Energie · Deutschland
Deutschland erzeugt bis September 90,2 Terawattstunden Solarstrom — mehr als im gesamten Jahr 2025
Von Redaktion Direkt Fokus··Natur

Deutsche Photovoltaikanlagen haben vom 1. Januar bis zum 27. September 2026 rund 90,2 Terawattstunden Strom erzeugt — mehr als im gesamten Jahr 2025, in dem es 90,0 Terawattstunden waren. Das zeigen die Energy-Charts des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE, auf die sich der Bundesverband Solarwirtschaft in seiner Meldung vom 28. September beruft. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatten die Anlagen laut derselben Datenreihe 78,6 Terawattstunden geliefert; das Plus liegt damit bei rund 14,7 Prozent, und das Jahr 2026 steht schon vor dem letzten Quartal als Rekordjahr für Solarstrom fest.
Bestätigen unabhängige Statistiken den Solarrekord?
Ja, zwei weitere Datenreihen zeigen dieselbe Richtung. Die Strommarktplattform SMARD der Bundesnetzagentur erfasst nur den Solarstrom, der ins öffentliche Netz eingespeist wird. Nach ihren Tageswerten waren es vom 1. Januar bis 27. September 2026 rund 75,4 Terawattstunden, nach 65,8 Terawattstunden im gleichen Zeitraum 2025 — ein Plus von 14,5 Prozent. Auch in dieser Reihe ist der Wert des gesamten Vorjahres (73,8 Terawattstunden) bereits übertroffen. Das Statistische Bundesamt, das die Stromerzeugung über eigene Erhebungen ermittelt, meldete für das erste Halbjahr 2026 41,0 Milliarden Kilowattstunden Solarstrom, 3,5 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025.
Warum kam der Rekord gerade in diesem Sommer?
Der Sommer 2026 war einer der fünf sonnigsten in Deutschland seit Beginn der Messreihe 1951. Der Deutsche Wetterdienst bilanzierte rund 779 Sonnenstunden, etwa 19 Prozent mehr als im Mittel der Jahre 1991 bis 2020; in Teilen Süddeutschlands kamen örtlich rund 900 Stunden zusammen. Die Netzeinspeisung nach SMARD zeigt, wie stark das wirkte: Von Juli bis 27. September flossen 30,7 Terawattstunden Solarstrom ins Netz, nach 24,6 Terawattstunden im Vorjahreszeitraum — ein Plus von rund 25 Prozent. Im ersten Halbjahr lag das Plus in derselben Reihe bei 8,4 Prozent. Dazu kommt der Ausbau: In Deutschland sind inzwischen rund 130 Gigawatt Photovoltaikleistung installiert, allein 2025 kamen 17,5 Gigawatt hinzu.
Wie viel Solarstrom erreicht das öffentliche Netz nie?
Rund ein Fünftel des deutschen Solarstroms wird dort verbraucht, wo er entsteht. Die Energy-Charts weisen für 2025 eine Gesamterzeugung von 90,0 Terawattstunden aus, aber nur 70,2 Terawattstunden öffentliche Nettoerzeugung; die Differenz von knapp 20 Terawattstunden ist der geschätzte Eigenverbrauch von Hausdächern, Gewerbe und Industrie. Darum nennen verschiedene Statistiken für dasselbe Jahr unterschiedliche Solarzahlen: Wer nur die Netzeinspeisung misst, kommt auf deutlich weniger als wer den Eigenverbrauch mitschätzt. Für den Rekord spielt das keine Rolle — er zeigt sich in beiden Abgrenzungen.
Was ist mit dem Rekord noch nicht gelöst?
Ein Rekordjahr ist noch kein gesicherter Ausbaupfad. Ein großer Teil des diesjährigen Plus stammt aus dem Wetter, das sich nicht wiederholen lässt, und der Zubau neuer Anlagen hat sich abgeschwächt: Laut Marktstammdatenregister gingen im ersten Halbjahr 2026 rund 7,4 Gigawatt neu ans Netz, gut fünf Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2025. Das gesetzliche Ziel für 2030 liegt bei 215 Gigawatt; von heute rund 130 Gigawatt aus wären das rechnerisch etwa 20 Gigawatt pro Jahr, mehr als die 17,5 Gigawatt des Jahres 2025. Beim Anteil an der gesamten Stromerzeugung trat die Photovoltaik im ersten Halbjahr laut Statistischem Bundesamt auf der Stelle: 17,8 Prozent nach 18,0 Prozent ein Jahr zuvor. Der Bundesverband Solarwirtschaft warnt zudem, dass die geplante EEG-Novelle 2027 und das Netzpaket, die der Bundestag am 24. September in erster Lesung beraten hat, neue Investitionshürden schaffen könnten — etwa durch eine Direktvermarktungspflicht und geringere Förderung kleiner Anlagen.
Quellen
Dieser Artikel stützt sich auf fünf voneinander unabhängige Quellen:
- Fraunhofer ISE, Energy-Charts: Stromerzeugung in Deutschland, Solar (Gesamterzeugung inkl. Eigenverbrauch) (Primärquelle)
- Bundesverband Solarwirtschaft: Deutschlands Solarstromproduktion übertrifft schon im September das gesamte Vorjahr (28. September 2026) (Primärquelle)
- Statistisches Bundesamt: Stromerzeugung im 1. Halbjahr 2026: 6,5 % mehr Strom aus erneuerbaren Energien (unabhängige Quelle)
- Bundesnetzagentur, SMARD: Marktdaten Stromerzeugung, Photovoltaik (Netzeinspeisung) (unabhängige Quelle)
- Deutscher Wetterdienst: Deutschlandwetter im Sommer 2026 (unabhängige Quelle)