Gesundheit · Deutschland
Lebenserwartung in Deutschland erreicht 83,6 Jahre für Frauen und 79,1 Jahre für Männer
Von Redaktion Direkt Fokus··Menschen

Die Lebenserwartung bei Geburt hat in Deutschland 2025 neue Höchstwerte erreicht: 83,6 Jahre für Frauen und 79,1 Jahre für Männer. Das teilte das Statistische Bundesamt am 7. Juli 2026 mit. Gegenüber dem Vorjahr gewannen Frauen knapp zwei Monate, Männer etwa drei Monate hinzu.
Was heißt das für Menschen, die heute 65 sind?
Eine 65-jährige Frau hat statistisch noch 21,2 weitere Lebensjahre vor sich, ein 65-jähriger Mann 18,2 Jahre. Rechnerisch werden sie damit im Durchschnitt 86,2 beziehungsweise 83,2 Jahre alt. Auch hier ist der Wert gegenüber 2024 gestiegen — bei Frauen um rund einen Monat, bei Männern um etwa zwei.
Die Zahlen sind Periodensterbetafeln: Sie beschreiben, wie alt ein heute geborener Mensch würde, wenn die Sterblichkeit auf dem Niveau des Jahres 2025 bliebe. Eine Prognose sind sie nicht. Sie sind ein Momentaufnahme-Maß dafür, wie tödlich ein Jahr für die verschiedenen Altersgruppen war.
Wie groß sind die Unterschiede innerhalb Deutschlands?
Größer als der Zugewinn vieler Jahre zusammen. Für den Dreijahreszeitraum 2023/2025 liegt Baden-Württemberg mit 84,4 Jahren für Frauen und 80,3 Jahren für Männer an der Spitze. Am unteren Ende steht bei den Frauen das Saarland mit 82,0 Jahren, bei den Männern Sachsen-Anhalt mit 76,4 Jahren.
Zwischen einem Mann in Baden-Württemberg und einem Mann in Sachsen-Anhalt liegen damit 3,9 Lebensjahre — fast das Sechzehnfache dessen, was die Männer im vergangenen Jahr bundesweit an Lebenserwartung hinzugewonnen haben. Der jährliche Fortschritt ist real, aber er ist klein gegen das Gefälle, das innerhalb desselben Landes bereits besteht.
Was bleibt trotz des Rekords ungelöst?
Deutschland gewinnt Lebensjahre hinzu und fällt im westeuropäischen Vergleich trotzdem zurück. Eine gemeinsame Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung zeigt, dass der Abstand zur durchschnittlichen Lebenserwartung der übrigen westeuropäischen Länder von rund 0,7 Jahren im Jahr 2000 auf 1,7 Jahre im Jahr 2022 gewachsen ist. Bei den Männern liegt Deutschland auf Platz 15 von 16 untersuchten Ländern.
Als wichtigsten Grund nennen die Forschenden eine überdurchschnittliche Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das ist deshalb bemerkenswert, weil Deutschland pro Kopf deutlich mehr für sein Gesundheitssystem ausgibt als die meisten seiner Nachbarn. Hoher Mitteleinsatz bei vergleichsweise schwachem Ergebnis — das BiB bezeichnet diesen Widerspruch als Warnsignal, und zwar nicht für Einzelne, sondern für das System.
Woher stammen die Daten?
Aus der amtlichen Sterbefallstatistik. Das Statistische Bundesamt wertet dafür alle im Kalenderjahr beurkundeten Sterbefälle nach Alter und Geschlecht aus und setzt sie ins Verhältnis zur Bevölkerung der jeweiligen Altersgruppe. Für Deutschland insgesamt wird jährlich gerechnet, für die einzelnen Länder aus statistischen Gründen über drei Jahre gemittelt — deshalb steht neben dem Jahreswert 2025 stets der Zeitraum 2023/2025.
Quellen
Dieser Artikel stützt sich auf zwei voneinander unabhängige Quellen:
- Statistisches Bundesamt: Lebenserwartung bei Geburt für Frauen und Männer im Jahr 2025 auf neue Höchstwerte gestiegen (Pressemitteilung Nr. 236 vom 7. Juli 2026) (Primärquelle)
- Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: Lebenserwartung in Westeuropa — Studie zeigt wachsende Kluft zwischen Regionen (9. März 2026) (unabhängige Quelle)