Gesundheit · Deutschland
Nur 6,8 Prozent der 12- bis 17-Jährigen in Deutschland trinken wöchentlich Alkohol — Tiefstand seit 1979
Von Redaktion Direkt Fokus··Menschen

Der regelmäßige Alkoholkonsum junger Menschen in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Messung gefallen: 2025 tranken 6,8 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal pro Woche Alkohol — 9,2 Prozent der männlichen und 4,1 Prozent der weiblichen Jugendlichen. Für diese Altersgruppe liegen Daten seit 1979 vor, und beide Werte sind die niedrigsten der gesamten Reihe. Das geht aus der Drogenaffinitätsstudie 2025 hervor, deren Ergebnisse zum Alkohol das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) am 3. September 2026 veröffentlicht hat.
Wie stark ist der wöchentliche Alkoholkonsum zurückgegangen?
Bei den 12- bis 17-Jährigen ist der Anteil derer, die mindestens einmal pro Woche Alkohol trinken, gegenüber der vorangegangenen Erhebung von 2023 bei beiden Geschlechtern signifikant gesunken: auf 9,2 Prozent der männlichen und 4,1 Prozent der weiblichen Jugendlichen, zusammen 6,8 Prozent. Bei den 18- bis 25-Jährigen, für die die Zeitreihe bis 1973 zurückreicht, liegt der wöchentliche Konsum 2025 mit 34,7 Prozent unter den jungen Männern und 14,3 Prozent unter den jungen Frauen ebenfalls auf dem bisher niedrigsten Stand; über beide Geschlechter zusammen sind es 25,0 Prozent. Auch der Einstieg verschiebt sich nach hinten: Das durchschnittliche Alter beim ersten Glas Alkohol stieg von 14,1 Jahren im Jahr 2004 auf 15,1 Jahre. Grundlage ist eine Befragung von 7.001 jungen Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren zwischen April und Juli 2025.
Bestätigt eine unabhängige Messung den Rückgang?
Ja — und zwar eine, die nicht auf Selbstauskunft beruht. Das Statistische Bundesamt zählt in seiner Krankenhausstatistik jeden stationär behandelten Fall, nicht eine Stichprobe. Danach wurden 2024 in Deutschland 8.800 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 19 Jahren wegen einer akuten Alkoholvergiftung stationär behandelt; zehn Jahre zuvor waren es 22.400. Das ist ein Rückgang um 60,8 Prozent. Zählt man alle ausschließlich alkoholbedingten Diagnosen dieser Altersgruppe zusammen, sank die Zahl von 24.300 auf 10.100 Fälle. Über alle Altersgruppen hinweg wurden 2024 rund 283.500 Menschen wegen einer ausschließlich alkoholbedingten Krankheit stationär behandelt, 28,9 Prozent weniger als 2014. Eine Befragung von 7.001 jungen Menschen und eine Vollzählung der Krankenhausfälle sind zwei voneinander unabhängige Erhebungen — und sie zeigen in dieselbe Richtung.
Trinken weniger junge Menschen Alkohol — oder trinken sie seltener?
Beides, aber nicht im gleichen Tempo, und darin liegt der eigentliche Befund. Die Reichweite des Alkohols hat sich zuletzt kaum noch verändert: Der Anteil der 12- bis 17-Jährigen, die in den 30 Tagen vor der Befragung überhaupt Alkohol getrunken hatten, liegt bei 32,9 Prozent — deutlich unter den 58,4 Prozent von 2004, doch bei den männlichen Jugendlichen stagniert dieser Rückgang seit 2016, bei den weiblichen seit 2015. Die Häufigkeit dagegen fällt weiter, bis auf das Rekordtief von 6,8 Prozent, und die schwersten Folgen fallen am schnellsten: minus 60,8 Prozent bei den Klinikfällen der 10- bis 19-Jährigen in zehn Jahren, während die Krankenhausbehandlungen insgesamt im selben Zeitraum nur um 8,6 Prozent zurückgingen — ein rund siebenmal so starker Rückgang. Was sich zuletzt verändert hat, ist also nicht die Zahl derer, die Alkohol überhaupt probieren, sondern wie oft und wie weit getrunken wird.
Wer trinkt weniger: junge Frauen oder junge Männer?
Beim Rauschtrinken — fünf Gläser oder mehr bei einer Gelegenheit, bei Frauen vier — geht der Rückgang fast vollständig auf junge Frauen zurück. Unter den 18- bis 25-jährigen Frauen sank der Anteil 2025 gegenüber 2023 signifikant auf 26,1 Prozent; zuvor hatte er, abgesehen vom Pandemiejahr 2021, immer bei 30 Prozent oder darüber gelegen. Unter den jungen Männern liegt er bei 45,8 Prozent und hat sich seit 2014 nur wenig verändert. Zwischen beiden Gruppen klaffen damit 19,7 Prozentpunkte. Beim wöchentlichen Konsum bewegen sich dagegen beide Geschlechter nach unten, und zwar auf die niedrigsten Werte, die für sie je gemessen wurden.
Was ist damit nicht gelöst?
Das Rauschtrinken selbst. Bei den 12- bis 17-Jährigen liegt es mit 14,8 Prozent (männlich) und 14,7 Prozent (weiblich) wieder auf dem Niveau von vor der Corona-Pandemie — der Rückgang aus den Pandemiejahren ist damit aufgezehrt. Bei den 18- bis 25-jährigen Männern hat sich seit über einem Jahrzehnt praktisch nichts bewegt, und insgesamt gab mehr als ein Drittel der jungen Erwachsenen (36,3 Prozent) an, sich in den 30 Tagen vor der Befragung in einen Rausch getrunken zu haben. Alkohol überhaupt zu probieren bleibt zudem die Regel: 94,0 Prozent der 18- bis 25-Jährigen haben das schon getan, ein Wert, der seit 2001 unverändert über 90 Prozent liegt. Auch die 8.800 Klinikfälle des Jahres 2024 sind kein kleiner Rest. Und beide Messungen blicken zurück: Die Befragungsdaten stammen aus dem Sommer 2025, die Krankenhauszahlen aus dem Jahr 2024. Wie sich 2026 entwickelt, sagt bisher keine von beiden.
Quellen
Dieser Artikel stützt sich auf zwei voneinander unabhängige Quellen:
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): Weniger junge Menschen konsumieren Alkohol — Rauschtrinken bleibt aber weiterhin auf hohem Stand. Ergebnisse der Drogenaffinitätsstudie 2025 zum Alkoholkonsum (Pressemitteilung vom 3. September 2026) (Primärquelle)
- Statistisches Bundesamt: Krankenhausbehandlungen wegen Alkoholkonsums in zehn Jahren um 28,9 % zurückgegangen — bei 10- bis 19-Jährigen um 60,8 % (Pressemitteilung Nr. N011 vom 11. Februar 2026) (unabhängige Quelle)