Wohnen · Deutschland
126.300 genehmigte Wohnungen im ersten Halbjahr 2026 — stärkster Zuwachs in Deutschland seit 2016
Von Redaktion Direkt Fokus··Menschen

Die Bauämter in Deutschland haben im ersten Halbjahr 2026 den Bau von 126.300 Wohnungen genehmigt — 16.600 oder 15,1 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025. Stärker war die Zahl der Baugenehmigungen in einer ersten Jahreshälfte zuletzt im Jahr 2016 gestiegen. Allein im Juni 2026 kamen 21.600 genehmigte Wohnungen hinzu, 13,8 Prozent mehr als im Juni des Vorjahres. Das teilte das Statistische Bundesamt am 18. August 2026 mit.
Wie viele Wohnungen wurden im ersten Halbjahr 2026 genehmigt?
126.300 — in neu errichteten und in bestehenden Gebäuden zusammengenommen. Auf den Neubau von Wohngebäuden entfielen davon 103.100 Wohnungen, 15,8 Prozent oder 14.100 mehr als ein Jahr zuvor. Weitere 20.800 Wohnungen wurden als Umbaumaßnahme an bestehenden Wohn- und Nichtwohngebäuden genehmigt, ein Plus von 9,2 Prozent. Eine Baugenehmigung ist dabei kein fertiges Haus, sondern die behördliche Erlaubnis, mit dem Bau zu beginnen; sie ist der früheste harte Indikator dafür, wie viel Wohnraum in zwei bis vier Jahren entstehen kann. Das Statistische Bundesamt erhebt diese Zahlen vollständig bei den Bauaufsichtsbehörden der Länder, nicht als Stichprobe.
Welche Gebäudeart trägt den Zuwachs?
Die Mehrfamilienhäuser. In ihnen wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 67.000 Wohnungen genehmigt, 9.700 mehr als im Vorjahreszeitraum — das sind rund 69 Prozent des gesamten Zuwachses im Wohnungsneubau von 14.100 Wohnungen. Rechnet man die Zweifamilienhäuser hinzu (7.700 Wohnungen, 1.700 mehr), stammen gut 81 Prozent des Zuwachses aus Gebäuden mit mehr als einer Wohnung. Einfamilienhäuser kamen auf 24.000 Genehmigungen (2.700 mehr), Wohnheime auf 4.400 (40 mehr). Diese Aufteilung rechnet keine der beiden Quellen vor, doch sie verändert die Lesart des Aufschwungs: Er findet dort statt, wo Miet- und Eigentumswohnungen in dichter Bebauung entstehen, und nicht im freistehenden Eigenheim. Relativ am kräftigsten legten die Zweifamilienhäuser zu (27,3 Prozent) — absolut sind sie mit 1.700 zusätzlichen Wohnungen der kleinste Beitrag.
Kommt der Anstieg in den Baufirmen an?
Erste Anzeichen dafür gibt es. Das ifo Institut befragt monatlich Unternehmen des Bauhauptgewerbes — eine von der Genehmigungsstatistik unabhängige Erhebung, weil sie nicht Behördenbescheide zählt, sondern Betriebe nach ihrer Lage fragt. Im Juli 2026 sank dort der Anteil der Wohnungsbauunternehmen mit zu wenig Aufträgen von 43,7 auf 41,2 Prozent, das Geschäftsklima stieg von minus 30,6 auf minus 29,3 Punkte, und Engpässe bei Vorprodukten meldeten nur noch 8,5 statt 9,7 Prozent der Betriebe. „Die gestiegenen Baugenehmigungen kommen offenbar langsam in der Branche an“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen, am 17. August 2026. Zwei Erhebungen mit völlig unterschiedlicher Methode zeigen damit in dieselbe Richtung.
Wie stark ist der Anstieg im längeren Vergleich?
Deutlich, aber von einem niedrigen Ausgangswert. Der letzte stärkere Halbjahreszuwachs liegt zehn Jahre zurück: 2016 stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 30,4 Prozent. Damals folgte der Zuwachs allerdings auf ohnehin steigende Zahlen, während die Genehmigungen nach der Zinswende von 2022 an einbrachen; erst im Gesamtjahr 2025 lagen sie mit 10,8 Prozent wieder über dem Vorjahr. Die Basis, auf der das Plus von 2026 aufsetzt, liegt also weiterhin unter dem Niveau der Jahre davor. Für Menschen, die eine Wohnung suchen, zählt am Ende ohnehin nicht die Wachstumsrate, sondern die absolute Zahl — und 126.300 Genehmigungen in sechs Monaten entsprechen gut 21.000 Wohnungen pro Monat.
Was ist damit noch nicht gelöst?
Gebaut wird deshalb noch nicht mehr. 2025 wurden in Deutschland 206.600 Wohnungen fertiggestellt, 18,0 Prozent oder 45.400 weniger als im Jahr zuvor und weniger als in jedem Jahr seit 2012. Zum Jahresende 2025 lag der Bauüberhang — genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen — bei 760.700, praktisch unverändert gegenüber 759.700 ein Jahr zuvor; davon befanden sich nur 307.200 überhaupt im Bau. Zugleich erloschen 2025 rund 35.700 Baugenehmigungen, der höchste Wert seit 2002: Im vergangenen Jahr verfielen damit mehr als doppelt so viele Genehmigungen, wie im ersten Halbjahr 2026 zusätzlich erteilt wurden. Auch die ifo-Zahlen sind nicht nur freundlich — die Stornierungsquote im Wohnungsbau stieg im Juli von 11,4 auf 13,1 Prozent. Wohlrabe nennt die Erholung im Wohnungsbau deshalb ausdrücklich fragil.
Quellen
Dieser Artikel stützt sich auf zwei voneinander unabhängige Quellen:
- Statistisches Bundesamt: Baugenehmigungen für Wohnungen im Juni 2026: +13,8 % zum Vorjahresmonat (Pressemitteilung Nr. 291 vom 18. August 2026) (Primärquelle)
- ifo Institut: Geschäftsklima im Wohnungsbau leicht verbessert — Ergebnisse der ifo Konjunkturumfrage vom 17. August 2026 (unabhängige Quelle)