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Energie · Österreich

Burgenland deckt über 70 Prozent seines Bruttoinlandsverbrauchs erneuerbar — vor drei Jahren waren es 50

Von Redaktion Direkt Fokus··Natur

Windräder über abgeernteten Feldern im nördlichen Burgenland unter einem hohen Wolkenhimmel
Windpark südlich von Kittsee im nördlichen Burgenland. Foto: Hangman’sDeath / Wikimedia Commons (CC0)

Das Burgenland deckt über 70 Prozent seines Bruttoinlandsverbrauchs an Energie aus erneuerbaren Quellen — vor drei Jahren waren es rund 50 Prozent. Das geht aus dem Energiewende-Check der Bundesländer hervor, den der Österreichische Biomasse-Verband am 18. August 2026 veröffentlicht hat. Kein anderes österreichisches Bundesland erreicht derzeit einen höheren Anteil. Im Burgenland leben rund 300.000 Menschen.

Woher kommt der Sprung von 20 Prozentpunkten?

Vor allem aus Windkraft und Photovoltaik, die im flachen Norden des Landes seit Jahren ausgebaut werden, und aus Bioenergie. Nach den Zahlen des Biomasse-Verbands deckt Bioenergie inzwischen 29 Prozent des burgenländischen Energieverbrauchs und ist damit hinter Erdöl und Windkraft der drittwichtigste Energieträger überhaupt. Die Fernwärme im Land stammt zu 100 Prozent aus Biomasse. Insgesamt wurden 2024 im Burgenland 6.875 Gigawattstunden erneuerbarer Energie erzeugt — der bislang höchste Wert.

Warum steigt ein Anteil auch ohne neue Kraftwerke?

Weil ein Anteil ein Bruch ist: Er wächst, wenn der Zähler steigt — und auch, wenn der Nenner fällt. Beides ist im Burgenland dokumentiert. Die erneuerbare Erzeugung legte zu, gleichzeitig weist das Energiemonitoring des Landes aus, dass der gesamte Energieverbrauch seit dem Basisjahr 2019 rückläufig ist, gegenüber dem Vorjahr aber wieder leicht anstieg. Wie viel der 20 Prozentpunkte auf mehr Erzeugung und wie viel auf weniger Verbrauch entfällt, weist keine der beiden Erhebungen getrennt aus. Für die Bewertung ist der Unterschied erheblich: Ein sinkender Verbrauch hebt die Quote auch dann, wenn kein einziges Windrad dazukommt — und er kann sich umkehren, sobald Wirtschaft oder Wetter anziehen.

Was sagen die Emissionszahlen des Landes selbst?

Sie zeigen in dieselbe Richtung, stammen aber aus einer anderen Quelle. Das Land Burgenland stellte am 11. Mai 2026 ein von Forschung Burgenland entwickeltes Berechnungswerkzeug vor, das Emissionen, Verbrauch und Erzeugung jährlich nachvollziehbar macht. Danach lagen die Treibhausgasemissionen des Landes 2024 bei 1,55 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent, 5,1 Prozent unter dem Wert von 2023 und so niedrig wie noch nie seit 1990. Der Anteil fossiler Energieträger wie Gas, Öl und Diesel geht demnach zurück.

Was ist damit nicht gelöst?

Der Verkehr. Er verursacht nach den Landeszahlen 52 Prozent der burgenländischen Treibhausgasemissionen — mehr als Landwirtschaft (16 Prozent) und Gebäude (13 Prozent) zusammen — und ist laut Biomasse-Verband seit 1990 um 59 Prozent gewachsen. Güterverkehr, Pendelverkehr und Tanktourismus an der Grenze wirken hier gegen die Bilanz, und erneuerbarer Strom im Netz bewegt zunächst keinen Diesel-Lkw. Auch beim Heizen ist das Bild geteilt: Während Ölkessel im Land binnen zwanzig Jahren von 27.000 auf 15.000 zurückgingen, stieg die Zahl der Gaskessel seit 2003/04 auf rund 30.500. Und für die bilanzielle Klima- und Energieneutralität, die das burgenländische Klimaschutzgesetz von 2025 für 2030 vorsieht, fehlen von 6.875 Gigawattstunden noch rund 2.400 Gigawattstunden bis zum Zielwert von 9.300.

Was merken die Haushalte davon?

Rund 35.000 burgenländische Haushalte — etwa 31 Prozent — heizen hauptsächlich mit Holz, und 2024 kamen mit 1.369 neuen Holzheizungen so viele hinzu wie in keinem Jahr zuvor. Insgesamt stammen 48 Prozent des Raumwärmeverbrauchs der Haushalte aus Holzbrennstoffen, davon 38 Prozentpunkte allein aus Scheitholz. Ablesbar ist das an den Emissionen des Gebäudesektors: Sie liegen 51 Prozent unter dem Wert von 1990. Das Burgenland ist zu 34 Prozent bewaldet, und etwa 40 Prozent der Holzernte gehen dort in die energetische Nutzung — im österreichischen Durchschnitt sind es 27 Prozent.

Quellen

Dieser Artikel stützt sich auf zwei voneinander unabhängige Quellen:

  1. Österreichischer Biomasse-Verband: Burgenland steigert Erneuerbaren-Anteil von 50 auf 70 Prozent — Energiewende-Check der Bundesländer (18. August 2026) (Primärquelle)
  2. Land Burgenland: Burgenland macht Klimaschutz messbar — neues Berechnungstool zeigt Fortschritt Richtung Klimaneutralität (11. Mai 2026) (unabhängige Quelle)