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Spectrum von Isar Aerospace erreicht den Orbit und setzt fünf CubeSats aus — 17 Monate nach dem Erstflug

Von Redaktion Direkt Fokus··Wissen

Luftaufnahme des Raketengeländes von Andøya Space in Nordnorwegen: niedrige rot-weiße Gebäude und eine weiße Radarkuppel auf einer grünen Landzunge zwischen felsigen Hängen und einem hellen Sandstrand am blauen Meer.
Das Raketengelände von Andøya Space an der Küste Nordnorwegens in einer Aufnahme von 2012; von hier startete Spectrum am 5. September 2026. Foto: asbjorneliassen / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Die Trägerrakete Spectrum des Münchner Unternehmens Isar Aerospace hat am 5. September 2026 um 22:12 Uhr MESZ eine Erdumlaufbahn erreicht und dort fünf CubeSats sowie ein Experiment ausgesetzt. Es war der zweite Flug dieser Rakete: Der erste am 30. März 2025 war rund 30 Sekunden nach dem Abheben zu Ende. Gestartet wurde vom eigenen Startkomplex des Unternehmens bei Andøya Space in Nordnorwegen. Die Europäische Weltraumorganisation ESA bestätigte, dass Spectrum den Orbit erreicht hat.

Was genau ist auf Andøya gelungen?

Spectrum durchlief nach Angaben von Isar Aerospace alle wesentlichen Abschnitte eines Orbitalflugs: den Punkt des höchsten Staudrucks, das Abschalten des Haupttriebwerks, die Trennung der beiden Stufen, die Zündung der Oberstufe, den Abwurf der Nutzlastverkleidung und schließlich das Zirkularisierungsmanöver, mit dem eine Bahn erst zur geschlossenen Umlaufbahn wird. Danach wurden die Nutzlasten abgetrennt. Die Rakete ist 28 Meter hoch, misst 2 Meter im Durchmesser und soll mit ihren zehn Triebwerken bis zu 1.000 Kilogramm in eine niedrige Erdumlaufbahn tragen. Beim Erstflug im März 2025 war keiner dieser Punkte erreicht worden — der Flug endete nach etwa einer halben Minute.

Warum ist der Flug mehr als ein Firmenerfolg?

Europäische Trägerraketen starten üblicherweise vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana, also von einem anderen Kontinent aus. Nach Darstellung der ESA war der Flug vom 5. September 2026 der erste Start in eine Umlaufbahn von kontinentaleuropäischem Boden; Isar Aerospace bezeichnet sich als erstes kommerzielles Raumfahrtunternehmen Europas, das Satelliten in eine Umlaufbahn gebracht hat. Für Hochschulen und kleine Firmen, die bisher auf freie Plätze bei ausländischen Anbietern warten mussten, entsteht damit eine zusätzliche Startmöglichkeit in Reichweite. Isar Aerospace wurde 2018 gegründet, sitzt bei München und beschäftigt nach eigenen Angaben über 400 Menschen an fünf Standorten; die Raketen drei bis sieben sind bereits in der Fertigung.

Welche Satelliten sind an Bord — und was tun sie?

Die Nutzlasten stammen aus dem Mikrolauncher-Wettbewerb der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR und wurden über das Boost!-Programm der ESA mitfinanziert; sie kommen von Hochschulen und Start-ups. Dazu gehört CyBEEsat der TU Berlin, ein Würfel von 113 Millimetern Kantenlänge und rund zwei Kilogramm Masse, der in einer sonnensynchronen Bahn in etwa 500 Kilometern Höhe Perowskit-Solarzellen der Universität Potsdam und ein auf Cybersicherheit ausgelegtes Betriebssystem unter echten Weltraumbedingungen erprobt; sechs weitere Berliner Partner aus Start-ups und Mittelstand steuerten Hardware und Dienste bei. An Bord ist außerdem SpaceTeamSat1, der erste vollständig selbst entwickelte Satellit des TU Wien Space Team: Klassen an österreichischen Schulen schreiben Programme, die an Bord laufen, und bekommen Messdaten, Bilder und Videos über die eigene Bodenstation des Teams zurück.

Wie lässt sich der Erfolg unabhängig überprüfen?

Über die Satelliten selbst — und das ist der Teil, den weder die Firmenmitteilung noch die ESA-Meldung ausführt. CyBEEsat sendet die Telemetrie seiner Solarzellen-Experimente laut TU Berlin in regelmäßigen Bakensignalen an SatNOGS, ein offenes weltweites Netz ehrenamtlich betriebener Bodenstationen, dessen Empfangsdaten öffentlich einsehbar sind. Auch das TU Wien Space Team betreibt für SpaceTeamSat1 eine eigene Empfangsstation. Ob ein Satellit tatsächlich oben ist und funkt, hängt damit nicht allein an der Aussage des Startdienstleisters: Es lässt sich von Stellen bestätigen, die weder mit dem Unternehmen noch mit der ESA verbunden sind. Das ist bei einem Erstnachweis wie diesem der entscheidende Unterschied zwischen einer Ankündigung und einem überprüfbaren Ergebnis.

Was ist damit noch nicht gelöst?

Der Zustand der Satelliten. Isar Aerospace teilte am Tag des Starts mit, man arbeite noch mit den Kundinnen und Kunden daran, den Status der Nutzlasten zu bestätigen — dass sie ausgesetzt wurden, ist damit belegt, dass alle arbeiten, noch nicht. Auch die Stückzahl ist in den Meldungen nicht deckungsgleich: Isar Aerospace nennt fünf CubeSats und ein Experiment, die ESA schreibt von sechs kommerziellen und pädagogischen CubeSats samt einem Experiment. Und ein gelungener Flug ist noch kein regelmäßiger Startbetrieb: Die angekündigte Produktionshalle von 40.000 Quadratmetern für bis zu 40 Raketen im Jahr und ein weiterer Startplatz in Nova Scotia in Kanada sind Vorhaben, keine Ergebnisse. Was am 5. September 2026 gemessen werden konnte, ist ein einzelner Flug, der bis zum Ende ging.

Quellen

Dieser Artikel stützt sich auf vier voneinander unabhängige Quellen:

  1. Isar Aerospace: History for European spaceflight — Isar Aerospace reaches orbit and deploys payloads on second flight (Pressemitteilung vom 5. September 2026) (Primärquelle)
  2. Europäische Weltraumorganisation (ESA): Spectrum launches to orbit — Bestätigung des erreichten Orbits, technische Daten der Rakete und Rolle des Boost!-Programms (September 2026) (unabhängige Quelle)
  3. Technische Universität Berlin: Berliner Satellit der TU Berlin hebt an Bord der ersten deutschen Trägerrakete ab — Daten zu CyBEEsat, Zielbahn und Bodenstationsnetz (19. Januar 2026) (unabhängige Quelle)
  4. Technische Universität Wien: Ein Satellit aus Wien hebt ab — SpaceTeamSat1 des TU Wien Space Team, Bildungsmission und eigene Bodenstation (21. Januar 2026) (unabhängige Quelle)