatt stehen inzwischen in Borkum Riffgrund 3, He Dreiht und im Nordseecluster A bereits im Wasser, sind aber noch nicht in Betrieb.

Warum nennen zwei unabhängige Statistiken zwei verschiedene Zahlen?

Die Deutsche WindGuard zählt für das erste Halbjahr 2026 84 Anlagen und 1.077 Megawatt. Die Auswertung des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur durch das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien kommt zum selben Stichtag auf 83 Anlagen und 1.062,2 Megawatt. Der Unterschied beträgt eine Turbine und knapp 15 Megawatt, also rund 1,4 Prozent. Die eine Reihe erhebt den Netzanschluss über die Branche selbst, die andere stützt sich auf die Meldungen im amtlichen Register. Beide zeigen dieselbe Richtung — wer die Zahl weiterverwendet, sollte aber wissen, welche der beiden Reihen er zitiert.

Was ist im selben Zeitraum an Land passiert?

An Land gingen laut Marktstammdatenregister 425 Windenergieanlagen mit 2.354,7 Megawatt in Betrieb, nach 414 Anlagen mit 2.212,4 Megawatt im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wurden 280 Altanlagen mit 410,9 Megawatt zurückgebaut, sodass der Bruttozubau deutlich über dem Nettozubau liegt. Die meiste neue Leistung entstand in Nordrhein-Westfalen mit 540,6 Megawatt, gefolgt von Niedersachsen mit 515,9 Megawatt und Schleswig-Holstein mit 349,9 Megawatt.

Was verrät der Rückgang bei der Photovoltaik über die neuen Anlagen?

Bei der Photovoltaik ging der Zubau im ersten Halbjahr 2026 zurück: 7.409,5 Megawatt nach 7.830,0 Megawatt im Vorjahreszeitraum, ein Minus von gut fünf Prozent. Die Zahl der neu gemeldeten Solaranlagen fiel im selben Zeitraum jedoch weit stärker, von 481.050 auf 386.254 — rund 95.000 Anlagen oder knapp 20 Prozent weniger. Rechnerisch folgt daraus, dass die durchschnittliche neue Solaranlage von rund 16,3 auf rund 19,2 Kilowatt gewachsen ist. Es entstehen weniger, dafür größere Anlagen. Der Zuwachs auf See von 1.062,2 Megawatt ist zudem mehr als doppelt so groß wie der Rückgang von 420,5 Megawatt bei der Photovoltaik.

Was ist damit noch nicht gelöst?

Der Sprung auf See ist ein Nachholeffekt und noch kein Trend. Für Offshore-Projekte mit 2,6 Gigawatt liegt eine endgültige Investitionsentscheidung vor; weitere 17,5 Gigawatt sind zwar bezuschlagt, aber ohne eine solche Entscheidung. Das Ausbauziel für 2032 liegt bei 30 Gigawatt. Von den heutigen 10,8 Gigawatt aus wären das rechnerisch knapp drei Gigawatt pro Jahr — deutlich mehr als die 1.077 Megawatt eines halben Jahres. Die beteiligten Verbände fordern deshalb eine sofortige Reform des Windenergie-auf-See-Gesetzes, unter anderem indexierte zweiseitige Differenzverträge und praxistaugliche Absicherungen für langfristige Stromabnahmeverträge. Und auch an Land gilt: 410,9 der 2.354,7 Megawatt wurden durch stillgelegte Altanlagen wieder aufgezehrt. Wind und Sonne zusammen kamen im ersten Halbjahr 2026 auf 10.328,7 Megawatt neue Leistung, nach 9.639,4 Megawatt im Vorjahreszeitraum.

Quellen

Dieser Artikel stützt sich auf zwei voneinander unabhängige Quellen:

  1. Deutsche WindGuard: Status des Offshore-Windenergieausbaus in Deutschland, 1. Halbjahr 2026 (Primärquelle)
  2. IWR: Auswertung des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur zum Zubau im ersten Halbjahr 2026 (unabhängige Quelle)