Energie · Deutschland
Deutschland überschreitet 128 Gigawatt Solarleistung — EEG-Ausbauziel für 2026 vier Monate früher erreicht
Von Redaktion Direkt Fokus··Natur

Die in Deutschland installierte Photovoltaik-Leistung hat im August 2026 die Marke von 128 Gigawattpeak überschritten und damit das im Erneuerbare-Energien-Gesetz für 2026 festgeschriebene Ausbauziel rund vier Monate vor Jahresende erreicht. Das teilte der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) am 20. August 2026 mit, gestützt auf das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Registriert sind dort inzwischen mehr als 6,2 Millionen Solarstromanlagen — vom Balkonmodul bis zum Freiflächenpark.
Wie viel Strom liefern diese Anlagen tatsächlich?
Gigawattpeak ist eine Leistungsangabe unter Normbedingungen, kein Ertrag. Wie viel daraus wird, hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) für das Jahr 2025 ausgewertet: Photovoltaikanlagen erzeugten rund 87 Terawattstunden, davon gingen etwa 71 Terawattstunden ins öffentliche Netz und 16,9 Terawattstunden verbrauchten die Betreiber selbst. Damit lag Solarstrom im öffentlichen Netz erstmals über der Braunkohle, die auf 67,2 Terawattstunden kam. Die 128 Gigawatt von 2026 liegen noch einmal deutlich über dem Anlagenbestand, der diese Erzeugung getragen hat.
Warum nennen Bundesnetzagentur und Branchenverband verschiedene Zahlen?
Weil sie unterschiedliche Stichtage meinen — und weil die Zahlen im Nachhinein noch wachsen. Die Bundesnetzagentur weist für das Ende des Monats Juli 2026 eine kumulierte Leistung von 127,38 Gigawatt aus knapp 6,23 Millionen Anlagen aus, Datenstand 13. August. Der Juli-Zubau von 1.827,9 Megawatt hebt den Bestand allein rechnerisch über die 128-Gigawatt-Schwelle. Hinzu kommt ein Effekt, der in der Berichterstattung meist fehlt: Betreiber melden ihre Anlagen erst nach Inbetriebnahme im Marktstammdatenregister an, oft mit Verzug. Ein Monatswert steigt deshalb noch Monate später durch Nachmeldungen. Wer zwei Veröffentlichungen zum selben Zeitraum vergleicht, findet darum fast immer die spätere als die höhere — ohne dass ein einziges Modul dazugekommen wäre.
Reicht dieses Tempo für das Ziel 2030?
Nach heutigem Stand nicht. Das Gesetz schreibt 215 Gigawattpeak für 2030 fest, als Zwischenschritt 172 Gigawattpeak für 2028 und 400 Gigawattpeak für 2040. Von 128 aus fehlen also rund 87 Gigawatt in gut vier Jahren, was einem Zubau von etwa 20 Gigawatt pro Jahr entspricht. Erreicht wurden 2024 und 2025 jeweils rund 17,5 Gigawatt. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 kamen laut Bundesnetzagentur etwa 9.620 Megawatt hinzu — hochgerechnet gut 16,5 Gigawatt für das Gesamtjahr. Das nötige Tempo liegt damit etwa ein Fünftel über dem gegenwärtigen, und der Abstand ist zuletzt nicht kleiner, sondern größer geworden.
Was ist damit nicht gelöst?
Der Verband, der den Meilenstein meldet, warnt im selben Atemzug vor einem Ausbauknick: Geplante Änderungen an den politischen Rahmenbedingungen könnten die nächsten Etappenziele gefährden, sagt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig — der 128-Gigawatt-Erfolg bedeute nicht, dass der Solarausbau von allein weiterlaufe. In den Zubauzahlen ist dieser Knick allerdings noch nicht zu sehen: Der Juli 2026 war mit 1.827,9 Megawatt der bislang stärkste Monat des Jahres. Die Warnung beschreibt also ein Risiko, keine gemessene Trendwende — beides sollte man auseinanderhalten, wenn in den kommenden Monaten Zahlen als Beleg für das eine oder das andere zitiert werden.
Was bedeuten 128 Gigawatt im Alltag?
Rechnerisch entfallen auf jede Einwohnerin und jeden Einwohner in Deutschland rund 1,5 Kilowatt installierte Solarleistung — bei rund 83 Millionen Menschen und 128 Gigawatt. Auf die 6,2 Millionen Anlagen verteilt ergibt das im Schnitt gut 20 Kilowatt je Anlage; die sehr große Zahl kleiner Dach- und Balkonanlagen steht also neben wenigen sehr großen Freiflächenparks. Wie viel von diesem Strom gar nicht erst ins Netz geht, zeigt die Erzeugungsbilanz 2025: Von den rund 87 Terawattstunden Solarstrom verbrauchten die Betreiber 16,9 Terawattstunden selbst — knapp jede fünfte Kilowattstunde blieb dort, wo sie erzeugt wurde.
Quellen
Dieser Artikel stützt sich auf drei voneinander unabhängige Quellen:
- Bundesnetzagentur: Statistik zur Stromerzeugungsleistung ausgewählter erneuerbarer Energieträger, Juli 2026 (Marktstammdatenregister, Datenstand 13. August 2026) (Primärquelle)
- Bundesverband Solarwirtschaft: Solarleistung erreicht Meilenstein — Branche warnt vor Ausbauknick (20. August 2026) (unabhängige Quelle)
- Fraunhofer ISE: Öffentliche Nettostromerzeugung in Deutschland 2025 — Wind und Photovoltaik erstmals an der Spitze (2. Januar 2026) (unabhängige Quelle)